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Umland Garbsen Nachrichten Die Leiche liegt im Wohnwagen
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00:16 03.06.2017
Von Markus Holz
Sibylle Narberhaus beschäftigt sich beruflich mit Versicherungen. Das Schreiben ist eher der private Gegenpol. Quelle: Markus Holz
Horst

Fünf Bücher hat die Expertin für Industrieversicherungen fertig geschrieben im Rechner. Ihr erstes ist am 5. April erschienen. "Syltleuchten". Am Freitag, 2. Juni, um 19 Uhr, gibt Narberhaus ihre erste Lesung in Garbsen auf Homeyers Hof, Frielinger Straße 12; Einlass und Bewirtung ab 18 Uhr.

Syltmomente als Bausteine

Ihr Erstlingswerk ist ein Kriminalroman mit allem, was das Genre verlangt: Liebe, Eifersucht, russische Mafia, eine unbekannte Leiche in einem ausgebrannten Wohnwagen, verzweifelnde Polizisten und sehr viel Lokalkolorit. Sylt ist Narberhaus’ ganz besondere Liebe. Wann immer sie kann, ist sie dort, atmet durch, nimmt Bilder auf und setzt sie wie Versatzstücke in ihrem Roman ein. Narberhaus hat die seltene Gabe, einen Ort, ein Haus, eine Straße zu sehen und sich sofort zu einer Episode inspirieren zu lassen. Woher kommt dieses Talent?

Buchvertrag nach 15 Minuten

"Keine Ahnung, ich schreibe einfach nur", sagt die gebürtige Main-Frankfurterin. Keine Schreibwerkstatt, keine Seminare, kein Studium. Ihr Deutschlehrer am Kepler-Gymnasium wollte ihr in Klasse zehn eine Fünf geben. Narberhaus wechselte an die IGS. Erste Klausur dort: 13 Punkte. Dass sie später Mal ihr eigenes Buch in der Hand halten würde, ahnte damals natürlich niemand.

Fünf Verlage wollten ihr Manuskript drucken. Den Zuschlag hat sie dem Gmeiner-Verlag gegeben, nach einem 15-Minuten-Treffen auf der Frankfurter Buchmesse. "Wir haben einen Vertrag geschlossen über ein Buch, das es noch gar nicht gab", sagt die Horsterin und ist noch heute verwundert über solche Gepflogenheiten in der Verlagsbranche. Drei Monate hat sie an "Syltleuchten" gearbeitet. Vier weitere Syltromane sind fertig. Und die Worte für Band sechs bis neun hat sie schon im Kopf.

Ein Kriminalroman ohne blutige Details

"Schreibrausch? Kenne ich, vor allem nachts bei klassischer Musik", sagt sie. Schreiben ist für sie wie ein Filmdreh. "Es ist, als ob ich hinter der Kamera stehe", sagt sie, nur dass statt Bildern die kostbaren Worte entstehen, die sie zur Millionärin machen und jeden Leser in diese besondere Syltstimmung mitnehmen.

Ihre Figuren sind wie fotografiert: klar charakterisiert und fast immer konsequent in ihrem Handeln. Spannungselemente sind eine Serie von Brandstiftungen, die Entführung der Hauptperson Anna und die Leiche einer unbekannten Frau. Narberhaus kommt ohne Blut und Brutalität aus. Keine verwesenden Leichen wie bei Simon Beckett. Keine detaillierten Grausamkeiten wie bei Sebastian Fitzek. Die Geschichte entwickelt sich zwar langsam, nimmt aber immer wieder unerwartete Wendungen. Leicht zu lesen, leicht nachzuvollziehen. Die 11,99 Euro für das Buch sind eine Investition in gut geschriebene Unterhaltung mit Schaudermomenten. Das Ende des Syltleuchtens könnte beim Leser der Anfang von Vorfreude auf das nächste Narberhaus-Werk wecken.

Vorlesen ist wie Reisen mit guten Freunden

Schreiben braucht kein Publikum. Der Autor ist allein mit sich und seinen Gedanken. Aber lesen? Vorlesen aus dem eigenen Buch? Das ist nochmal etwas anderes. Für Narberhaus ist das ungewohnt. Sie hat im Freundeskreis geübt. Dieter Hufschmidt  - Nachbar, Freund der Familie und preisgekrönter Darsteller am Schauspielhaus Hannover - hat mit ihr das Vortragen trainiert. Auftritte kennt sie von früher, vom Singen in Kirchen, vom Tanzen im Ballett. Angst vor Publikum hat sie auch nicht. Die Herausforderung ist, den Worten beim Lesen die richtige Farbe zu geben. Aber sie setzt sich nicht unter Druck. "Das Lesen ist für mich wie eine Reise mit guten Freunden. Ich weiß, wie meine Figuren ticken", sagt Narberhaus, "und sollte es einem Zuhörer nicht gefallen, kann er ja gehen."

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