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Garbsen Trauer am Blauen See nach tödlichem Unfall
Umland Garbsen Trauer am Blauen See nach tödlichem Unfall
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15:10 30.07.2018
Bis zu 2000 Besucher kühlen sich an heißen Tagen im Blauen See in Garbsen ab. Quelle: Gerko Naumann
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Für Martin Stühmann beginnt der Arbeitstag am Blauen See am Montagmorgen nicht wie so viele andere zuvor. Der Mitarbeiter der Badeaufsicht war am Abend zuvor einer der ersten am Unglücksort, als ein 23-Jähriger untergegangen ist. Der junge Mann starb später auf dem Weg ins Krankenhaus.

Nach einem Badeunfall mit tödlichem Ausgang am Blauen See sind die Mitarbeiter bestürzt. Uns haben sie gezeigt, wie sie mit viel Aufwand für die Sicherheit der Badegäste sorgen.

Stühmann war tags zuvor gerade dabei, eine Frau zu versorgen, die sich eine Platzwunde zugezogen hatte. Da bekam er mit, dass jemand am gegenüberliegenden Ufer unter Wasser geraten sei. „Wir sind sofort mit mehreren Helfern hingeeilt. Dann haben wir andere Besucher aufgefordert, eine Menschenkette zu bilden, um das Wasser nach dem Mann zu durchsuchen“, berichtet Stühmann. Nach etwa vier bis fünf Minuten sei ein Badegast auf den Verunglückten unter Wasser gestoßen. Ein anderer – wie sich hinterher herausstellte, war es ein 13-jähriger Junge – zog den 23-Jährigen an die Wasseroberfläche.

Martin Stühmann ist mit dem Rettungsboot auf dem Blauen See unterwegs. Quelle: Gerko Naumann

Lob von Profis für den Einsatz

Dann ging alles ganz schnell. Der Gerettete wurde an Land gezogen und auf den Rücken gelegt. Stühmann begann mit der Herzmassage. „Zum Glück war zufällig eine Krankenschwester vor Ort, die mich dann abgelöst hat“, sagt der Mitarbeiter der Badeaufsicht. Er selbst habe sich um die Mund-zu-Mund-Beatmung gekümmert – bis die Sanitäter der Johanniter übernahmen. Dass er von denen und von den Feuwehrleuten für sein beherztes Eingreifen gelobt worden ist, tröstet Stühmann im Nachhinein nur wenig. „So ein schlimmes Ereignis vergisst man nicht so schnell.“

Das rät die DLRG

Nicola Dubacher vom Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) appelliert an alle Badegäste, die Baderegeln zu beachten. Insbesondere Nichtschwimmer und ungeübte Schwimmer seien stark gefährdet. Kopfsprünge in unbekannte Gewässer sind lebensgefährlich und damit tabu. Nach dem Sonnenbaden sollte der Körper langsam an die Wassertemperatur gewöhnt werden. Gerade bei älteren Menschen ist ein Gesundheitsscheck im Hinblick auf Herz und Kreislauf erforderlich. Alkoholkonsum ist ebenso zu vermeiden wie Leichtsinn und Risikobereitschaft. Luftmatratzen, aufblasbare Badeboote und Gummitiere bieten für Nichtschwimmer keine Sicherheit. Die DLRG rät außerdem, nur an bewachten Stränden zu baden. Die Baderegeln der DLRG sind in 23 Sprachen übersetzt. Ausführliche Sicherheitstipps gibt es auch im Internet auf der Seite www.dlrg.de/ informieren.html.

Auch Peter Amend, Besitzer der gesamten Freizeitanlage am Blauen See, ist am Tag nach dem Unfall betroffen. Er betont aber gleichzeitig, dass er und seine Mitarbeiter alles tun, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. „Statistisch gesehen ist der Blaue See sehr sicher“, sagt Amend. Es habe in 32 Jahren zwei tödliche Badeunfälle während der Öffnungszeiten gegeben, der erste liege etwa 20 Jahre zurück. Zudem sind unabhängig voneinander zwei Lastwagenfahrer ertrunken, die außerhalb der Öffnungszeiten unerlaubt im See schwimmen gegangen waren. Allein in diesem Jahr liege die Zahl der Besucher bei dem heißen Wetter zwischen 500 und 2000 pro Tag.

Zahl der Nichtschwimmer steigt

Amend stellt fest, dass die Nichtschwimmer zu einer immer größeren Risikogruppe werden. Ein Sprecher der Polizei in Hannover hat am Montag bestätigt, dass auch der 23-Jährige offenbar zu dieser Gruppe gehört hatte. Vor allem Flüchtlinge, die in ihren Heimatländern nie schwimmen gelernt haben, seien gefährdet, warnt Amend. Hinweisschilder, auf denen die Texte bislang nur auf Deutsch und Englisch zu lesen waren, werden deshalb um die Sprachen Russisch und Arabisch ergänzt, kündigt er an.

"Statistisch betrachtet ist der Blaue See sehr sicher": Peter Amend ist der Inhaber des Geländes. Quelle: Gerko Naumann

Darüber hinaus haben die Mitarbeiter den See immer im Blick, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten, versichert Amend und sagt: „Das entscheidende ist die Prävention.“ Deshalb sei immer ein Helfer auf Streife um den See unterwegs. Dessen Aufgabe sei es unter anderem, Eltern an die Schwimmflügel für ihre Kinder zu erinnern. Außerdem spreche die Streife gezielt trinkende Jugendliche an – und weise auf die Gefahren hin. „Notfalls verweisen wir auch ganze Gruppen des Geländes“, sagt der Betreiber.

Gaffer filmen die Wiederbelebung

Was sowohl Amend als auch Ersthelfer Stühmann betroffen gemacht hat, ist die Reaktion einiger Badegäste auf den Unfall und die anschließende Wiederbelebung. „Einige Gaffer haben als Erstes das Handy gezückt und Videos gemacht. Das gehört sich nicht“, sagt Stühmann deutlich. Erst die Helfer der Feuerwehr hätten die Szene mit Tüchern verdeckt, damit die Retter in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen konnten.

Etwa an dieser Stelle hat sich der Badeunfall zugetragen. Quelle: Gerko Naumann

Von Gerko Naumann

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