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Nachrichten Rehkitzrettung 4.0 ist gestartet
Umland Burgwedel Nachrichten Rehkitzrettung 4.0 ist gestartet
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00:29 09.06.2018
Mittels Drohne werden heute Rehkitze vor der Wiesenmahd aus der Luft gesucht und gefunden. Quelle: Sven Warnecke
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Kaltenweide

Das Surren ist nicht zu überhören, wenn Marc-André Gödeke seine Drohne startet. Das gut 4000 Euro teure und etwa 1,9 Kilogramm schwere Fluggerät ist mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet. Mithilfe der modernen Technik will der Kaltenweider Rehkitze vor dem Tod im Mähwerk bei der Heuernte bewahren. Jetzt ist in Langenhagen auf den Wiesen des Altenhorster Landwirts Heinrich Wieters das hiesige Pilotprojekt – wenn auch spät in diesem Jahr – gestartet. Anderenorts wird diese „Kitzrettung 4.0“ bereits seit einiger Zeit mit Erfolg praktiziert.

Und Gödeke, der für diese kostenlose Hilfe die Zustimmung der zuständigen Jagdpächter braucht, darf sich der Unterstützung des Hegerings Langenhagen sicher sein. „Wir stehen auf jeden Fall dahinter“, betont der stellvertretende Leiter des Hegerings, Ralf Seeßelberg. Mehr noch. Der Zusammenschluss der Jäger will das ehrenamtliche Angebot Gödekes unter hiesigen Landwirten und Waidmännern noch bekannter machen. Zudem sucht der Kaltenweider, im Hauptberuf Programmierer, gemeinsam mit den Jägern nach Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung dieses nicht ganz billigen Unterfangens.

Und warum der ganze Aufwand?

Wie notwendig die Rettung aus der Luft ist, – sie kommt bundesweit immer mehr zum Einsatz – belegen Zahlen der Landesjägerschaft Niedersachsen. Danach würden jedes Jahr in Deutschland bei der sogenannten Grünlandmahd mehr als 100.000 Rehkitze durch Mähwerke getötet. Landwirte sind per Gesetz zwar angehalten, den zuständigen Jagdpächtern ihre Mähtermine möglichst frühzeitig zu melden, damit die Wiesen noch mithilfe von Hunden nach Jungtieren abgesucht werden können. Die Krux ist nur: Rehkitze verströmen zur sogenannten Feindvermeidung in den ersten Lebenswochen keinen Eigengeruch. Der vierbeinige Helfer des Jägers hat genau wie Wolf und Fuchs kaum eine Chance, das Kitz zu finden. Auch andere Methoden wie das Aufstellen von Wildscheuchen oder andere Hilfsmittel versprechen nur mittelmäßigen Erfolg.

Für die Rehkitz-Rettung ist technisch aufgerüstet worden.

Gleichwohl habe das meist geholfen, blicken die beiden erfahrenen Altenhorster Jagdpächter Karl Bartels und Georg Friedrich im Gespräch mit dieser Zeitung zurück. Doch der modernen Technik wollen sie sich in keinem Fall verschließen. „Mal sehen, was davon wird“, sagt Bartels. Dann könne er sich durchaus eine Fortsetzung des Pilotprojektes in seinem Revier vorstellen. Denn die Drohne schafft einen reellen Vorteil: Solange es noch nicht zu warm ist, zeichnen sich die kleinen Rehkitzkörper auf den eingefangenen Bildern aus der Luft auf dem Monitor deutlich vom kühleren Gras ab. Am Boden beurteilt der Drohnenpilot dann die hellen Flecken auf dem Bildschirm. Aus diesem Grund könne das Abfliegen auch nur in den frühen Morgenstunden geschehen, sagt Gödeke. Sonst werde es einfach zu warm, die Wärmebildtechnik würde dann auch von der Sonne angestrahlte Maulwurfshügel fälschlicherweise als vermeintlichen Wildkörper abbilden.

Der Drohnenpilot selbst ist bei dem Suchflug auf zusätzliche Hilfe angewiesen. Sobald ein Jungtier in der Wiese entdeckt wird, wird ein Helfer über Funk zu dem möglichen Platz gelotst, um es aus der Wiese zu tragen. Dazu würden etwa Grasbüschel genutzt, erläutert Wieters, damit das Junge ja keine menschliche Witterung annimmt, um das Muttertier nicht zu verschrecken. Eine andere Methode ist das Fangen im Korb. Dabei wird das Fundtier in einem Wäschekorb festgesetzt, die Stelle in der Wiese mit einem farbigen Stab markiert. Unmittelbar nach der Absuche muss der Landwirt dann mit dem Mähen beginnen. Aus diesem Grund ist angesichts der Witterung auch ein gehöriges Maß an Flexibilität notwendig, sagen Gödeke und Seeßelberg unisono. Im Anschluss an das Mähen werden die Tiere dann wieder in die Freiheit entlassen.

Und wie funktioniert die Technik?

Die Flugroute der Drohne, auch Oktokopter genannt, wird im Vorfeld mittels Software in Wegpunkten an die abzusuchende Wiese angepasst. In einer Höhe von etwa 15 Metern überfliegt der Pilot dann das Areal auf der festgelegten Route, steuern braucht er das Gerät dabei nicht. Für einen Hektar – also 10.000 Quadratmeter – braucht das Fluggerät gerade einmal zehn Minuten, erläutert Gödeke. An dessen Fernsteuerung ist eine Empfangseinheit installiert, die das Live-Bild der Wärmebildkamera implementiert.

Warum mähen die Landwirte nicht später?

Heinrich Wieters ist als Pferdehofbetreiber immer spät mit Mähen dran. „Bei Milchbauern sieht das anders aus“, sagt er auf Anfrage. Die seien auf die frühzeitige Futtergewinnung für Silage angewiesen. Da er selbst Heu für die Pferde mache, könne das Gras durchaus älter und damit härter sein, erläutert der Landwirt. Doch ungeachtet, ob nun früh oder spät gemäht werde, keiner wolle dabei ein Jungtier töten, stellt Wieters klar. Nicht nur aus moralischen Gründen, sondern weil das schlichtweg auch den Ertrag schmälert, betont er. Denn rund um die Stelle eines möglichen Mähopfers könne der Landwirt das Gras nicht mehr für Heu oder Silage verwenden. „Ich bin froh darüber, dass es nun diese Technik gibt“, betont er. Der Testflug bei dem Altenhorster Landwirt war denn auch gleich erfolgreich: In der ersten Fläche hatte das System ein Rehkitz geortet. Doch dieses sei nach Angaben Gödekes schon so groß gewesen, dass es sich nicht reflexartig geduckt hätte, sondern vor den Helfern dann aus der Wiese geflüchtet sei.

Kitzrettung soll ausgebaut werden

Gödeke will sein Projekt nach dem Start jetzt weiter ausdehnen, etwa auf Burgwedel, Isernhagen, der Wedemark und Garbsen. In Langenhagen selbst macht ihm die Flugverbotszone rund um den Airport bislang einen Strich durch die Rechnung. Denn im Abstand von 1,5 Kilometern rund um den Zaun des Areals dürften Fluggeräte nicht gestartet werden, berichtet er. Doch der Drohnenpilot, wie auch der Hegering stünden in regem Kontakt mit der Deutschen Flugsicherung sowie dem Flughafen selbst. Gödeke und Seeßelberg hoffen auf eine „Lösung für das nächste Jahr“.

Die Kontaktdaten

Zwischenzeitlich hat der Hobby-Drohnenpilot auch Anfragen aus Isernhagen zur Rehkitzrettung aus der Luft. Neben der von ihm entwickelten Homepage www.rehkitzrettung-langenhagen.de –Telefonhotline (0511) 4371987 – gibt es auch Bestrebungen für eine bundesweite Vernetzung der Piloten. Diese ist im Internet unter rehkitzrettung.org zu finden. „Um es für die Beteiligten so einfach wie möglich zu machen“, wirbt der Kaltenweider.

Leinenpflicht gilt bis zum 15. Juli

Unterdessen appellieren die Jäger an die Hundehalter, sich an die gesetzlichen Bestimmungen der Brut- und Setzzeit zu halten. Soll heißen: vom 1. April bis zum 15. Juli müssen Hunde in freier Landschaft an die Leine. Gerade habe er fünf Stunden lang ein Rehkitz, dass nur zwei Meter neben der Verlängerung des Hainhäuser Weges „bewacht“, weil mehrfach Hundehalter vorbeikamen, die ihren Vierbeiner eben nicht an der Leine hatten, berichtete ein Anwohner dieser Zeitung.

Von Sven Warnecke

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