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Ladenschluss im Musikstudio Garbsen

Garbsen Ladenschluss im Musikstudio Garbsen

Das Musikstudio Garbsen gibt auf – zumindest den Instrumentenverkauf. Zu Ende Oktober löst Wolfgang Gahbler das Geschäft an der Alten Ricklinger Straße auf. Am Montag, 25. September, beginnt der Räumungsverkauf.

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Im Keller unterm Laden repariert Wolfgang Gahbler Schätzchen wie diese alte Drehorgel, Jukeboxen, Röhrenradios, Instrumente und Verstärkertechnik.

Quelle: Markus Holz

Altgarbsen. Was bringt das noch, 67 Jahre am Platz zu sein, sich einen guten Ruf erarbeitet zu haben und fast rund um die Uhr erreichbar zu sein für instrumentale Notfälle? Fast nichts bringt das, wenn Kunden ihre Instrumente im Internet bestellen.

"Vor zehn Jahren haben sich hier viele noch beraten lassen und mit dem Handy in der Hand Preise verglichen. Heute kommen sie gar nicht mehr. Ich habe gar keine Chance, sie anzusprechen und zu beraten", sagt Gahbler. Das Malheur sieht Gahbler, wenn Kunden ihre Geiz-ist-geil-Instrumente zum Reparieren bringen. "Dabei haben wir uns immer an den Internetpreisen orientiert", sagt er.

Gahblers Vater hat das Geschäft 1950 mit der Reparatur von Handzuginstrumenten aufgebaut – Akkordeon, Bandoneon, Konzertina waren des Vaters Spezialgebiet. Die Mutter klapperte die Akkordeon-Orchester und Alleinunterhalter in der Region ab und brachte die kranken Kandidaten per Moped in die Werkstatt und zurück. "Damals war Akkordeon das Unterhaltungsinstrument schlechthin. Die beiden hatten gut zu tun", sagt Gahbler.

Ende der Sechzigerjahre öffnete die Familie einen Miniladen. Sohn Wolfgang – durch und durch Autodidakt –  baute 1980 an und das Geschäft aus: Schlagzeuge, Orgeln, Gitarren, Blasinstrumente, E-Pianos, Verstärkeranlagen. Seine damalige Partnerin Anke Wenzig hielt ihm in Büro und Laden den Rücken frei. Heute tut das Erika Thake. Das gibt Gahbler den Freiraum, selbst Mukke zu machen am E-Piano, Kunden zu besuchen, zu reparieren und zu tüfteln.

Das musikalische Vollsortiment gehört seit Ende der Neunzigerjahre der Vergangenheit an. Schlagzeug, Orgel und Flöte brachten keine Nachfrage mehr. Geblieben sind Gitarren, Percussion und die E-Pianos. Ein Geschäft, sagt er, sei heute aber auch damit nicht mehr zu machen. So klinge die Melodie bei vielen Kollegen im Facheinzelhandel. "Wenn Amazon, Otto und andere richtig loslegen, werden nur noch ein paar große Händler bleiben", meint Gahbler.

Gahbler geht ohne Wehmut. Er und Thake haben die Entscheidung vor einem Jahr getroffen und begonnen, Nachmieter zu suchen. Der Handel werde sich weiter verändern. Er sei froh, jetzt aussteigen zu können. "Ich kann jetzt wieder das machen, was mir mehr Spaß macht, als im Laden zu stehen und auf Kunden zu warten." Er vermietet die Ladenfläche ab November an einen Küchenbauer und behält seinen Keller. Denn Reparaturen an Instrumenten und Elektronik macht er weiter, auch den Garantieaußendienst für einige E-Piano-Hersteller, die Konzeptionierung von Akustikanlagen, den Verleih von Mischpulten und Boxen sowie die technische Betreuung der Big Band Berenbostel. Gahbler war außerdem viele Male Gastgeber für den Jazzclub und dessen Reihe "Das kleine Jazzkonzert". Das wird er vermutlich fortsetzen, wenn sich die Wogen der Geschäftsaufgabe und des Umräumens geglättet haben.

Und weil Wolfgang Gahbler ein technisch versierter Tüftler ist, wird er sich nach Ladenschluss auch um sein eigenes Produkt besser kümmern können. Er hat die Mobi-Mix erfunden, ein kleiner Sperrholzkoffer mit Mischpult, Mikrofon, CD-Player, Anschlüssen, dazu eine Boxen, und alles unabhängig von Steckdosen. Die mobile Beschallungsanlage hat er konzipiert. Einzelteile kommen aus Sarstedt, Sachsen und München. Die Platine ist sein Geheimnis und ein festes Standbein im demnächst ladenlosen Leben des Wolfgang Gahbler.

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Fotostrecke Garbsen: Ladenschluss im Musikstudio Garbsen

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