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Umland Garbsen Nachrichten So funktioniert die Ausgabe bei der Tafel Garbsen
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16:52 11.03.2018
"Man muss den Einlass organisieren": Klaus Bertram leitet die Garbsener Tafel. Quelle: Linda Tonn
Auf der Horst

 Klaus Bertram hat die Zahlen extra rausgesucht – jetzt, da in Deutschland so viel über Tafeln, deutsche und nicht-deutsche Bedürftige diskutiert wird: „Im vergangenen halben Jahr hatten wir 95 Neuanmeldungen“, sagt der Leiter der Garbsener Tafel, einer Zweigstelle der Hannöverschen Tafel. „Davon waren 45 Prozent Deutsche.“ Die anderen Menschen die regelmäßig in die Räume an der Skorpiongasse kommen, seien vor allem Syrer, Iraker, Afghanen. „Aber auch ganz viele andere Nationen.“ Die Nationalität der ankommenden Personen ist für Bertram und die Mitarbeiter allerdings zweitrangig. Aus den grünen Kisten voller Bananen, Salat, Eier, Joghurt und Brot bekommt jeder etwas – vorausgesetzt, er kann seine Bedürftigkeit mit Belegen vom Jobcenter oder Sozialamt nachweisen.

Zustände wie bei der Essener Tafel, die keine nicht-deutschen Kunden mehr aufnimmt, gibt es bei der Garbsener Tafel nicht. Hier bekommt jeder etwas. Ein festes System sorgt für einen geordneten Einlass bei der wöchentlichen Ausgabe.

Tafel-Team weiß, wie viele Menschen kommen

Die Entscheidung des Essener Tafel-Leiters, nur noch Deutsche als Neukunden aufzunehmen, kann Bertram nicht nachvollziehen. Das klinge ja fast rassistisch, sagt er, während er die ankommenden Lebensmittellieferungen koordiniert. Es ist Mittwoch, 9.30 Uhr, und die Mitarbeiter füllen die Kästen für die Ausgabe um 12.15 Uhr. Zwischen 120 und 130 „Gäste“, wie Bertram sie nennt, kommen mittwochs zur Ausgabe – im Zwei-Wochen-Rhythmus, aufgeteilt in Gruppe A und Gruppe B. Das Team hat einen genauen Überblick, wie viele Menschen an diesem Tag kommen und für wie viele Personen sie Lebensmittel mitnehmen werden. Das sei wichtig, sagt Bertram: „Wir können nicht mehr Ware ausgeben, als wir haben.“

Um kurz nach zwölf öffnet Bertram die Tür zur Ausgabestelle. Dann werden die Wartenummern aufgerufen. Jeder Nummer ist eine Einlasszeit zugeordnet. „So weiß jeder Gast genau, wann er an der Reihe ist“, sagt Bertram. Wer in der einen Woche eine niedrige Nummer zwischen eins und 60 auf seinem Tafelausweis stehen hat, bekommt für die kommende Ausgabe eine höhere Zahl zugeordnet – per Zufallsgenerator. Natürlich sei das Vorgehen manchmal aufgrund von Sprachbarrieren schwer zu vermitteln, gibt Bertram zu. Man müsse den Einlass aber irgendwie organisieren und das funktioniere gut. „In den zwei Jahren, in denen ich hier arbeite, musste ich ein einziges Mal laut werden, weil jemand gedrängelt hat“, so der Tafel-Leiter. Streit gibt es so gut wie nie an der Skorpiongasse. Das Einlasssystem hat einen einfachen Effekt: „Jeder weiß, wie es sich anfühlt, auch mal die Nummer 100 zu sein.“

Zahl der Ausweise wurde erhöht

Nur wenige Male musste Bertram Menschen abweisen. „Das war zur Zeit der Flüchtlingskrise 2016, weil wir einfach nicht genug Lebensmittel hatten.“ Schnell habe man bei diesem Engpass die Zahl der Tafelausweise auf insgesamt 340 erhöht. Wer sich an einem Ausgabetag nicht neu anmelden könne, würde auf den nächsten Termin zwei Wochen später vertröstet. Die Mitabeiter haben im Blick, welche Menschen regelmäßig kommen. „Wer zwei Monate lang nicht kommt, hat eventuell eine Arbeit gefunden und ist nicht mehr bedürftig“, erklärt Bertram. So würden immer wieder Plätze für Neuanmeldungen frei. Dass die Zahl der Bedürftigen ständig steige, kann Bertram nicht bestätigen. „Im Moment passt die Zahl der Neuanmeldungen zu der Zahl der Menschen, die nicht mehr kommt.“ 

Von Linda Tonn

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