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Nachrichten Landwirt rettet verletzten Storch mit Hundefutter
Umland Garbsen Nachrichten Landwirt rettet verletzten Storch mit Hundefutter
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00:22 19.03.2018
Landwirt Marco Sacher hat Storch Karl im Winter gefüttert.  Quelle: Gerko Naumann
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Osterwald/Meyenfeld

 Wie geht es dem verletzten Storch aus Meyenfeld? Diese Frage hat in den vergangenen Wochen viele Garbsener bewegt. Die Antwort lautet: Karl, so haben Anwohner und Naturschützer den beliebten Vogel getauft, hat immer noch Schwierigkeiten mit einem Flügel. Aber er hat den Winter in Garbsen gut überstanden. Daran hat Marco Sacher aus Osterwald einen großen Anteil.

Mit dem Landwirt und dessen Tieren hat sich Karl in den vergangenen Wochen immer besser angefreundet. Alles begann kurz vor Weihnachten, als der verletzte Vogel erstmals auf einer Wiese neben dem Sacher-Hof landete. „Am Anfang hat er sich vor meinen großen Hütehunden erschreckt und ist sogar vor den Hühnern und Enten auf Abstand gegangen“, erinnert sich Sacher. Doch das hat sich geändert, seit sich Karl beim Futter seiner neuen Nachbarn bedienen darf.

Storch holt sich seine Portion Hundefutter

„Vor allem das Hundefutter frisst er gern. Mittlerweile lässt er mich sogar auf zwei bis drei Meter an sich heran“, berichtet Sacher. Und so verbringt der verletzte Storch jeden Tag in Osterwald und holt sich seine Portion der Verpflegung ab. Abends kehrt er dann ins Nachbardorf Meyenfeld zurück. Dort hat er es sich auch schon im kürzlich aufgestellten Nest an der Schützenstraße gemütlich gemacht und wartet auf „Karla“ – seine Partnerin.

Karl ist die Attraktion in Osterwald

Die Anwesenheit Karls hat auf dem Hof in Osterwald eine Art Storchen-Tourismus ausgelöst. „Ständig halten Autofahrer an und wollen ihn sehen“, sagt Landwirt Sacher. Das ungebrochene Interesse an Karls Schicksal kennt auch Waldemar Wachtel. Seit Monaten erhält der Vorsitzende des Naturschutzbundes in Garbsen täglich mehrere Anrufe von Anwohnern, die sich nach dem Zustand des Vogels erkundigen. Dabei sei die Sorge unbegründet. „Das zusätzliche Futter von Herrn Sacher hat dazu beigetragen, dass Karl den Winter gut überstanden hat“, sagt Wachtel. Der Storch habe sich lediglich gegen die eine oder andere Krähe behaupten müssen, die ihm seine Portion streitig machen wollte.

Nabu warnt: Jagen ist sinnlos

In einem Fall hätten Bürger sogar einen Jäger alarmiert, der das Tier einfangen sollte. Aus Sicht der Tierschützer ein unnötiges und sinnloses Unterfangen: „Ich konnte den Jäger zum Glück davon abbringen“, sagt Wachtel. Denn: Wären Menschen dem Storch zu nahe gekommen, hätte die Gefahr bestanden, dass er in Panik geraten wäre. Im schlimmsten Fall wäre er losgeflogen und auf der nahen Bundesstraße 6 gelandet. „Das hätte er vermutlich nicht überlebt“, so Wachtel. Es sei viel sinnvoller, dass Landwirt Sacher ihn weiterhin füttert und somit Stress für den Vogel vermeidet.

Für Sacher ist das Ehrensache. Ein hungriges Tier mehr oder weniger zu versorgen sei kein Problem, zumal der Storch so gut wie alles frisst. „Neulich habe ich ihm sogar ein Lachsbrötchen hingeworfen.“

Die Störche sind zurück in den Nestern

In Garbsen sind wieder Störche zu sehen – und das früher, als in den vergangenen Jahren. In Stelingen und Schloß Ricklingen sind die Vögel bereits vergangene Woche in den Nestern gelandet, in Frielingen sogar schon Ende Februar. Bei den Ankömmlingen handelt es sich um Frühzieher, die in Nordwestafrika oder Südwesteuropa überwintert haben, sagt Wolfgang Ebert, der sich um das Storchennest in Frielingen kümmert.  

In allen Ortsteilen hoffen die Tierfreunde auf Nachwuchs. Besonders das Frielinger Storchenpärchen zeigt sich auf dem Weg dahin sehr aktiv. Ebert vertraut bei den beiden auf einen alten Merksatz: „Am 1. Mai das erste Ei.“ Im Mai wäre die Brutzeit für die Jungvögel am ungefährlichsten, denn die noch zu erwartende Kälte könnte problematisch werden.

Für den Einzug der Störche wurden vorher von den menschlichen „Nesthütern“ Vorkehrungen getroffen. Sie entfernten alte Lehmklumpen und Pferdeäpfel aus den Nestern. Der feucht-kalten Staunässe, die bei den Jungvögeln eine Lungenentzündung verursachen könnte, wirken die Zuständigen mit Auspolsterungen entgegen, berichtete Ebert. Nur einige Tage nachdem in Frielingen die Vorkehrungen getroffen wurden, zog das Storchenpärchen in das Nest ein. acw

Von Gerko Naumann

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