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Umland Garbsen Nachrichten Der Saal bei Reddert ist ab Sommer Geschichte
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00:22 21.05.2018
"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht": Evelin und Fritz Reddert geben ihren Saal Ende Juni auf. Quelle: Jutta Grätz
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Berenbostel

 Hochzeiten, Neujahrsempfänge, Chorproben, Ortsratssitzungen: Der Saal des Gasthauses Reddert an der Dorfstraße ist so etwas wie Berenbostels gute Stube.  Doch im Sommer wirdder Saal mit seinem etwas in die Jahre gekommenden Charme in Apricot- und Beigetönen Geschichte sein: Die Besitzer der Gaststätte, Fritz und Evelin Reddert, wollen den Raum, in dem bis zu 150 Personen Platz haben, Ende Juni aufgeben. Das Gastwirtspaar plant, das Gasthaus umbauen zu lassen. Der Bauantrag ist gestellt. Der Saal wird abgeteilt und soll vermietet werden. An wen wollen Redderts noch nicht verraten – erst wenn die Baugenehmigung vorliegt.

Ehepaar führt Gaststätte weiter

Redderts Saal war Schauplatz hunderter Feiern und von 21 Neujahrsempfänge des Ortsbürgermeisters, auch der Ortsrat tagte dort regelmäßig. Und dennoch: „Es rentiert sich nicht mehr“, sagt der 62-jährige Fritz Reddert. Zudem haben die vergangenen mehr als 100 Jahre in der 1900 gebauten Gaststätte Spuren hinterlassen. „Der Tresen müsste saniert, das Parkett abgeschliffen werden“, sagt Reddert. Auch gesundheitliche Gründe und die ungesicherte Nachfolge haben das Ehepaar letztlich dazu bewogen, den Saal aufzugeben.  „Wir freuen uns auch auf mehr Zeit“, sagt Evelin Reddert. Trotzdem ist dem Ehepaar die Entscheidung schwergefallen. Die beiden haben in dem Saal 1989 auch ihre Hochzeit gefeiert – mit 230 Gästen die wohl größte Feier im Saal. 

Der einzige Saal in Berenbostel ist ab Juli Geschichte: Das Gastwirtspaar Reddert schließt den Raum und baut das Gasthaus um. Viele Vereine und auch der Ortsrat müssen sich neue Räume suchen.

Auf die legendären „Reddert-Hähnchen“ – monatlich bereitet der Koch bis zu 800 zu – müssen die Gäste allerdings nicht verzichten. „Wir führen die Gaststätte weiter“, sagt Fritz Reddert. Kleinere Feiern sind nach wie vor in der Gaststube möglich.

Chor ad Libitum gestaltet Abschiedskonzert

Viele Vereine müssen sich allerdings eine neue Bleibe suchen. So auch der Berenbostel Chor ad Libitum, der 50 Jahre lang bei Reddert probte. Als Dank für die Unterstützung der Ehepaars planen die Sänger für Sonntag, 27. Mai, 17 Uhr, ein Abschiedskonzert. „Die Mutter von Fritz Reddert hat auch im Chor gesungen“, sagt Chorsprecher Jörg Dierksen. Beim Konzert mit dem Titel „Früher war alles besser“ können sich die Zuhörer auf Schlager aus den Zwanziger- bis Vierzigerjahren freuen. Der Storchenchor der Grundschule Luthe, das Kammerorchester Wunstorf und Pianist Demian Ewig begleiten das Konzert. Der Eintritt ist frei.

Erinnerungen an 21 Neujahrsempfänge

Ob das Heidschnucken-Essen mit dem Heimatverein, die Sitzungen des Ortsrats oder die Weihnachtsausstellungen: „An Redderts Saal hängen für viele Berenbosteler Erinnerungen“, sagt Ortsbürgermeister Werner Baesmann. „Ich bin sehr enttäuscht, dass es vor Ort bald keine Räumlichkeiten in dieser Größe mehr gibt – das ist schade für Berenbostel.“ Seit 21 Jahren lädt Baesmann die örtlichen Vereine, Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft  Anfang Januar zum Neujahrsempfang in den Reddert-Saal. „Wir sind bereits auf der Suche nach neuen Räumen.“ Der Ortsrat könnte unter anderem im Schützenhaus an der Corinthstraße, im Saal der Stephanus-Gemeinde oder in der Berenbosteler Feuerwache tagen.  Für die nächste Sitzung am 15. August sind schon Räume im Globotel gebucht. Und für den Neujahrsempfang könnte sich der Ortsbürgermeister  auch den Saal des Stelinger Sporthofs vorstellen. jgz

Ortsbürgermeister Werner Baesmann zeigt ein historisches Foto des Gasthauses in der Broschüre "Berenbostel und seine Nachbarschaft." Quelle: Jutta Grätz

Ein zweites Zuhause bei Reddert

Montagabend, Punkt 19.15 Uhr öffnen sich die Türen des Saals für die Proben des Berenbostel Chor ad Libitum – und das seit fast 50 Jahren. „Der Saal  ist wie ein zweites Zuhause für uns“, sagt Jörg Dierksen, Sprecher des Chores. „Auch wenn er optisch in die Jahre gekommen ist – der Raum mit seiner guten Akustik und das  nette Personal sind uns ans Herz gewachsen.“ Die Sänger seien geschockt gewesen als sie hörten, dass der Saal schließt. Der Chor hat  in der Gaststätte viele Konzerte gegeben: von der 800-Jahr-Feier 2006 bis zum Abend mit dem Chor aus Garbsens Partnerstadt Wreschen. Und Dierksen selbst hat dort 2017 seine Diamantene Hochzeit mit Frau Margrit gefeiert. Der Chor kann künftig im Saal der Stephanus-Gemeinde proben. „Wir sind glücklich, dass sie uns aufgenommen haben“, sagt Dierksen. Die Sänger haben dort schon ein paar Mal geprobt, ein Klavier ist auch vorhanden. jgz

Der Berenbostel Chor a Libitum probt jeden Montag bei Reddert – seit 50 Jahren. Quelle: (Archiv)

Hochzeitstanz auf dem Holzfußboden

Für den schönsten Tag in ihrem Leben am 28. Mai 2010 hatten sich Claudia und Martin Jursch aus Berenbostel die Gaststätte Reddert ausgesucht. „Wir wollten unbedingt vor Ort feiern und sehr traditionell“, sagte Martin Jursch. „Nach unserer Trauung in der Stephanus-Kirche sind wir zu Fuß zu Reddert gegangen – mitsamt der ganzen Hochzeitsgesellschaft.“  Tradition bedeutete für das Paar nicht nur Redderts Hochzeitssuppe nach Familienrezept, sondern auch die Livemusik der Big Band Berenbostel. Dort spielte Martin Jursch 21 Jahre lang Trompete – bis Sommer 2015. „Wir und unsere 120 Gäste haben zu Swing und Jazz auf dem Holzboden getanzt – das ist für uns unvergesslich“, sagt Jursch. Seine Schwester, die Jazzsängerin Hanna Jursch-Rinella, stand erst kürzlich auf der Bühne im Reddert-Saal: beim Konzert mit dem Lulu White Orchestra auf Einladung des Jazzclubs Garbsen im vergangen Februar. jgz

Claudia und Martin Jursch haben im Mai 2010 bei Reddert ihre Hochzeit gefeiert. Quelle: Jutta Grätz

Jazzgrößen spielen in familiärem Rahmen

Seit 2017 ist der Saal im Gasthaus Reddert neben Hesses Ziegeleischeune Heimat für den Jazzclub Garbsen. Sängerin Sheeren Adams zauberte Lounge-Atmosphäre in den Saal, das Gipsy-Swing-Quartett Hot Club de Linden eröffnete die Konzertsaison 2018 mit Musik im Stile Django Reinhardts. Und eine energiegeladene Hommage an den Boogie-Woogie zelebrierte im März der deutsch-kanadische Ausnahme-Pianist Michael Kaeshammer bei Reddert.  In einem Gasthaus sei er noch nie aufgetreten, sagte der Künstler nach dem Konzert. „Aber es hat Spaß gemacht – Garbsen yeah.“ Das ehrenamtliche Team des Jazzclubs um Bodo Schmidt arbeitet derzeit auf Hochtouren an möglichen Alternativen für die Auftritte der Künstler. Der Verein plant im ehemaligen spanischen Restaurant am Dorfplatz einen Jazzkeller. Die Eigentümerin unterstützt die Idee, dass der Verein dort regelmäßig Musiker auftreten lässt. jgz

Der deutsch-kanadische Ausnahmepianist Michael Kaeshammer trat im März 2018 auf Einladung des Jazzclubs Garbsen bei Reddert auf. Quelle: Jutta Grätz

Schicken Sie uns Ihre Reddert-Momente

Konfirmation, Hochzeit oder Konzert: Welche Erinnerungen haben Sie an den Saal des Gasthauses Reddert? Welcher ist Ihr ganz persönlicher Reddert-Moment? Schicken Sie uns Ihre Geschichten und Fotos per E-Mail an garbsen@haz.de oder kommen Sie in unserer Redaktion, Rathausplatz 11, vorbei. jgz

Das Gasthaus Reddert an der Dorfstraße hieß bis 1938 "Gastwirtschaft Konrad Bruns". Der Saal ist ab Ende Juni Geschichte. Quelle: Jutta Grätz

Von Jutta Grätz

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