Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Garbsen Bei der Inklusion liegt die Stadtverwaltung regionsweit vorne
Umland Garbsen Bei der Inklusion liegt die Stadtverwaltung regionsweit vorne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 15.03.2019
"Ich hatte nie das Gefühl, dass die Behinderung ein Problem wäre": Dirk Neddermeyer arbeitet seit 1997 im Rathaus Garbsen. Quelle: Linda Tonn
Garbsen-Mitte

Sein Büro hat Dirk Neddermeyer im Erdgeschoss. In Zimmer 0.10 sitzt der Sachbearbeiter für das Rechts- und Ordnungsamt, eine Stadtkarte an der Wand, ein Gesetzbuch auf dem Schreibtisch. „1997 habe ich meine Ausbildung beendet, seitdem arbeite ich bei der Stadt“, sagt Neddermeyer. Man habe ihn eingestellt in einer Zeit, „in der noch Inklusion noch kein Thema war“, wie er sagt. Denn der Man mit der dunklen Strickjacke und dem blaugestreiften Hemd braucht für den Weg vom Parkplatz ins Büro und in die Kantine immer ein wenig länger als die Kollegen. Seit seiner Geburt hat Neddermeyer eine Gehbehinderung, er ist auf zwei Krücken angewiesen. Insgesamt haben 55 Beschäftigte bei der Stadtverwaltung eine Behinderung. Das sind etwa 12 Prozent. Mit dieser Quote liegt die Stadt regionsweit vorne.

Bei der Stadt vergleichbar großen Stadt Langenhagen arbeiteten im vergangenen Jahr insgesamt 878 Menschen, davon 71 mit einer Schwerbehinderung. „Das macht etwa 8 Prozent der Mitarbeitenden aus“, heißt es. Bei etwa 8 Prozent lag 2017 auch die Quote der schwerbehinderten Mitarbeiter bei der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Hannover. In Garbsens Nachbarkommune Seelze haben von rund 460 Beschäftigten 24 einen Schwerbehindertenausweis. Das sind etwas mehr als 5 Prozent. Bei der Regionsverwaltung liegt die Quote bei 8,45 Prozent. Dass der Anteil bei der Stadtverwaltung Garbsen so hoch ist, führt Neddermeyer auf die innere Bereitschaft der zuständigen zurück, wie er sagt. „Es geht nicht nur um irgendeine Verpflichtung. Schwerbehinderten wird eine Chance geboten.“

Integrationsamt gibt Geld für Umbauten

Laut dem Sozialgesetzbuch (SGB) sind Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern verpflichtet, auf mindestens fünf Arbeitsplätzen schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Erfüllen sie diese Quote nicht, müssen sie monatliche Ausgleichsabgabe an das Integrationsamt bezahlen. Das Integrationsamt finanziert auch zu 80 Prozent die Umbauten und Hilfsmittel, die nötig sind, damit ein Schwerbehinderter seiner Arbeit ohne Einschränkungen nachgehen kann. „Das Geld stammt unter anderem aus den Ausgleichszahlungen“, erklärt Neddermeyer, der sich bei der Garbsener Stadtverwaltung für die Interessen und Bedürfnisse der schwerbehinderten Kollegen einsetzt. Gemeinsam mit vier Stellvertretern versucht er, alle Belange im Blick zu behalten. Über die Einschränkungen seiner Kollegen im Detail will er nicht sprechen – es seien aber alle Arten von Behinderungen dabei. Bei der behindertengerechten Ausstattung von Toiletten, bei automatischen Türöffnern und Vorrichtungen am Arbeitsplatz trage die Stadt auch immer einen Eigenanteil, sagt Stadtsprecher Benjamin Irvin. Die meisten Arbeitsplätze ließen sich aber ohne große Probleme umrüsten.

Auch in Bewerbungsgesprächen mit Schwerbehinderten ist Neddermeyer dabei. 55 bis 60 solcher Termine hat er im Jahr. Natürlich wünsche er sich, dass noch mehr Menschen mit einer Behinderung bei der Stadtverwaltung arbeiten. „Eine Behinderung ist aber umgekehrt auch keine Qualifikation“, betont der Schwerbehindertenvertreter. „Man muss das Anforderungsprofil erfüllen.“ Er habe aber nie die Erfahrung gemacht, dass Bewerber wegen ihrer Einschränkung abgelehnt wurden. „Mir wäre es wichtig, dass sich auch mehr Jugendliche mit einer Behinderung auf einen Ausbildungsplatz in der Stadtverwaltung bewerben“, sagt Neddermeyer. Er will ihnen Mut machen und glaubt zudem, dass das für das Rathaus eine große Chance sei. „Wer sich wohlfühlt und spürt, dass seine Behinderung keine Einschränkung ist, bleibt oftmals der Dienststelle lange treu.“

Von Linda Tonn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fairness und Teamgeist werden im Projekt „Kickfair“ an der Oberschule Garbsen groß geschrieben. Am Dienstag war Theologin Margot Käßmann dort zu Gast – als Botschafterin für Terre des Hommes.

12.03.2019

Der Onlineversandhändler Amazon hat am Dienstag sein neues Sortierzentrum an der Autobahn 2 in Garbsen offiziell eröffnet. Der Standort gehört zu den drei modernsten des Weltkonzerns in Deutschland.

15.03.2019

Am Sonntag, 16. Juni, steigt das Fest der Vereine im und am Rathaus: Garbsener Vereine können sich mit Ständen und Bühnenbeiträgen der Öffentlichkeit präsentieren. Anmeldungen sind bis 26. März möglich.

12.03.2019