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Nachrichten Kinderreich – seit Monaten auf Wohnungssuche
Umland Burgwedel Nachrichten Kinderreich – seit Monaten auf Wohnungssuche
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00:15 23.03.2016
Von Martin Lauber
Ein Herz und eine Seele: Die Simons haben die Hoffnung auf ein schönes neues Zuhause noch nicht aufgegeben. Quelle: Martin Lauber
Fuhrberg

Nadine und Jens Simon haben in den zurückliegenden Monaten ein neues Wort gelernt: "Dinks“. Das Akronym steht für "Double Income no Kids“. Doch auf die beiden, die sich als Zeitsoldaten kennengelernt hatten, trifft nur die erste Hälfte zu: Er verdient sein Einkommen als kaufmännischer Angestellter, sie ihres als Zahnarzthelferin.

Statt "no kids“ jedoch sind da Leon (14) und Marvin (12) und Luca (10) und Levin (8). "Eine ganz normale Familie eben“, dachte das Paar – bis es sich nach der Eigenbedarfskündigung auf Wohnungssuche begeben musste. Auf Streit oder gar eine Räumungsklage und im schlimmsten Fall die Unterbringung in einer Obdachlosen-Unterkunft wollen die Mieter es auf keinen Fall ankommen lassen.

In der jetzigen 120-Quadratmeter-Wohnung teilen die Jungs sich jeweils zu zweit ein Schlafzimmer. Die Küchentisch ist der Lebensmittelpunkt der Familie. Über dem Kaminofen im Wohnzimmer ist auf einer Tafel zu lesen: "Lerne, träume, lebe!“ Im Augenblick schlägt den Simons die Stunde des Lernens. Sie lernen, dass sie als kinderreiche Familie "in eine Schublade gesteckt“ werden. So fasst die Mutter die bisher durchweg ernüchternden Erfahrungen im Kontakt mit rund 30 Vermietern zusammen.

Zwar waren die meisten Häuser und Wohnungen "ausreichend dimensioniert“, aber das Gros der Vermieter habe das anders gesehen: Zwei Zimmer für vier Kinder? Inakzeptabel! Im 25-Kilometer-Umkreis fanden die Simons zwar Traumdomizile innerhalb ihres Budgets bis 1000 oder 1100 Euro Kaltmiete – hatten aber keine Chance gegen ältere Ehepaare oder "Dinks“. Ein Mietobjekt wurde kurzfristig doch noch verkauft. Die extremste Aussage: "Zehn Hunde ja, aber keine Kinder.“ Der 13-jährige Familien-Retriever gab in einem Drittel der Absagen den Negativ-Ausschlag, meist war es die Zahl der Kinder.

Freunde und Bekannte mittlerweile in ganz Burgwedel halten die Ohren für die Simons offen, trotzdem: "Zwischenzeitig war unsere Moral schon gebrochen“, berichtet die Mutter. Die erfolglose Wohnungssuche im Wohnungssuche-Portal des Netzwerks Burgwedel verfolgen viele im Internet mit. Auch Fuhrbergs Pastor Rainer Henne, der in Kürze Leon Simon konfirmieren wird, lässt das Schicksal der Familie nicht kalt. Gestern nutzte er im Sonntagsgottesdienst die Abkündigungen, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. "Ich habe Angst, dass hier eine bezaubernde Familie sozial deklassiert wird“, sagt er. Nicht akzeptieren mag er, dass Kinder ein Makel sein sollen. "Was glaubt Ihr denn, wer einmal Eure Rente bezahlt und Euch pflegt, wenn Ihr alt seid?“, die Frage stellt er in den Raum.

Das Dumme ist: Die sechsköpfige Familie Simon ist mitnichten eine Ausnahme. Besonders in einkommensstarken Städten ist nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nur gut ein Viertel der inserierten Wohnungen überhaupt für Familien geeignet. Und um diese Wohnungen stünden, so der Deutsche Familienverband, Kinderreiche in harter Konkurrenz mit Alleinstehenden und Kinderlosen, die viele Vermieter lieber akzeptierten: "140-Quadratmeter-Wohnung, ideal für kinderloses Ehepaar, gerne mit Hund“.

Tina Roth, Maklerin aus Großburgwedel, bestätigt, dass im Raum Burgwedel "die Möglichkeiten der Vermietung generell sehr eingeschränkt“ seien. Burgwedel sei ein Verkaufsmarkt, die Mieten für große Wohnungen oder Häuser seien meist hoch. Von dieser Zeitung mit dem Fall der Fuhrberger Familie konfrontiert, setzte Roth sich am Wochenende spontan wegen eines kleinen Reihenhauses in Isernhagen – im Souterrain ließe sich ein Schlafzimmer zusätzlich schaffen – mit dem Eigentümer in Verbindung. Der Ortstermin hat schon stattgefunden, die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber so weit waren die Simons bisher noch nie.

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