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14:25 21.02.2018
Telefonisch erklärt Notfallsanitäter Christopher Jonck einer Ärztin, wie es dem Patienten geht, den er gleich im Krankenhaus abliefert. Quelle: Gerko Naumann
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Berenbostel

 Für das nahende Ende einer 24-Stunden-Schicht sieht Khrystyna Mykhantso noch bemerkenswert munter aus. Es ist kurz vor 8 Uhr morgens. Geschlafen hat die Sanitäterin in der abgelaufenen Nacht kaum. „Nicht mal zwei Stunden. Nach Mitternacht kamen noch drei Einsätze rein“, sagt sie bei der Übergabe an die nächste Schicht in der Küche der Rettungswache der Johanniter in Berenbostel. Die nächste Schicht, das sind Notfallsanitäter Christopher Jonck (23), Rettungssanitäterin Joline Rudolph (25) und die Auszubildende Tina Steege (22). Das junge Team wird in den folgenden 24 Stunden zusammen im Einsatz sein.

24-Stunden-Schichten sind für die Sanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe in Garbsen Alltag. Wir haben sie während einer Schicht begleitet.

Ob er noch etwas Wichtiges wissen müsse, fragt Jonck. Mykhantso schüttelt mit dem Kopf. Aber dann fällt ihr doch noch etwas ein: „Der Rettungswagen ist von außen ziemlich schmutzig. Die Straßen waren vom Schnee matschig heute Nacht.“ Keine unwichtige Information, wie sich später herausstellen wird. Zeit zur Autopflege bleibt jedoch erstmal nicht. Noch bevor die erste Tasse Kaffee ausgetrunken ist, schlagen die Pieper der Retter Alarm. „Berenbostel – älterer Mann – fühlt sich zittrig“, ruft Jonck, schon im Laufschritt Richtung Fahrzeughalle.

Mit Blaulicht und Sirene zum Notfall

Keine Minute später fährt der Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene vom Hof. Der Einsatzort ist nur wenige Kilometer von der Wache entfernt. Die drei Johanniter-Helfer stellen den Rettungswagen neben dem Haus des Patienten ab und kümmern sich um den Mann, der offenbar Probleme mit dem Herzen hat.

Währenddessen spielt sich vor dem Haus eine typische Szene ab. Eine ältere Dame will mit ihrem Auto aus der Seitenstraße herausfahren, doch der Rettungswagen versperrt ihr den Weg. Die Seniorin wundert sich kurz, reagiert aber gelassen: „Dann komme ich heute eben mal zu spät zur Kirche. Wenn jemand Hilfe braucht, geht das natürlich vor“, sagt sie.

Autofahrer schimpfen über Rettungswagen

Das erleben die Retter häufig ganz anders, berichtet Rudolph. Sie erinnert sich etwa an einen Fall, der alle Beteiligten sprachlos hinterlassen hat. Dabei hatte sich ein Autofahrer ebenfalls von einem am Straßenrand abgestellten Rettungswagen gestört gefühlt. „Er hat sich dann auf einen Campingstuhl hinter das Auto gesetzt und eine Kommode vom Sperrmüll in den Weg geräumt.“ Das Motiv des Mannes sei offenbar Rache dafür gewesen, dass er mit seinem Auto nicht am Rettungswagen vorbeikam.

Beim Aufräumen müssen Sanitäter penibel sein 

Nachdem das junge Team den ersten Patienten des Tages ohne solche Zwischenfälle in ein Krankenhaus in Hannover gebracht hat, folgt endlich der verdiente Waschgang für das Fahrzeug. Glücklicherweise liegt die Anlage dazu in direkter Nachbarschaft zur Wache. Für Jonck ist dieser Teil der Arbeit mehr als eine lästige Pflicht. „Leute, die am Schreibtisch arbeiten, räumen dort ja auch auf“, sagt er. Ähnlich verhalte es sich eben mit ihm und seinem Rettungswagen.

Auch auf die Kontrolle der medizinischen Geräte nach jedem Einsatz achten die Sanitäter penibel. „Wir müssen immer genau wissen, wo sich was befindet. Wenn es etwa um die Wiederbelebung eines Kindes geht, dürfen wir keine Sekunde verlieren“, erklärt der Notfallsanitäter, dessen beruflicher Weg sich schon im Alter von zwölf Jahren abgezeichnet hat.

Leben zu retten ist ihr Beruf

Noch als Schüler des Hölty-Gymnasiums engagierte er sich im Schulsanitätsdienst und ehrenamtlich in der Johanniter-Jugend. Seitdem ist er der Hilfsorganisation treu geblieben und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Diese Entscheidung hat der 23-Jährige – bei allen Strapazen im Alltag – nie bereut. Denn: Wer rettet schon regelmäßig Leben? „Das ist schon ein gutes Gefühl. Dafür machen wir das schließlich“, sagt Jonck. Dann muss er weiter. Der Pieper kligelt, der nächste Notfall wartet.

11.000 Einsätze im Jahr 2017

Die Rettungswache der Johanniter-Unfall-Hilfe in Berenbostel ist eine der am häufigsten alarmierten in der Region Hannover. Etwa 11.000 Einsätze hat die Leitstelle in Hannover an das Team um Wachenleiter Olav Grote weitergegeben. Dieses Team setzt sich aus Notfallsanitätern, Rettungsassistenten und Rettungssanitätern zusammen. „Dazu kommen noch fünf bis sechs Auszubildende“, sagt Grote. Im Einsatz werden sie je nach Schwere der Verletzung des Patienten von einem Notarzt begleitet.

Mit zwei ihrer Rettungswagen sind die Sanitäter rund um die Uhr unterwegs – also jeweils in 24-Stunden-Schichten. Ein weiterer steht von 7 bis 19 Uhr für akute Notfälle bereit. Mit einem weiteren Fahrzeug werden Krankentransporte erledigt, die etwa zum Arzt oder vom Krankenhaus zurück nach Hause führen.

Die Johanniter betreiben die Wache in Berenbostel seit dem 1. Januar 2007, sie gehören zum Ortsverband Wunstorf-Steinhuder Meer. Zuvor war das Deutsche Rote Kreuz für den Rettungsdienst in Garbsen zuständig. Zum 1. Januar 2019 wird darüber entschieden, ob die Johanniter ihre Aufgabe fortführen dürfen. „Wir werden uns auf jeden Fall bewerben“, kündigt Grote an. 

Von Gerko Naumann

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