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Garbsen Auf Streife mit der Polizei in Garbsen
Umland Garbsen Auf Streife mit der Polizei in Garbsen
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13:51 27.07.2018
Christian van Koten (links) und Benjamin El Bahi drehen eine Runde durch den Bürgerpark in Berenbostel. Quelle: Gerko Naumann
Garbsen

Auf den ersten Verkehrssünder auf der B6 müssen die Polizisten Christian van Koten und Benjamin El Bahi nicht lange warten. Nicht einmal eine halbe Minute lang stehen sie mit ihrem Streifenwagen an der Ecke zur Hermann-Löns-Straße in Berenbostel und halten die Augen offen. Dann gibt El Bahi plötzlich Gas. „Ein Autofahrer hatte während der Fahrt sein Smartphone in der Hand“, erklärt Beifahrer van Koten. Schon einige Hundert Meter später haben sie den Mann eingeholt und machen ihm deutlich, dass er an einer Tankstelle anhalten muss.

Einsicht schützt nicht vor Strafe

Dort lassen sich die Polizisten den Führerschein und die Fahrzeugpapiere zeigen und erklären dem Autofahrer, der gerade von der Arbeit kommt und nach Hause zu seiner Familie will, was er falsch gemacht hat. Doch der hat schon begriffen, was ihm blüht und zeigt sich einsichtig: „Ich ärgere mich über mich selbst. Normalerweise fahre ich brav wie ein Lämmchen“, versichert der Mann. Solche Sätze hören El Bahi und van Koten fast jeden Tag. Vor einer Strafe schützen sie natürlich nicht. „Wir geben den Fall an die Region Hannover weiter. Dem Mann droht ein Bußgeld von 100 Euro und ein Punkt in Flensburg“, sagt van Koten.

Unfälle, telefonierende Autofahrer und Ruhestörungen: Wir haben zwei junge Streifenpolizisten der Polizeiinspektion Garbsen einen Abend bei ihrem Dienst begleitet.

Dann fahren die Polizisten weiter in den wohl größten Brennpunkt in Garbsen – den Stadtteil Auf der Horst. „Hier und in Berenbostel verbringen wir während einer Schicht etwa 70 Prozent der Zeit“, sagt van Koten. Und auch heute dauert es nicht lange, bis sie zum ersten Mal eingreifen müssen. Ein Mann hat es sich mit Wodka, Bier und Zigaretten auf einer Bank an einem Spielplatz gemütlich gemacht. Alkohol zu trinken ist dort nicht erlaubt. Darauf weisen die Beamten den Mann hin – erst höflich, nach einer kurzen Diskussion dann auch mit etwas strengeren Worten. Das wirkt. Der Mann packt friedlich und immer noch gut gelaunt seine Sachen und begibt zu einer anderen Bank – ein paar Meter entfernt.

Diese Einsätze bleiben im Gedächtnis

Sogar erfahrene Polizisten erleben immer wieder Fälle, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Bei Benjamin El Bahi ist der letzte Einsatz dieser Art erst wenige Tage her. Eigentlich wurden ein Kollege und er zu einem Fall von häuslicher Gewalt gerufen. Dabei stellte sich heraus, dass der beteiligte Ehemann mit seinem Auto unterwegs zum Blauen See war. Dort trafen sie ihn auch an.

Allerdings war der mit der Kontrolle nicht einverstanden. „Wir mussten ihn aus dem Auto herausziehen, weil er offensichtlich stark alkoholisiert war“, berichtet El Bahi. Damit begann das Drama aber erst. Der Wagen des Mannes rollte nämlich weiter – und es saßen Kinder auf dem Rücksitz. „Mein Kollege ist dann beherzt in das rollende Auto gesprungen und hat es gestoppt“, sagt El Bahi. Der Vater, der hinterm Steuer saß, hatte mehr als drei Promille Alkohol im Blut, wie sich anschließend herausstellte.

Ohnehin sind Alkohol und Drogen – und die daraus resultierende Enthemmung der Konsumenten – ein großes Problem für die Polizisten, sagt Christian van Koten. „Wir wissen nie, wie die Menschen reagieren und müssen uns auf die jeweilige Situation einstellen.“ Einen neuen traurigen Rekord hat kürzlich ein Garbsener aufgestellt, den die Polizisten in einem Beet fanden. Dort lag er, weil er nicht mehr laufen konnte. Mit einem Alkoholtest war er jedoch einverstanden. Das Testgerät geriet dabei allerdings an seine Grenzen, weil es nur Werte bis 4,99 Promille anzeigen kann. „Der Mann hatte also mehr als fünf Promille Alkohol im Blut.“

Plötzlich wird es brenzlig

Etwas brenzliger wird es wenig später, als die Polizisten einen Autofahrer anhalten, der offenbar nicht angeschnallt ist. Schnell bildet sich um sie herum ein Grüppchen von Unbeteiligten, die sich die Situation aus der Nähe anschauen und sogar mitreden wollen. Doch das lässt van Koten nicht zu. „Sie entfernen sich jetzt von hier, damit wir in Ruhe unsere Arbeit machen können“, ruft er den Leuten unmissverständlich zu. Solche Situationen erleben die Beamten jeden Tag, berichtet der Polizist später, als sich die Lage beruhigt hat. Fachleute sprechen in solchen Fällen von einer Solidarisierung. Das kann für die Beamten schnell unübersichtlich und sogar gefährlich werden. „Wir müssen immer gucken, wer hinter uns steht und was die Leute mit ihren Händen machen“, sagt van Koten.

Wem gehört das Fahrrad? Bei der Überprüfung kann der junge Mann glaubhaft berichten, dass er es sich von seiner Großmutter geliehen hat. Quelle: Gerko Naumann

Auf dem Weg zurück in Richtung der Polizeiinspektion in Garbsen-Mitte fällt den Polizisten auf einer Brücke ein junger Radfahrer auf. „In der letzten Zeit haben wir viele Fahrraddiebstähle in Garbsen zu verzeichnen“, sagt El Bahi und lenkt den Streifenwagen quer auf den Radweg. „Deshalb kontrollieren wir vor allem Menschen, bei denen das Fahrrad von der Größe nicht passt.“ Das ist bei dem jungen Mann eindeutig der Fall. Doch der hat eine plausible Erklärung parat: „Mein Fahrrad ist in der Werkstatt, deshalb habe ich mir das von meiner Oma geliehen“, erklärt er den Beamten. Ein kurzer Blick aufs Tablet und in die Datei der gesuchten Fahrräder zeigt: Dieses hier ist nicht als gestohlen gemeldet. Der junge Mann hat offenbar die Wahrheit gesagt und darf weiterfahren.

„Irgendwann kriegen wir alle“

Ohnehin ist es heute eine eher ruhige Schicht, da sind sich van Koten und El Bahi einig. Aber beide wissen, dass sich das jederzeit ändern kann. Deshalb bleiben sie immer aufmerksam. Doch manchmal reicht selbst das nicht. Ein Autofahrer in Berenbostel entwischt den beiden Polizisten kurz vor der Kontrolle. „Das kann immer mal passieren“, sagt El Bahi gelassen – und gibt sich gleich wieder kämpferisch: „Irgendwann kriegen wir die Leute schon.

"Die Arbeit im Team macht Spaß": Axel Feldmann leitet den Einsatz- und Streifendienst bei der Polizei in Garbsen. Quelle: Gerko Naumann

„Der Respekt lässt häufig zu wünschen übrig“

Nachgefragt bei: Axel Feldmann, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Garbsen:

Guten Tag, Herr Feldmann. Welche Fähigkeiten muss ein Streifenpolizist mitbringen?

Eine gute und schnelle Auffassungsgabe ist besonders wichtig. Auch der Umgang mit Menschen und die Kommunikation müssen stimmen, weil wir es mit sehr unterschiedlichen Leuten zu tun haben.

Was sind die typischen Fälle, mit denen Sie zu tun haben?

Wir werden häufig zu Streitigkeiten gerufen, etwa in Familien. Dazu kommen gerade im Sommer oft Ruhestörungen. Natürlich gehört auch die Aufnahme von Verkehrsunfällen dazu. Darüber hinaus kontrollieren wir auch ohne konkreten Verdacht, um Verkehrssünder und Straftäter zu erwischen. Das können zum Beispiel Täter sein, die Diebesgut dabei haben.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie dabei im Alltag zu kämpfen?

(überlegt kurz) Ich möchte es mal so sagen: Nicht alle Bürger bringen die Akzeptanz für unsere polizeilichen Maßnahmen auf. Für uns bedeutet das dann, das wir noch deutlicher und transparenter erklären müssen, warum wir die Leute anhalten und überprüfen. Früher war meist Ruhe, wenn die Polizei dazukam. Heute erleben wir es immer öfter, dass der Respekt gegenüber den Beamten zu wünschen übrig lässt.

Würden Sie jungen Menschen trotzdem empfehlen, eine Karriere bei der Polizei zu starten?

Auf jeden Fall. Es gibt wohl kaum einen Beruf, der so interessant und vielseitig ist. Außerdem erfüllen wir nach wie vor eine sehr wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Und nicht zuletzt macht die Arbeit im Team einfach Spaß.

Von Gerko Naumann

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