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Burgwedel Blühende Bienenweide trotzt der Dürre
Umland Burgwedel Blühende Bienenweide trotzt der Dürre
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00:17 04.08.2018
Imker Nils Gresbrand und Landwirt Stefan Cramm kosten den Silphien-Honig frisch aus der Wabe. Quelle: Martin Lauber
Wettmar

Es sind Tausende leuchtend-gelber Blüten, und in jeder rumoren eine oder zwei Bienen. Der Pendelverkehr zwischen den Silphien, die aus der Ferne wie Sonnenblumen wirken, und den Bienenkästen, die Nils Gresbrand am waldigen Feldrand aufgereiht hat, ist beträchtlich. „Die Völker sind zufrieden“, das hört der Hobby-Imker aus Großburgwedel schon am Summton. Und so fummelt er unbekümmert und ohne Schutzhaube eine Wabe aus einem der grünen Styroporkästen, taucht ein Holzlöffelchen in ein mit einer glänzenden Flüssigkeit gefülltes Wachs-Achteck und reicht die lecker riechende Kostprobe an Stefan Cramm. „Angenehm süß“, findet der Wettmarer Landwirt den Honig seiner Silphien - der aber noch „reifen“ müsse, wie der Imker meint.

Die Silphie ist als Maisersatz hierzulande kaum verbreitet. Hof Cramm beregnet seine Felder auch bei Hitze nicht. Für Hobby-Imker Nils Gresbrand sind sie die letzte Sommerweide für seine Bienen.

Heile Welt nördlich von Wettmar einen Tag nach dem Dürre-Krisengipfel in Berlin? Ein bisschen zumindest. Auf drei insgesamt 4,1 Hektar großen Flächen zieht das Wettmarer Landwirtsehepaar Cramm als Energielieferant für die Wettmarer Biogasanlage die aus Amerika stammende „durchwachsene Silphie“. Niedersächsische Forscher sehen diese Pflanze als wichtige Ergänzung zum Silomais an. „Sie macht unseren Betrieb nicht reicher oder ärmer“, erklärt Cramm, der die von seiner Schwiegermutter Regina Knips angelegten Silphien-Pflanzungen vor vier Jahren übernommen hat, ohne gleich Wunder von ihnen zu erwarten.

Weniger Energie, dafür Honig

Der 29-Jährige bucht die Pflanze, die Wurzeln wie eine Staude bildet und bis zu zehn Jahre lang von selbst wieder „durchwächst“, eher als Beitrag zur Biodiversität ab. Die Silphie gedeiht auch auf extensiv bewirtschafteten Flächen, sprich landwirtschaftlichen B-Lagen. Sie kommt ohne Beregnung und chemischen Pflanzenschutz aus, wird grundwasserschonend nur einmal im Frühjahr mit Mist oder Gärsubstrat gedüngt und muss ansonsten nur noch geerntet werden. Was den Energiewert für die Biogasproduktion angeht, sei sie dem Mais allerdings klar unterlegen, sagt der 29-jährige Landwirt.

Dafür können Honigbienen sich an den riesigen Maiskulturen nicht für den Winter stärken, allenfalls Wasser gebe es dort für die Insekten zu holen, sagt Gresbrand. Das ist es, was aus seiner Sicht den „krassen Unterschied“ ausmacht: Die Silphie spende als gute Trachtpflanze Pollen und Nektar in einer Jahreszeit, in der für die Honigbienen ansonsten kaum noch etwas zu finden sei. Cramms drei Silphienfelder stehen seit drei Wochen in voller Blüte und werden dies nach seiner Schätzung auch noch in einem Monat tun. Kein Wunder, dass Gresbrand mit seinen rund 20 Bienenvölkern dorthin umgezogen ist – eine Premiere für ihn, Erfahrungen hat er noch nicht. 150 Kilogramm Honig je Hektar Silphie, das weiß er aus der Fachliteratur, sollen machbar sein. Der erste Geschmacktstest am Feldrand war keine Enttäuschung.

Blühstreifen bringen Imker und Bauern zusammen

Glück für den Nebenerwerbs-Imker, dass er die Cramms vom Blühstreifenprogramm her kennt. Das sei „Gold wert für die Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirtschaft“, findet er. Auf Ackerrandstreifen säen die Cramms seit Jahren Blühmischungen ein – gefördert mit 700 Euro pro Hektar, auf die das Land noch einmal 100 Euro für eine „Imkerbeteiligung“ drauflegt. In diesem Extremsommer allerdings seien viele Blühstreifen früh verblüht oder verdorrt, berichtet Gresbrand. Schuld daran sei neben der Hitze die zu starre Vorgabe, dass die Blühmischung bis zum 15. April eingesät sein muss, kritisieren Imker und Landwirt.

So kommt die spät blühende Silphie gerade in diesem Jahr, in dem die Honigausbeute nicht gerade berauschend ausgefallen ist, gerade recht. Zuerst sei nach der langen Kälteperiode der Raps schneller groß geworden als die Bienen. Anschließend sei es zu trocken für einen schönen Lindenhonig gewesen. Nachdem die Baumblüte nun durch ist, fütterten die meisten Imker ihre Völker bereits für den Winter ein, erklärt Gresbrand. Seine Honigbienen fliegen noch – mit dicken gelben Pollenpolstern an den Hinterbeinen und zufriedener Summfrequenz.

Von Martin Lauber

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