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Nachrichten Bewährungsstrafe nach tödlichem Unfall
Umland Burgwedel Nachrichten Bewährungsstrafe nach tödlichem Unfall
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00:31 03.06.2018
Bei dem Verkehrsunfall auf der A7 im Mai 2017 waren zahlreiche Rettungskräfte im Einsatz gewesen. Zwei Menschen starben. Quelle: Archiv (Elsner)
Mellendorf/Großburgwedel

Das Amtsgericht Burgwedel hat am Donnerstag eine 37 Jahre alte Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dass die Frau im Mai 2017 einen Unfall mit zwei Toten auf der A7 verursacht hatte, daran gab es keinen Zweifel. Allerdings trifft laut eines Gutachters eine erhebliche Mitschuld auch die Ärzte, die eines der Unfallopfer in der Medizinischen Hochschule behandelt hatten. Dort war die Frau nur Stunden nach dem Unfall verstorben.

Van rammte Mazda

Angeklagt war die 37-jährige Tierarzthelferin aus dem Landkreis Lüneburg wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen. Sie war am 11. Mai 2017 mittags in einem Mercedes Vito mit Tempo 130 bis 140 auf der A7 in Richtung Hamburg unterwegs gewesen. Die Fahrt endete auf dramatische Weise in der Wedemark. Zwischen Mellendorf und Berkhof sah die Frau zu spät, dass der Verkehr vor einer Baustelle ins Stocken geriet. Sie bremste stark ab und wich auf die Mittelspur aus. Dort rammte der Van mit Tempo 100 bis 110 einen deutlich langsameren Mazda 3 eines älteren Ehepaares. Beide Wagen prallten gegen die Seite eines Lastwagen. Der Mazda schleuderte gegen das Heck eines weiteren Lastwagens, ehe er ein zweites Mal vom Mercedes getroffen wurde und schließlich auf der Beifahrerseite liegen blieb. Die Autobahn war sechs Stunden lang gesperrt. Die Polizei und ein Sachverständiger ermittelten den Unfallhergang, fünf Zeugen bestätigten vor Gericht im Groben diesen Ablauf.

Während die Tierarzthelferin den Unfall ohne schwere körperliche Verletzungen überstand, starb der 76 Jahre alte Mazda-Fahrer noch an der Unfallstelle. Seine ein Jahr jüngere Beifahrerin wurde in die Medizinische Hochschule geflogen, wo sie rund vier Stunden später ebenfalls verstarb.

Verursacherin: Es tut mir unendlich leid

Im Prozess ließ die Verursacherin über ihren Verteidiger erklären, dass sie sich an den Unfall selbst nicht erinnern könne. Erst im Anschluss sei ihr klar geworden, dass sie wohl schuld gewesen sei. Seiner Mandantin tue es unendlich leid. Bis heute sei sie in psychiatrischer Behandlung, habe lange nicht mehr Auto fahren können.

Dass die Tierarzthelferin durch ihre Unachtsamkeit den Tod des Mazda-Fahrers verursacht hatte, zweifelte vor Gericht niemand an. Anders stand es, was den Tod seiner Beifahrerin und Ehefrau anging, die laut eines Rechtsmediziners in der MHH an einem Verblutungsschock und Sauerstoffmangel starb. Laut eines medizinischen Gutachters musste die Frau aufgrund einer Erkrankung regelmäßig ein blutverdünnendes Präparat einnehmen, das zugleich aber auch die Blutgerinnung hemmt. Diese Medikation sei aber offenbar nicht abgefragt worden, obwohl die Frau nach dem Unfall ansprechbar gewesen sei. Erhobene Werte seien zudem ein klares Zeichen für Blutungen gewesen.

Gutachter: Ärzte haben „groben Fehler“ begangen

Die Frage des Richters, ob die Patientin bei richtiger Behandlung hätte gerettet werden können, beantwortete der Gutachter mit „vermutlich ja". Er sprach in Hinblick auf den nicht erkannten Blutverdünner von einem „groben Fehler" - ihre Chance zu überleben wäre ohne diesen „deutlich höher" gewesen. „Sie ist langsam verblutet“. Einen weiteren Fehler habe es beim Versuch der Wiederbelebung gegeben: Der Tubus zur Beatmung war laut des Gutachters statt in der Luft- in der Speiseröhre gelandet.

Was das juristisch für die behandelnden Ärzte bedeutet, bleibt abzuwarten. „Ich habe mir eine Notiz gemacht“, sagte die Staatsanwältin im Prozess. Dem Sprecher der MHH war der Vorgang bis Donnerstag nicht bekannt. Er konnte deshalb zunächst keine Stellung beziehen.

Urteil: Acht Monate auf Bewährung

Für die in Burgwedel angeklagte Unfallverursacherin reduzierte sich die angenommene zweifache fahrlässige Tötung auf einen Fall in Tateinheit mit einer fahrlässiger Körperverletzung. Vergeblich plädierte der Verteidiger der Tierarzthelferin auf eine Geldstrafe. Amtsrichter Michael Siebrecht verurteilte die 37-Jährige zu acht Monaten auf Bewährung und einem dreimonatigen Fahrverbot. Außerdem muss sie 4500 Euro an die Kindernothilfe zahlen. „Sie waren schlicht unaufmerksam“, wandte er sich in seiner Urteilsbegründung an die Frau. Der Unfall als solcher, zumindest aber die derart schweren Folgen, seien vermeidbar gewesen, wenn sie besser aufgepasst und früher gebremst hätte. Hinzu gekommen sei allerdings auch der „grobe Behandlungsfehler“ der Ärzte.

Von Frank Walter

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