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Garbsen Seniorenzentrum sorgt sich um Fachkräfte
Umland Garbsen Seniorenzentrum sorgt sich um Fachkräfte
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00:16 05.08.2018
Wo drückt der Schuh fragt Caren Marks (von links) Pflegekraft Mike Vloedgraven und Monika Twachtmann. Quelle: Jutta Grätz
Altgarbsen

Das Image der Pflegeberufe aufwerten, bessere Arbeitsbedingungen schaffen und auch Quereinsteigern die Ausbildung in der Pflege ermöglichen: Dafür will sich die SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Caren Marks einsetzen. Das erklärte die Politikerin bei ihrem Besuch des DRK-Seniorenzentrums Garbsener Schweiz. Das Pflegeheim am Kochslandweg war die letzte Station ihrer Sommertour zum Thema „Wir kümmern uns um die Kümmerer“ durch ihren Wahlkreis. Mit DRK-Geschäftsführer Mario Damitz und Monika Twachtmann, der Leiterin Soziale Betreuung des Seniorenheims, und Pfleger Mike Vloedgraven sprach sie über die Herausforderungen und Probleme in der Altenpflege.

„Es ist mir wichtig vor Ort zu hören, wo der Schuh drückt“, sagte Marks. Sie sehe es als ihre Aufgabe, diejenigen zu stärken, die zum Zusammenhalt der Gesellschaft entscheidend beitragen. In dem 1995 eröffneten Seniorenheim leben 97 ältere Menschen. „Egal ob an Demenz erkrankt oder in der Palliativ-Pflege: Jeder wohnt in einem Einzelzimmer“, sagte Vloedgraven. Das sei vor 23 Jahren eine Besonderheit für Garbsen gewesen, sagte Twachtmann, die seit Anfang an im DRK-Seniorenzentrum arbeitet. 60 Mitarbeiter, davon 45 Pflegefachkräfte, betreuen die Bewohner. Die Arbeit sei abwechslungsreich, verantwortungsvoll, herausfordernd, so Altenpfleger Vloedgraven. „Hitzefrei kennen wir nicht – auch nicht bei 36 Grad Celsius.“

Fachkräftemangel ist dramatisch

Trotz des großen Einsatzes der Pfleger sei der Fachkräftemange dramatisch, sagte DRK-Geschäftsführer Damitz: „Es ist fünf vor zwölf.“ Manche Einrichtungen in der Region könnten bereits keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Pflegedienste seien so umworben, dass manche Pflegebedürftige keine Betreuung mehr fänden, Headhunter würden mit hohen Kopfprämien um Personal werben. „Jetzt ist ein Handlungsdruck entstanden“, sagte Damitz. „Wir könnten sofort 50 bis 100 Pflegefachkräfte einstellen.“ Das DRK-Region Hannover beschäftigt rund 750 Mitarbeiter in 27 Einrichtungen.

„Pflegeberufe müssen attraktiver werden“, sagte Marks. Aufstiegschancen wie ein Pflegestudium gehörten dafür genauso dafür wie die Möglichkeit, dass Quereinsteiger eine Ausbildung absolvieren können. „Der Dienst am Menschen braucht unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung“, sagte sie. Zudem müssten die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden, um die Mitarbeiterfluktuation in der Altenpflege zu senken. „Dazu gehört auch eine bessere Bezahlung“, ergänzte Twachtmann.

Politik trifft Kümmerer: Anneliese Wiggers (von links), Uwe Kuhn von der Garbsener SPD, Hedwig Schwammbach, Caren Marks, Mario Damitz, Ursula Hanebuth und Monika Twachtmann. Quelle: Jutta Grätz

Einiges sei schon passiert, so Marks. Der Wegfall des Schulgeldes für Auszubildende in der Altenpflege sei ein wichtiger Schritt gewesen. Ebenso das Pflegestärkungsgesetz, das die pflegenden Angehörigen ebenso entlasten soll wie die Pflegekräfte und jährlich fünf Millionen Euro für die Pflege bereitstellt. In den gesamten Pflegebereich müsse aber noch mehr Geld fließen. „Wir haben den Startschuss für eine konzertierte Aktion Pflege gegeben“, sagte die Staatssekretärin. Es sei wichtig, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen – von Arbeitgebern über Wohlfahrtsverbände bis zu Gewerkschaften. „Die Vernetzung der Beteiligten ist wichtig – auch in den Kommunen.“

Pflegeausbildung wird ab 2020 vereinheitlicht

Ein Thema des Austauschs war auch die generalisierte Pflegeausbildung. Diese vereinheitlicht ab 2020 die bisherigen drei Berufe für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einer dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann. „Ich befürchte, dass sich der Fachkräftemangel dadurch noch verstärkt“, sagte Damitz. Diese Sorgen könne sie bestätigen, sagte Twachtmann. „Nachdem ersten Praktikum sagen viele unserer potenziellen Bewerber, dass sie lieber in der Krankenpflege arbeiten wollen.“

Ehrenamtliche nähen für die Bewohner

Am langen Tisch im Wintergarten des DRK-Seniorenheims rattern die Nähmaschinen. Alle acht Wochen treffen sich hier Ursula Hanebuth aus Osterwald, Hedwig Schwammbach aus Berenbostel und Anneliese Wiggers aus Döteberg zum gemeinsamen Nähen. Doch nicht ihre eigenen Tischdecken, Röcke und Blusen liegen unter dem Nähfuß, sondern Nachthemden, Hosen und Pyjamas der Bewohner des Seniorenheims. Vor zwei Jahren hatten die Ehrenamtlichen, die alle auch in DRK-Ortsvereinen tätig sind, die Idee für das Nähprojekt. Die Resonanz ist riesig: „Es kommt immer wieder Nachschub“, sagt Wiggers. „Manchmal schaffen wir gar nicht alle Reparaturen“, sagt Hanebuth, während sie schnell und geschickt den Saum absteckt. Oft blieben die Bewohner sogar so lange, bis ihre Kleidungsstücke fertig seien, erzählt das Näh-Team. „Sie genießen den Kontakt zu den Näherinnen“, sagt Monika Twachtmann, die Leiterin des Bereichs Soziale Betreuung. jgz

Von Jutta Grätz

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