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Garbsen Stadt plant neuen Bolzplatz – Anwohner beteiligen sich
Umland Garbsen Stadt plant neuen Bolzplatz – Anwohner beteiligen sich
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00:19 17.03.2019
Simon Bauermeister, Grünflächenplaner der Stadt, diskutiert mit Anwohnern über den Bolzplatz in Berenbostel auf dem Kronsberg. Quelle: Sebastian Stein
Berenbostel

Die Stadt plant den Umbau des Bolzplatzgeländes in der Straße Auf dem Kronsberg in Berenbostel – und nimmt die Anwohner mit ins Boot. Einerseits soll das Quartier für Jugendliche aufgewertet werden, andererseits übten Anlieger während einer Nachbarschaftsversammlung Ende Februar Kritik. Sie fürchten, das neue Gelände könnte randalierenden Jugendlichen noch mehr Raum bieten. Die Stadt hat deshalb den ersten Entwurf am Mittwochabend mit den Anwohnern im Haus der Silvanusgemeinde diskutiert.

Jugendliche und Anwohner haben gegensätzliche Interessen

Anfang Februar hatte die Stadt die Jugendlichen aus dem Quartier an den Tisch gebeten. Die jungen Menschen wünschen sich viel Platz zum Fußballspielen, für Fitnessgeräte und für Sitzgelegenheiten. Die besorgten Anwohner wollen ihnen zwar nicht das Bolzen verbieten, vielmehr haben sie Angst, dass ein schöneres Gelände auch mehr Jugendliche anzieht und dass damit auch die Probleme wachsen.

Aktuell existiert in der Straße Auf dem Kronsberg gegenüber der Silvanusgemeinde eine große Bolzfläche. Entlang des Zaunes führt ein schmaler Gang zu einem Sandspielplatz. Dieser hintere Bereich ist von der Straße durch Bäume kaum einsehbar. Der Bolzplatz ist kaum noch bespielbar, und vom Spielplatz wurden defekte Geräte entsorgt. Während Kinder und Jugendliche also keine Spielmöglichkeit mehr haben, klagen die Erwachsenen über miserable Zustände in dieser Ecke.

Anwohner klagen über Lärm, Drogen und Dreck

„Ich möchte Sie mal erleben, wenn Sie hier wohnen würden“, sagt eine direkte Anliegerin des Bolzplatzes in der Diskussion mit den Stadtmitarbeitern. „Wir müssen das Lärmproblem der Anwohner und den stadtweit größten Kinder- und Jugendanteil aber unter einen Hut bringen“, sagt Bettina Schlomka, zuständig für die Stadtentwicklung. Der Platz sei älter als die Wohnbebauung – man könne ihn nicht einfach an den Rand schieben.

Die Sorgen der Anwohner klingen allerdings ernst. In der Diskussion mit der Stadt sprechen sie von einer nie dagewesen Dreistigkeit der Jugendlichen, die die Polizei auslachen, von Drogenspritzen in der Wohngegend und Lärm bis in die Nacht. All das sollten Nachbarn am Mittwoch auf den zwei Entwürfen für den neuen Platz notieren – und am Ende markieren, was ihnen für die Planung am Wichtigsten erscheint. Demnach lauten die größten Wünsche: mehr Sicherheit, Lärmschutz und mehr Kontrollen.

Polizei: Kronsberg ist nicht unsicherer

Den Zahlen nach sei der Kronsberg nicht unsicherer geworden, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Garbsen, Ulrich Knappe, bei der Präsentation der Kriminalstatistik in dieser Woche. Klar sei aber auch, dass es mehr Straftaten dort gebe, wo viele Menschen auf engem Raum lebten. „Wir haben schon ein gewisses Augenmerk auf die Gegend und wollen zukünftig die Präsenz im Rahmen der Möglichkeiten steigern.“ Durch Drogenkontrollen erreiche man meist allerdings nur eine zeitweise Verdrängung der Gruppen, meint Knappe.

Umsetzung könnte 2020 beginnen

Die Stadt will versuchen, die Probleme in den Griff zu bekommen, indem sie baulich einiges ändert. „Es wird eine gute Einsehbarkeit und soziale Kontrolle geben“, sagt Simon Bauermeister von der Grünflächen- und Landschaftsplanung der Stadt Garbsen. Fest steht bereits jetzt, dass der ehemalige Kiosk auf dem Gelände, den die Anwohner als Unsicherheitsfaktor betrachten, von der Stadt abgerissen wird. Die Verwaltung beginnt nach der Phase der Bürgerbeteiligung mit der Planung und will den Anwohnern den konkreten Entwurf in etwa acht Wochen präsentieren. Im Idealfall könne der Umbau 2020 beginnen, sagt Bauermeister.

Kommentar: Mit Beteiligung zu mehr Akzeptanz

Der Bolzplatz ist ein klassisches Konfliktthema in der Nachbarschaft auf dem KronsbergLärm, Dreck und Drogen. Deshalb war im Vorfeld der Anwohnerbeteiligung nicht zu erwarten, dass am Ende die meisten Nachbarn mit zufriedenen Gesichtern nach Hause gehen. „Habt ihr gut gemacht“, hieß es entgegen der Erwartung sowohl von Stadt als auch Bürgern. Den Planern war es im Beteiligungsverfahren mit Geschick gelungen, die Wut und Sorgen der Anwohner zu kanalisieren und den Nachbarn gleichzeitig eine Mitverantwortung für das Projekt zu geben.

Dazu hat die Stadt frühzeitig informiert, die Anwohner an einem Tisch gebracht und ernsthaft mitreden lassen: Sie konnten lange diskutieren, Pläne kommentieren und schließlich abstimmen. Die Planer haben auf Augenhöhe kommuniziert und unmissverständlich klar gemacht, warum am Bolzplatz selbst nicht zu rütteln ist. Wie er letztlich gestaltet wird, sollte dann aber Aufgabe der Jugendlichen und Anwohner sein.

Diese Beteiligung ist anstregend für alle: Prioritäten setzen, Kompromisse zwischen Gruppen finden und die Perspektive der anderen einnehmen. Aber so funktioniert das einfachste Prinzip der Demokratie. Die Beteiligten wurden gefragt, nicht alle sind einverstanden und am Ende womöglich doch einigermaßen zufrieden. Das kostet viel Zeit und Geld, aber es ist nachhaltig.

Von Sebastian Stein

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