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Burgwedel Ophelia: Gewalt kommt mit dem Alkohol
Umland Burgwedel Ophelia: Gewalt kommt mit dem Alkohol
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00:16 27.07.2018
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks (2. von rechts) informiert sich bei Ophelia, der Anlaufstelle für Frauen mit Gewalterfahrung, über die alltägliche Arbeit. Geschäftsführerin Antoaneta Slavova (2. von links) und ihre Vorstandskolleginnen Ingrid Otto (rechts) und Annita Niclaus liefern viele Informationen. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

„Wenn ich sehe, dass für ein Fest aufgebaut wird, weiß ich: Ich bekomme Arbeit.“ Der Satz fällt zum Ende des Gesprächs eher nebenbei. Und doch hinterlässt er die Runde in den Räumen von Ophelia für einen Moment sprachlos. Antoaneta Slavova zuckt ernüchtert mit den Schultern und schickt ein Stichwort hinterher: „Alkohol.“ Was Slavova meint, sind die Meldungen von häuslicher Gewalt durch die Polizei. Und die steigen halt, wenn gefeiert wird.

Und dabei spiele es keine Rolle, wo das Fest stattfinde. „Es ist ganz egal, ob es das Stadtfest in Langenhagen ist oder das Schützenfest in Hannover.“ Slavova, die im Beratungszentrum Ophelia neben der Betreuung von weiblichen Gewaltopfern auch „geschäftsführende Aufgaben“ innehat, führt eine traurige Statistik: 280 mal musste die Polizei 2017 in den vier Nordkommunen melden, dass Frauen ein Opfer Gewalt geworden sind. 179 Nachrichten kamen aus Langenhagen, 20 aus Burgwedel, 40 aus Isernhagen sowie 25 aus der Wedemark (13 sind „sonstigen Kommunen“ zuzurechnen). Dieser Status bewegt sich seit einigen Jahren „seitwärts“ mit leicht steigender Tendenz. Ihr gegenüber steht die Zahl jener Frauen, die aufgrund erlittener Gewalterfahrung Beratung wünschen. 291 Fälle waren es insgesamt (135 Langenhagen, 18 Burgwedel, 19 Isernhagen, 42 Wedemark, 35 Hannover, 41 Sonstige).

Missverständnis ließ erhöhten Zuschuss wieder sinken

Anlass dieser Gesprächsrunde ist der Besuch der Wedemärker SPD-Bundestagsabgeordneten Caren Marks. Ihre traditionelle Sommertour läuft unter dem Motto „Wir kümmern uns um die Kümmerer“. Viel ist an diesem Nachmittag die Rede von Bundestagsinitiativen und neuen Gesetzen. Bei einem für Ophelia ganz akuten Problem aber kann Marks kaum helfen: Wegen der Blockade des Nachtragshaushalts im Langenhagener Rat fehlt der Beratungsstelle weiterhin die Gewissheit, wohin ihre Reise geht. „Wir betreuen hier im Jahr derzeit mehr als 500 Frauen pro Jahr und brauchen dringend mehr Platz“, berichtet Vorstandsmitglied Annita Niclaus. Deshalb hatte Ophelia bereits für den Haushalt 2017 eine Erhöhung des Jahreszuschusses von 22.000 Euro auf 30.000 Euro beantragt – und ihn für jenes Jahr auch bewilligt bekommen. Nach einem Missverständnis jedoch ging es in der Beschlussdrucksache nur um den Zuschuss „für 2017“ und nicht „ab 2017“. Aufgefallen war dieser Umstand erst nach der Beschlussfassung, wie es im Rathaus heißt. Überdies war die Erhöhung nicht in den seit 2016 bestehenden Vertrag zwischen Stadt und Beratungsstelle aufgenommen worden. Darin sind weiterhin 22.000 Euro pro Jahr unabhängig vom Haushaltsbeschluss festgeschrieben.

Eigentlich sollte der erneut erhöhte Zuschuss nach wochenlanger Debatte mit dem Nachtragshaushalt wenigstens für drei Jahre bewilligt werden, strandete jedoch in der Politik mit der generellen Ablehnung des Zahlenwerks. Ende August, so die aktuelle Planung, soll ein reduzierter Entwurf der Politik vorgelegt werden. Sollten die in Rede stehenden 8000 Euro dann nicht bewilligt werden, so Slavova jetzt im Gespräch, müsse das Beratungszentrum sein Angebot einschränken. Auch der geplante Umzug in größere Räume liege derzeit auf Eis. „Auch die Region Hannover hat eine Erhöhung für 2018 abgelehnt“, berichtete Slavova. Erst für 2019 sei damit zu rechnen.

Auch andere Kommunen erhöhen Zuschüsse

Ophelia hat aufgrund des steigenden Bedarfs nicht nur in Langenhagen um Hilfe gebeten. Isernhagen hat inzwischen zweimal seinen Zuschuss erhöht: Er kletterte von 2500 Euro pro Jahr für das Beratungsmodul „Biss“ auf 3000 Euro in 2017 und auf 5000 Euro in 2018. Wedemark erhöhte von 5500 Euro in 2016 auf 5950 Euro in 2017 sowie auf 8000 Euro in 2018. Burgwedel erhöhte seinen Zuschuss erstmalig für 2018 von 5500 Euro auf 8000 Euro, ebenso das Land Niedersachsen (von 52.500 Euro auf 72.000 Euro in 2018 für allgemeine Beratung sowie von 27.550 Euro auf 35.778 Euro in 2018 für „Biss“). Die Region Hannover erhöhte ihren Zuschuss zuletzt für 2016 (von 20.600 Euro auf 30.600 Euro für allgemeine Beratung). Das „Biss“-Modul umfasst ein besonderes Informationsangebot in Kooperation mit den Polizei-Inspektionen. Ophelia Langenhagen arbeitet mit den Dienststellen in Langenhagen, Großburgwedel und Mellendorf zusammen. nea

Von Rebekka Neander

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