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Umland Garbsen Nachrichten So kann Integration in Garbsen gelingen
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00:22 26.03.2018
"Ziemlich beste Freunde": So kann Integration in Garbsen gelingen. Quelle: Collage HAZ
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Horst

 Gelungene Integration wird am Küchentisch von Lisbeth Fischer sichtbar. Seit Januar 2016 bekommt die 81-jährige Horsterin regelmäßig Besuch von dem Syrer Mohammed. Die beiden gehen zusammen einkaufen, unternehmen Spaziergänge und kochen gern gemeinsam – Humus, Tambuleh oder deutsche Rouladen. Fischer hilft dem Flüchtling durch den Formular-Dschungel, Mohammed hilft der Seniorin im Alltag, denn sie ist seit Kurzem auf einen Rollator angewiesen.

Serie: Integration in Garbsen

9000 Menschen in Garbsen sind Zuwanderer. Sie kommen aus 100 Nationen. Einige sind während der Flüchtlingskrise 2014 in Garbsen gelandet, andere leben schon länger hier. Sind diese Menschen angekommen? Was lässt Integration gelingen? Diesen Fragen gehen wir in unserer Serie „Integration in Garbsen“ nach. Wir treffen Ehrenamtliche, Flüchtlinge, Vertreter aus Stadt und Politik und sprechen mit ihnen über Vielfalt, Teilhabe, Chancen und Herausforderungen. Teil 3: Die Flüchtlinge.

Während die Stadt mit einem Masterplan die Integration der Zugezogenen voranbringen will und konkrete Handlungsanweisungen auflistet, ist sie an vielen Orten in Garbsen bereits fortgeschritten. Wie selbstverständlich finden Flüchtlinge und Garbsener zusammen und zeigen, wie das Zusammenleben beide Seiten bereichern kann.

Zwei Menschen mit Fluchtgeschichte

Mohammed traf vor knapp zwei Jahren auf Rebekka Hinze, die Koordinatorin des evangelischen Flüchtlingsnetzwerkes Hannover, Garbsen und Seelze. „Ich möchte gern etwas zurückgeben, möchte älteren Menschen helfen“, sagte er zu Hinze. „Am liebsten jemandem, der Englisch spricht.“ Hinze kannte die Horsterin Lisbeth Fischer, Integrationslotsin und 81 Jahre alt. Sie hatte schon mehrfach Flüchtlinge begleitet und erschien wie die perfekte Wahl. Die Seniorin spricht Englisch und sie hat selbst eine Fluchtgeschichte: Sie kam im zweiten Weltkrieg aus Niederschlesien nach Garbsen. „Wir verständigen uns auf Englisch, auf Deutsch, manchmal hilft der Google-Übersetzer“, sagt Fischer während sie zusammen mit Mohammed am Kaffeetisch sitzt.

„Diese Begegnung ist ein Schatz“, sagt Fischer. „Wir sind ziemlich beste Freunde, sprechen über Politik, Religion, unsere Familien.“ Mohammed bezeichnet die Seniorin sogar als seine „zweite Mutter.“ Mohammed ist für zwei Jahre anerkannt, genießt aktuell subsidiären Schutz. Er denkt in kleinen Schritten: an eine eigene Wohnung, ein Praktikum, den nächsten Sprachkurs. Und an sein großes Ziel – seine Familie nach Deutschland zu holen. 

„TTA ist für mich wie eine Familie“

Hassan Moheb Aldin hat sein erstes großes Ziel bereits erreicht. Der 25-Jährige aus dem syrischen Homs ist seit Kurzem als Kriegsflüchtling anerkannt, nach einer fast vierjährigen Odyssee durch Europa – von Griechenland bis Dänemark. Moheb Aldin lebt seit Februar 2017 in Garbsen, er wohnt in der Gemeinschaftsunterkunft in Frielingen. Dort hat ihn Holger Leister, Leiter des Kinder- und Jugendvarietés Träumer, Tänzer und Artisten (TTA), mit der Liebe zu Akrobatik und Jonglage angesteckt. TTA ist seit Anfang 2017 regelmäßig zu Gast in der Unterkunft – mitsamt Zirkuskiste und den jugendlichen Akrobaten. Zwölf der Flüchtlinge treten mittlerweile mit TTA auf.  

„Hassan ist im Zirkus angekommen“, sagt Leister. Er habe großes Talent und sei ein großartiger Artist: „Durch die neuen Teilnehmer ist die Gruppe bunter geworden.“ Die Akrobatikgruppe sei mehr eine Familie als ein Verein für ihn, sagt Hassan. Leister sei für Hassan ein echter Freund geworden, sagt Yasmin Linicus, Sozialpädagogin bei European Homecare, dem Betreiber der Garbsener Gemeinschaftsunterkünfte. „Der Verein ersetzt die Familienstrukturen, die für das Gelingen der Integration so wichtig sind.“

Holger Leister (rechts) hat Hassan Moheb Aldin mit seiner Leidenschaft für Jonglage angesteckt. Quelle: Jutta Grätz

Syrer will studieren

Der Syrer hat schon den nächsten Schritt im Blick: Er hatte in seiner Heimat ein Bauingenieurstudium begonnen und hofft auf einen Platz an der Leibniz Universität in Hannover. Seit Anfang März absolviert er an der Hochschule Hannover das Programm intostudy zur Studienvorbereitung und büffelt fleißig – Informatik, Mathe und BWL.

Unterkunft soll WLAN bekommen

Zwei Dinge fehlen Hassan Moheb Aldin, um wirklich  in Garbsen ankommen zu können: Internet und eine Wohnung. Bislang gibt es in der Flüchtlingsunterkunft in der Otternhägener Straße kein WLAN. Gerne würde Moheb Aldin regelmäßiger Kontakt zu seiner Familie in Syrien halten, mit ihnen telefonieren, ihnen schreiben. Doch ohne eine stabile Verbindung geht das nicht. „Ich brauche das Internet auch zum Deutsch lernen, zum Studieren und um nach Wohnungen zu suchen“, sagt der 25-Jährige. Bislang liege es im Ermessen des Betreibers, für WLAN zu sorgen, heißt es von der Stadt auf Anfrage. „Wir sind derzeit im Gespräch mit European Homecare, um für die Bewohner eine Internetlösung zu finden.“

Ziel sei es, eine Art Gutscheinsystem einzurichten. Die Bewohner der Unterkunft könnten dann einen sogenannten Voucher kaufen und hätten eine bestimmte Menge an Datenvolumen. Dieses Konzept ist aber nur für die Unterkunft an der Otternhägener Straße in Frielingen angedacht. Diese möchte Moheb Aldin möglichst bald verlassen – er wünscht sich mehr Privatsphäre.  Mit der Hilfe von Holger Leister sucht er nach einer Wohnung in Garbsen. Doch das ist schwieriger als gedacht. „Manche Vermieter legen schon auf, wenn sie nur das Wort Flüchtling hören“, sagt Leister. ton

Von Jutta Grätz und Linda Tonn

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