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Nachrichten Lebenshilfe Seelze kocht täglich 1600 Mahlzeiten
Umland Garbsen Nachrichten Lebenshilfe Seelze kocht täglich 1600 Mahlzeiten
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00:41 20.04.2018
Der tägliche Trubel: 52 Mitarbeiter – vom Auszubildenden über Koch und Bürokraft bis zum Fahrer – sind in der mehr als 400 Quadratmeter großen Küche beschäftigt. Quelle: Linda Tonn
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Seelze

 Mit zwölf schwarzen Knöpfen beginnt der Tag in der Zentralküche in Werk Vier der Lebenshilfe Seelze. Sie werden extra in die frisch gewasche Kochjacke eingesetzt – sechs auf der linken Seite, sechs in der rechten. „Jeder, der hier arbeitet, muss das so tragen“, sagt Dirk Kahre. Einer seiner Knöpfe ist silber und „Chef“ ist darauf zu lesen. Denn Kahre hat auf den knapp 400 Quadratmetern inmitten von riesigen Kochtöpfen, überdimensionalen Schneebesen und meterhohen Backöfen das Sagen. Seine Aufgabe ist es, täglich bis zu 1600 Menschen satt zu machen – und dafür ist er früh auf den Beinen. Um 6 Uhr hat er sein Tagwerk begonnen, Listen geschrieben, telefoniert, geplant. Bereits in vier Stunden werden die ersten Lieferwagen vorfahren und die Mahlzeiten für Kindertagesstätten, Schulen und Firmen einzuladen. Bis nach Wunstorf und Barsinghausen schwärmen die Fahrer aus. Die Zeit ist knapp.

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Aufpassen, dass nichts anbrennt: Ole Marhencke rührt in der Kartoffelsuppe.

Extra-Gerichte für Allergiker

Es ist Dienstag und Dienstag ist „Eintopftag“. Kartoffel-Kürbissuppe mit Würstchen, Tomatensuppe, Erdbeerquark, ein gemischter Salat, frischgebackene Croissants und Gemüsebällchen stehen im Menü. Bei einem schnellen Kaffee verteilen die Köche in der morgendlichen Runde die Aufgaben. Es ist 7.45 Uhr. Ole Marhencke muss an diesem Tag besonders wachsam sein. In seiner Kochecke werden die Mahlzeiten für Allergiker und Kunden mit besonderen Wünsche zubereitet – eine Tomatensuppe ohne Sahne,  Puten- statt Rindswürstchen. Nebenan köchelt bereits die Kartoffelsuppe in einem knapp 300 Liter fassenden Kessel. Beim Umrühren ist viel Kraft gefragt.

Nichts wird in der 2017 eingerichteten Küche dem Zufall überlassen: Auf der Anrichte reihen sich zerkleinerte Kürbisstücke und Lauchstreifen aneinander, die Gewürze sind perfekt abgemessen, die Transportboxen säuberlich gestapelt. Regelmäßig taucht Marhencke ein Thermometer in die blubbernde Suppe, um die Temperatur zu überprüfen: „Alles, was außer Haus gefahren wird, muss mindestens 75 Grad haben“, erklärt er. „Die Gerichte, die im Speisesaal der Lebenshilfe auf dem Teller landen, haben etwa 65 Grad.“

52 Mitarbeiter in der Küche

Je näher sich die Uhr auf halb zehn zu bewegt, desto wuseliger wird es: Croissants wandern auf großen Backblechen in die Öfen und gebräunt wieder heraus, lange Würstchenketten werden mit dem Messer getrennt und Gemüsebällchen zubereitet. Routiniert schichtet Christian Weick Tomaten, Gurken, Paprika und grünen Salat aufeinander, wiegt die Mischung ab und übergibt sie an Oliver, der ihm als Hilfe zugeteilt ist.  52 Mitarbeiter zählt das Küchenteam – vom Auszubildenden über den Koch bis zum Fahrer. 35 von ihnen haben eine Behinderung. „Wir setzen sie entsprechend ihrer Fähigkeiten ein“, sagt Kahre, der inmitten des Trubels den Überblick behalten muss. Immer wieder klingelt das Telefon in seiner Brusttasche. Bis um kurz nach 9 Uhr können die Kunden ihre  Bestellungen ändern. 

Im Torhaus Holtensen gibt es Biokost

Neben der Versorgung von Kitas, Schulen und Firmen kochen die Mitarbeiter der Lebenshilfe Seelze auch für das inklusive Café LebensArt und die Seminarräume im Torhaus in Holtensen. „Dafür verwenden wir ausschließlich Bioprodukte“, sagt Chefkoch Dirk Kahre. An diesem Tag stehen neben den knapp 1600 Mahlzeiten zusätzlich 30 Portionen von Hähnchenbrust, Reis und Gemüse im Menü. „Auch Torten und Kuchen für das Café entstehen hier in der Küche in Seelze“, sagt Kahre. Die Lebenshilfe Seelze hat die rund 13.000 Quadratmeter große Hofanlage bei Barsinghausen in den Neunzigerjahren übernommen. Wohnhaus, Stallungen und Scheunen wurden ab 2003 saniert und umgebaut. Heute haben 24 Menschen mit Behinderung auf dem Hof ihr Zuhause. Darüber hinaus hat die Lebenshilfe Seelze rund 70 Arbeitsplätze eingerichtet. 2016 wurde das Torhaus saniert, in dem die Lebenshilfe Seelze ein Café, einen Hofladen und eine Handwerkstatt betreibt sowie Räume für Seminare und Workshops vermietet. ton

Dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten, lässt sich an Details erkennen: Große Schilder mit Bildern und Schrift weisen den Weg zu Lagerräumen, Gewürzregal und Plastikmüll. Manche der Anweisungen müssen die Köche mehrfach und besonders deutlich formulieren. An Ulrike Bähre kommt kein Gericht vorbei. In der sogenannten Thermen-Ecke sortiert sie gemeinsam mit zwei Mitarbeitern alles in orangefarbene Warmhaltetruhen ein. Jeder Kunde hat seine eigene Box. „Kita 1, bitte“, schallt es durch die Küche. Chefkoch Kahre zählt die Würstchen ab, eine große Portion Kartoffelsuppe wird abgefüllt und Schälchen mit Erdbeerquark werden angereicht. „Viele Kripppen und Kindergärten essen schon gegen 11 Uhr“, sagt Kahre. Deshalb sei der Zeitplan so eng. Um 10.15 Uhr rollt der erste Lieferwagen vom Hof. In der Küche wird aufgeatmet – die erste Fuhre ist geschafft.

Von Linda Tonn

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