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Garbsen Dietmar Kansy ist tot
Umland Garbsen Dietmar Kansy ist tot
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17:23 14.09.2018
Dr. Dietmar Kansy, hier 1995 im Redaktionsgespräch mit der HAZ Quelle: Archiv (R.Bubbel)
Garbsen

 Dietmar Kansy hat in seinem langen Leben viele historische Momente erleben dürfen –in Bonn, in Berlin, in der Region Hannover, in Garbsen. Aber kein Moment war so historisch wie der 19. April 1999: Eröffnung des umgebauten Reichstages in Berlin als neuer Sitz des Bundestages. Kansy hatte fast ein Jahrzehnt darauf hingearbeitet. Das war die parlamentarische Vollendung der deutschen Einheit, Kansy war einer ihrer Architekten. Der ehemalige CDU-Politiker ist am 10. September im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der gebürtige Breslauer war Flüchtling, erst aus Schlesien, später nach dem Mauerbau aus Potsdam. Vielleicht blieb er Zeit seines Lebens deshalb so bescheiden. Kein großes Haus, „nur“ die Platte im Stadtteil Auf der Horst. Kein großes Auto, ein einfacher Lebensstil mit Frau und zwei Töchtern, mit Tanzen, Fotografie, Lesen und Reisen. Kansy legte sein Abitur zweimal ab, einmal in Potsdam, einmal in Westberlin. Er studierte in Berlin und Hannover Tief- und Wasserbau, arbeitete für die Städte Essen und Hannover, bevor seine politische Karriere in den Vordergrund rückte.

1967 gewann er sein erstes Ratsmandat in Garbsen, war Vorsitzender des Bau- und Schulausschusses, erlebte den Zusammenschluss von Havelse und Garbsen zur Stadt und die Gebietsreform. Kansy blieb bis 1974 Ratsmitglied. Entgegen seiner Überzeugung nahm er 1968 als 30-Jähriger ein zweites Mandat im Kreistag Neustadt an. Von 1974 bis 1980 widmete sich Kansy dann allein dem Parlament des neuen Landkreises Hannover und übernahm für diese sechs Jahre Verantwortung als stellvertretender Landrat.

So jung und eine so schnelle Karriere? Kansy ging den Weg nicht der Karriere wegen. Er war an Fleiß kaum zu überbieten, wusste mit Witz und angenehmer Intelligenz um Argumente zu ringen, konnte sich schnell und fundiert in Themen einarbeiten. Solche Qualitäten öffneten ihm Türen. Selbst später im Bundestag hieß es in Wohnungsbaufragen parteiübergreifend: „Geh zu Kansy, der kennt sich aus.“ Der Christ war Demokrat aus Leidenschaft. Ihm ging es nicht um sich selbst, um Macht oder Einfluss. Er wollte dieser Demokratie dienen.

Dr. Dietmar Kansy – ein fotografischer Rückblick aus dem Archiv der HAZ

1980 folgte der Sprung über die CDU-Liste in den Bundestag, ebenso 1998. Viermal in Folge gewann er den damaligen Wahlkreis 38 direkt, unter anderem gegen Gerhard Schröder. 2002 schied Kansy als bis jetzt letzter Garbsener Bundestagsabgeordneter aus.

Hinterbänkler war nicht sein Job, das Mandat war ihm Auftrag. Er arbeitetet sich hoch bis zum wohnungsbaupolitischen Sprecher seiner Fraktion und in den Ältestenrat des Bundestages. Sein Ruf war so exzellent, dass ihm mit der Ernennung zum Vorsitzenden der Baukommission des Bundestages 1991 die vermutlich größte Aufgabe seines Lebens zufiel: Der Umzug des Parlamentes von Bonn an den Ort, an dem Kansy ab 1961 die Mauer hatte wachsen sehen.

Wer nachlesen will, was der Umzugsarchitekt Kansy bis zu seiner ersten Rede in „seinem neuen Haus der Demokratie“ am 19. April 1999 erlebt hat, dem sei sein Buch „Zitterpartie“ empfohlen – ein zeitgeschichtliches Dokument einer parlamentarisch herausragenden Persönlichkeit. Dass Kansy der allererste Redner im neuen Bundestag war (zum Test der Mikrophonanlage vor 1100 Soldaten als Statisten), wird in keinem Geschichtsbuch stehen. Dass er derjenige war, der den zeitgemäßen Umbau des Reichstages und den Parlamentswechsel von Bonn nach Berlin (innerhalb der geplanten Kosten und Zeiten) überhaupt möglich gemacht hat, ist würdig, erwähnt zu werden.

Kansy war daneben lange Jahre Landesvorsitzender der THW-Helfervereinigung in Niedersachsen. Für seine Leistungen im Zusammenhang mit der Entwicklung des Regierungsviertels bekam er den Verdienstorden des Landes Berlin, später das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Nicht deshalb wird Kansy in Garbsen, in der Region und in Berlin in Erinnerung bleiben. Menschen werden sich seiner erinnern, weil er gradlinig war, weil er jederzeit zwei offene Ohren hatte, weil er herzlich, ehrlich, weitblickend und zutiefst demokratisch war. Ein Schlaganfall vor fast zwei Jahrzehnten veränderte Kansys komplettes Ruhestandsleben und das seiner sorgenden Frau Gisela, nicht aber seine Haltung zum Leben. Die Beisetzung ist am Dienstag, 18. September, um 11 Uhr auf dem Stadtfriedhof am Planetenring.

Von Markus Holz

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