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Garbsen Südlink: Garbsener reagieren mit Treffen im Rathaus
Umland Garbsen Südlink: Garbsener reagieren mit Treffen im Rathaus
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00:23 24.02.2019
In solchen Rohren werden die Kabel für den Südlink verlegt. In einem Graben sollen dann zwei bis vier Rohre untergebracht werden. In solchen Rohren werden die Kabel für den Südlink verlegt. In einem Graben sollen dann zwei bis vier Rohre untergebracht werden. Quelle: picture alliance / dpa
Garbsen

Der Netzbetreiber Tennet hat seine Pläne geändert – die Stromautobahn Südlink soll nun doch durch den westlichen Teil der Region Hannover führen. Das Erdkabel würde dann unter anderem über Neustadt, Seelze und Garbsen laufen. Bislang hatte Tennet eine östlichere Streckenführung über Burgdorf und Uetze favorisiert. Der Vorschlag für die über 700 Kilometer lange von Nord- nach Süddeutschland verlaufende Trasse werde jetzt bei der Bundesnetzagentur eingereicht.

Die Stadt Garbsen reagiert mit einem Treffen im Rathaus: Am Freitag um 10 Uhr werde sich die Verwaltung mit den Garbsener Bürgerinitiativen über das gemeinsame weitere Vorgehen abstimmen, sagt Stadtsprecher Benjamin Irvin. Am Abend wolle Tennet auch Bürgermeister Christian Grahl über das weitere Verfahren und die Möglichkeiten der formellen Beteiligung informieren. „Erst Ost, jetzt West – dieses Hin und Her trägt nicht zur Akzeptanz von Südlink bei“, sagte Grahl am Nachmittag. Hans-Rüdiger Steinmetz von den Garbsener Bürgerinitiativen gegen Südlink hatte bereits Anfang 2017 davor gewarnt, allzu euphorisch ob der Tennet-Pläne für die Ostvariante zu sein.

Die Garbsener Bürgerinitiativen gegen den Südlink protestieren in Frielingen. Quelle: Gerko Naumann (Archiv)

SPD: Auswirkungen auf die Bürger minimieren

„Unser Ziel bleibt, die Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger zu minimieren“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat, Karsten Vogel. Dass Tennet gerade quer durch den besonders dicht besiedelten Raum meint gehen zu müssen, sei für ihn nicht nachvollziehbar. An eine Realisierung der Trasse wolle er aber noch nicht glauben. Heinrich Dannenbrink, Fraktionsvorsitzender der CDU/FDP-Gruppe befürchtet vor allem eine Katastrophe für Umwelt und Landwirtschaft. „Es werden fruchtbare Ackerflächen in Mitleidenschaft gezogen, es werden unwiederbringliche Eingriffe in den Naturhaushalt erwartet.“ Da Tennet die Osttrasse verworfen habe, werde es aber sehr schwer, die Bundesnetzagentur zu einer anderen Trassenführung zu bewegen. Genau das schlägt Günther Petrak, Fraktionssprecher Unabhängige/Linke, aber vor: „Wir versuchen, massiv dagegen vorzugehen – vor allem auf politischem Weg.“

Grüne unterstützen die Pläne – unter bestimmten Bedingungen

Die Garbsener Grünen wollen die Trasse hingegen unter bestimmten Bedingungen unterstützen: sofern gesichert sei, dass keine Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt von den Stromadern ausgingen, die Bestimmung zum Natur- und Landschaftsschutz eingehalten würden und die Netzbetreiber ihre Stromnetze künftig intelligenter machten, sagte Roland Godbersen. „Bevorzugen würden wir allerdings eine Energieerzeugung, die in kommunalen oder regionalen Verbünden erbracht wird – dennoch verschließen wir uns nicht gegenüber den Realitäten.

Caren Marks ist SPD-Bundestagsabgeordnete für Hannovers Norden – und ihre Wahlkreisorte damit sowohl von der alten als auch neuen Streckenführung betroffen. Der aktuelle Stand zum Verlauf der Südlink-Trasse mache deutlich, wie aufwendig es sei, die vielfältigen Interessen im Verfahren sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Das habe zu der Verlagerung des Korridors von der östlichen in die westliche Region Hannover geführt, sagte Marks. „Ich erwarte von Tennet, dass die Gründe dafür öffentlich dargelegt und die Kommunen und Bürger umfassend informiert werden.“

In einer gemeinsamen Mitteilung zeigten der CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt und die Landtagsabgeordneten für Garbsen und Neustadt, Editha Westmann und Sebastian Lechner: „Wir werden diesen Prozess intensiv und kritisch begleiten. Für uns ist es wichtig, dass die Trasse erdverkabelt ist und an Straßen oder Schienen entlang geführt wird, um möglichst wenig landwirtschaftliche Flächen durch den Bau zu beeinträchtigen.“

Die Stromtrasse Südlink soll von 2025 an Windstrom von den Küsten Norddeutschlands nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren.

Interaktive Karte: Das ist der geplante Verlauf der Trasse

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Von Sebastian Stein

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