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Garbsen Amazon: Kritik an Garbsen wächst
Umland Garbsen Amazon: Kritik an Garbsen wächst
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19:13 26.07.2018
3,60 Meter Höhe für Lkw und maximal 30 Tonnen Gesamtgewicht: Reicht die Beschilderung aus, zusätzlichen Schwerlastverkehr aus dem Bereich Luthe/Schloß Ricklingen fernzuhalten? Quelle: Achiv (Kathrin Götze)
Wunstorf/Garbsen/Seelze

Amazon spricht von einem „sensiblen Thema“ und hat damit vermutlich Recht: Von wo aus wie viele Lkw ab Herbst täglich das Sortierzentrum an der Burgstraße in Garbsen anfahren werden, ist sensibel. Das zeigen vor allem die Reaktionen der vergangenen Tage aus Schloß Ricklingen, Luthe und Seelze. Für Luthe will Wunstorfs Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt jetzt Klarheit und hat seinen Garbsener Amtskollegen Christian Grahl um Fakten und ein Treffen gebeten.

Das Szenario, vor dem die drei Kommunen Garbsen, Seelze und Wunstorf schrecken, ist: Stau auf der A2 in Richtung Berlin, Lkw-Fahrer verlassen in Luthe die A2 und quälen sich über die Nebenstrecken und die einspurige Leine-Brücke durch Schloß Ricklingen – das ist der kürzeste Weg – oder südlich über die B441 nach Gümmer, Lohnde, Seelze und Altgarbsen. Es gibt eine Verkehrsprognose von Amazon aus 2017, aber niemand außerhalb der Stadtverwaltung Garbsen und Amazon kennt den Inhalt. Und keiner weiß, ob das Stau-Szenario bei der Prognose bedacht wurde.

Welche Zahlen sind bisher bekannt?

Um welche Zahlen geht es: Laut Verkehrsuntersuchung von Amazon um 300 Lkw-Fahrten (An- und Abfahrt zusammengerechnet) an normalen Tagen, um 500 Fahrten pro Tag während der Spitzenzeit im November/Dezember und um 900 Lkw-Fahrten pro Tag als „absoluter Spitzenwert an ein bis zwei Tagen in der Vorweihnachtszeit“. Als Grundwert für die Straßen im Umfeld des Sortierzentrums wurden 500 Lkw-Fahrten pro Tag gerechnet. Rechnet man die An- und Abfahrten der Mitarbeiter hinzu, liegt die Zahl bei 2.400 Fahrzeugbewegungen pro Tag. Die Burgstraße sei derzeit mit täglich 3.200 Fahrten belastet. Sie könne den zusätzlichen Verkehr ohne Weiteres aufnehmen.

Ergebnis der Untersuchung ist aber auch, dass der Kreisel an der Gutenbergstraße an Spitzentagen die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreichen kann. Darum werden Linienbusse empfohlen oder ein Transport der Mitarbeiter mit Shuttlebussen. In „normalen Zeiten“ wird der Verkehr über die A-2-Ausfahren Garbsen abgewickelt. Aber „normale Zeiten“ auf der A2 ohne Baustellen und Staus sind selten geworden.

Eberhardt lässt sich kommende Woche informieren

Vor allem die Schloß Ricklinger fordern, keinen Schwerlastverkehr mehr durchs Dorf rollen zu lassen. Für die Von-Woyna-Brücke über die Leine gilt eine Beschränkung auf 30 Tonnen und 3,60 Meter Höhe – das wird von Lkw-Fahrern regelmäßig missachtet. Erst vergangene Woche wurde die Höhenbegrenzung beschädigt.

Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt lässt sich in der kommenden Woche in Garbsen über die Verkehrsplanung informieren und sicherte am Donnerstag Unterstützung bei der Entwicklung eines gemeinsamen Konzeptes zu. Er kann sich eine Tonnagebegrenzung, einen Höhenbegrenzungsbalken an der sogenannten Hesse-Kreuzung bei Luthe (Schloß Ricklinger Straße/Am Leine-Ufer) plus Hinweisschild „keine Wendemöglichkeit“ vorstellen. „Aber das Verfahren liegt in der Hand der Stadt Garbsen“, sagte Eberhardt am Donnerstag.

Die Kritik an Garbsens Stadtbaurat Frank Hauke nimmt zu, weil er die Verkehrsuntersuchung erst am 21. August im Ortsrat Horst von einem Gutachter vorstellen lassen will. Bis dahin bleiben Mutmaßungen die Basis aller Kritik. Aus Luthe schreibt der SPD-Politiker Uwe-Karsten Bartling: „Seit dem Gutachten von 2008 hat die Belastung der A2 um rund 15 Prozent zugenommen. Betrachtet wird immer nur der Idealfall staufreie A2. Wir sagen: Bei Stau ist Amazon von der Wunstorfer Seite gesehen nicht erreichbar, nur über Seelze.“ Entscheidend seien Gespräche zur Lösung dieser Probleme mit den Nachbarkommunen, nicht die Präsentation der Untersuchung am 21. August.

Grahl will Informationsabend vorziehen

In Seelze haben Heiner Aller (SPD) und die Grünen um Knut Werner Alarm geschlagen und bemühen sich um die Verkehrsuntersuchung. Die Stadtverwaltung solle Einfluss auf den zusätzlichen Verkehr nehmen. Straßen wie die Hannoversche Straße und die Harenberger Meile seien bereits jetzt sehr hoch belastet. Die Verwaltung solle mit anderen Behörden ein Verkehrschaos in Seelze vermeiden, heißt es in einem Ratsantrag der Grünen.

Garbsens Bürgermeister Christian Grahl, seit zwei Tagen zurück aus dem Urlaub, bemüht sich angesichts der Kritik um eine vorgezogene öffentliche Informationsveranstaltung mit dem Verkehrsgutachter. „Es macht wenig Sinn, die Zahlen unkommentiert zu veröffentlichen. Das muss ein Gutachter einsortieren“, sagte Grahl am Donnerstagabend.

Kommentar: Stau verlangt Verkehrskonzept

Dass Stau auf der A2 fast der Normalfall ist, dass sich Autofahrer ab Luthe andere Wege suchen und dass sich die Situation auf den Nebenstrecken mit der Ansiedlung von Amazon noch verschärfen wird, sieht sprichwörtlich ein Blinder mit dem Krückstock. Die Kritik aus Wunstorf, Garbsen und Seelze an der Informationspolitik Garbsens ist durchaus berechtigt. Stadtbaurat Frank Hauke hat – was diesen Punkt angeht – bisher unglücklich agiert. Mehr Offenheit wäre sinnvoll, auch im Interesse von Amazon. Denn es ist auch für das Unternehmen wichtig zu wissen, wie die Transporter bei Stau den Zeitplan einhalten sollen.

Ein Stau verlangt eine abgestimmte Verkehrslenkung. Da gehören die Nachbarkommunen, die Region und die Landesbehörde für Straßenbau ins Boot. Im Herbst geht das Zentrum in Betrieb. Ein Verkehrskonzept bis dahin ist zwingend – und es ist kein gutes Zeichen, dass dieses Konzept jetzt noch nicht vorliegt.

Von Markus Holz

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