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Umland Garbsen Nachrichten Garbsens Funker suchen Funker auf der ganzen Welt
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00:15 29.12.2017
Amateurfunker Helmut Schoo (links) und Peter Kiss versuchen Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Die Ausstattung in der Klubstation im Obergeschoss der Grundschule Osterwald. Mit speziellen Apps können Helmut Schoo (links) und Peter Kiss herausfinden, mit wem sie kommunizieren. Quelle: Linda Tonn
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Osterwald Oberende

„Allgemeiner Anruf. Delta – Kilo – O – Alpha –Uniform“. Immer wieder diktiert Peter Kiss diesen Satz in sein Funkgerät. Er wartet. Aus den Lautsprechern ertönt ein Rauschen, ein undeutliches Fiepen und dann – endlich – ein Knacken und die undeutliche Antwort: „Ich kann Sie hören.“ DKØAU – im Nato-Alphabet „Delta, Kilo, O, Alpha, Uniform“ – ist der Code für den Standort des Funkers. Kiss sitzt in einem Zimmer im Obergeschoss der Grundschule Osterwald Oberende und versucht, Kontakt zur Welt aufzunehmen. Wer seinen Anruf tatsächlich beantwortet, kann der passionierte Amateurfunker nicht steuern.

Funker haben Nachwuchssorgen

Das mit Computern, Verstärkern und Kurzwellengeräten vollgestellte Zimmer ist der Klubraum der Ortsgruppe H42 aus Garbsen. Mit der aufwändigen Technik senden die Mitglieder ihre Funksprüche nach draußen. Daneben basteln sie an den Geräten, richten Antennen aus und formen Blechkisten zu Sendern um. „Unser Hobby hängt an der Antenne“, sagt Vereinsmitglied Helmut Schoo, der in den Siebzigerjahren die Liebe zum Funken entdeckte. Je größer die Reichweite, desto besser. Doch die Funker sorgen sich auch um ihren Nachwuchs. War es vor knapp 30 Jahren noch eine kleine Sensation, überall Signale empfangen zu können, interessierten sich immer weniger junge Menschen für die Technik des Funkens ganz ohne Handy und GPS. 

In einem Dachzimmer in der Grundschule Osterwald Oberende haben die Amateurfunker Garbsen ihren Klubraum eingerichtet. Ausgestattet mit viel Technik, senden sie von hier aus Funksprüche in die ganze Welt.

Während Schoo von regelmäßigen Ausflügen und Versammlungen per Funkgerät erzählt, festigt sich die Verbindung zwischen Kollege Kiss und einem Herrn im nordrheinwestfälischen Blomberg. Kontinuierlich schlägt der Regler aus, das Rauschen nimmt ab und die Worte werden klarer. Der Mann sitzt im Auto und hat Kiss’ Anruf auf seinem Handfunkgerät entgegengenommen. Kurz plaudern die beiden über die Technik, über Empfangsgeräte und die Antenne, über die ihre Verbindung zustande gekommen ist. „Das ist der Reiz am Funken“, erklärt Schoo. „Wenn man jemandem mit dem Handy anruft, weiß man genau, mit wem man sich unterhalten will. Beim Funken wird das dem Zufall überlassen.“ 

Kontakte bis nach Asien

Der Blick in einen Kasten voller Postkarten macht deutlich, welche fernen Länder die Funker aus Garbsen schon erreicht haben: Wer einen Funkspruch entgegennimmt, bekommt eine solche QSL-Karte zugeschickt – und bestätigt die Verbindung. Die Karten kommen aus Manila, Hiroshima und den USA. Sogar mit Menschen in der völlig zerstörten syrischen Stadt Aleppo habe man in Kontakt gestanden, sagt Schoo. Und aus einigen der undeutlichen Gesprächen, die über rauschende Leitungen geführt werden, seien im Laufe der Zeit feste Kontakte entstanden. 

Funkstationen auch zu Hause

Peter Kiss verabschiedet sich derweil in der Sprache der Amateurfunker: „Ich bin dann erst einmal QRT“, sagt er und kappt die Leitung nach Nordrhein-Westfalen. Die Codes und Kommunikationsformen muss jeder beherrschen, sie sind internationaler Standard. Schnell trägt er die Verbindung in ein Logbuch ein, dann wandert seine Hand schon wieder zum Frequenzregler, um einen neuen Funkspruch in die Welt zu schicken. „Wir haben alle Spaß an der Kommunikation und der Technik“, sagt er. Die meisten Mitglieder hätten auch kleine Funkstationen zu Hause. Viele bauten sogar große Antennenkonstruktionen in ihren Gärten auf. Ein bisschen verrückt sei ihr Hobby schon, gestehen die beiden Funker. Aber nützlich:  „Auch wenn Strom und Telefonverbindungen zusammenbrechen, die Supermärkte und Tankstellen dicht sind, können wir immer noch funken.“

Keine Funklizenz ohne Prüfung

Wer Funkgeräte selbst bauen will und als Funkamateur aktiv sein möchte, muss in Deutschland eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen und Kenntnisse in Technik, Gesetzeskunde und Betriebstechnik zum Thema Amateurfunk nachweisen. „Dafür muss man ganz schön büffeln“, sagt Helmut Schoo. Mitglieder des Ortsverbandes Garbsen haben dafür seit August 2017 insgesamt zehn Wochenenden lang an einem Lehrgang zur Vorbereitung auf die Prüfung „Erwerb der Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst“ teilgenommen. Im Dezember haben sie bei der Bundesnetzagentur in Hannover die Prüfung absolviert – von zehn Teilnehmern haben sechs bestanden. ton

 

Seit 42 Jahren on air

Der Ortsverband Garbsen wurde 1975 gegründet und hat nach eigenen Angaben 55 Mitglieder. Im Internet ist die Gruppe der Garbsener Funker auf www.darc.de/h42 zu finden. Das Funker-Quartier liegt in der Oberender Grundschule. Die regelmäßigen Treffen sind in der Grundschule an der Robert-Koch-Straße. Die Gruppe gehört zum Deutschen Amateur Radio Club DARC. Er zählt bundesweit etwa 45.000 Mitglieder und ist stärkster Verband in Europa. Der DARC ist in die Internationale Amateur Radio Union (IARU) eingebunden.

Von Linda Tonn

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