Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Die neue Willehadi-Kirche wird geweiht
Umland Garbsen Nachrichten Die neue Willehadi-Kirche wird geweiht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 26.02.2017
Die Christusfigur stammt aus der abgebrannten Kirche - sie ist das Symbol für den Neuanfang. Quelle: Gerko Naumann
Auf der Horst

So richtig kann es Pastorin Renate Muckelberg noch nicht fassen. Beim Blick in den neuen Kirchenraum versagt ihr vor Rührung sogar kurz die Stimme. Nicht aus Trauer und Verzweiflung, wie damals, in der schlimmen Brandnacht am 30. Juli 2013. Dieses Mal sind es positive Gefühle, die die Pastorin tief bewegen. "Ich bin einfach überwältigt davon, was hier passiert ist. In den vergangenen 14 Tagen ist aus einem neuen Gebäude wieder eine Kirche geworden", sagt sie.

Davon kann sich die Gemeinde am Sonnabend, 25. Februar, ein Bild machen. In einem Gottesdienst wird Landesbischof Ralf Meister die neue Kirche "dem Dienste Gottes weihen", kündigt Muckelberg an. Wenn Meister dann am Altar steht, wird hinter ihm die Christusfigur aus Bronze zu sehen sein. Sie stammt aus der abgebrannten Kirche und ist das vielleicht stärkste von vielen Symbolen für Schmerz, Kampfgeist und Gottesvertrauen der Gemeinde. Nahezu unbeschädigt und mit einem schweren verkohlten Dachbalken auf der Schulter wurde sie aus dem früheren Gotteshaus gerettet. Nun hängt der Christus im Zentrum der neuen Kirche vor einer Wand aus Steinen, die den Brand ebenfalls überstanden haben.

Steine zeigen Dank an Spender

Steine spielen auch in einem anderen Zusammenhang eine wichtige Rolle, betont Muckelberg. An einer Wand in der neuen Kirche ragen sie hervor, um an die vielen Menschen zu erinnern, die nach dem Feuer ihre Solidarität zur Willehadi-Gemeinde gezeigt haben. So kamen allein bei der Aktion "Steine für Willehadi" der Leine-Zeitung rund 13.000 Euro zusammen. Insgesamt beteiligten sich Spender mit mehr als 80.000 Euro. Darunter waren auch viele Mitglieder der muslimischen Gemeinden aus dem Stadtteil, berichtet Muckelberg. So verkaufte eine Gruppe von Frauen aus einer Moschee selbst gemachte Speisen und brachten so mehr als 1000 Euro zusammen. "Diese beeindruckende Solidarität hat uns gezeigt, dass wir nicht von Gott und der Welt verlassen waren", sagt die Pastorin.

Bei dem Gottesdienst wird auch Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann in der Kirche sein. Er hatte schon am Morgen nach dem Brand versichert, dass die evangelische Landeskirche den Standort im Stadtteil Auf der Horst erhalten will. Auch für ihn und die anderen Kirchenvertreter sei der Termin am Sonnabend ein ganz besonderer. "Wir leben in einer Zeit, in der nicht ständig neue Kirche gebaut werden", sagt er.

Der schönste Auftrag des Architekten 

Dementsprechend war es auch für den Architekten Gerd Lauterbach der erste Auftrag, bei dem er eine Kirche entwerfen sollte. "In meiner langen beruflichen Laufbahn war das das angenehmste Objekt", sagt er rückblickend. Von Beginn an habe er in Absprache mit dem Kirchenvorstand Wert darauf gelegt, das alte Gebäude nicht "auszuradieren", sondern möglichst viele Teile in den Neubau einzubinden. So sind aus dem Fenster Reste der alten Mauern zu sehen. "Sie sollen künftige Generationen zu Fragen anregen, was hier geschehen ist", sagt der Architekt.

Der Außenbereich - Garten der Erinnerung genannt -  ist noch eine Baustelle. Spätestens zu Ostern sollen die Gemeindemitglieder aber auch im Freien wohlfühlen. Im Schatten einiger Bäume könnten Bänke aufgestellt werden, "um einen gemütlichen Biergartencharakter zu erzeugen", sagt Lauterbach.

Budget um 5 Prozent überschritten

Ein paar weitere Baustellen werden den Kirchenvorstand noch über die nächsten Jahre begleiten, meint Günter Seeber vom Kirchenvorstand. So erklingt die Musik derzeit noch von einer kleinen Orgel, die nur als Übergangslösung gedacht ist. Ihr deutlich größerer Nachfolger wird erst im Herbst 2018 aufgestellt. Mit den Kosten dafür hat die Gemeinde die drei Millionen Euro, die die Versicherung nach dem Feuer bezahlt hat, komplett aufgebraucht. "Wir haben das Budget um fünf Prozent überschritten", räumt Seeber ein. Die etwa 150.000 Euro zusätzlich seien aber aus Spenden und Rücklagen der Gemeinde gedeckt.

Brandstifter wird nie gefasst

Das Feuer in der Willehadi-Kirche in der Nacht des 30. Juli 2013 war der Höhepunkt einer Serie von Brandstiftungen. Es löst den größten Feuerwehreinsatz seit Jahren in Garbsen aus – trotzdem können die Helfer nur die Grundmauern retten. Bis heute ist eine Belohnung von 15 000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zu den Tätern führen. In den folgenden Tagen erlebt die Gemeinde eine ungeahnte Welle der Solidarität aus allen Richtungen. "Diese Anteilnahme hat uns bis heute getragen", sagt Pastorin Renate Muckelberg.

Bereits wenige Tage nach dem Brand beschließen die Gemeinde und die Landeskirche, dass ein Wiederaufbau unwirtschaftlich ist – und beginnen mit den Planungen für einen Neubau. Im Juni 2015 wurde der Baubeginn mit dem symbolischen ersten Spatenstich eingeleitet. Im September 2015 folgte die Grundsteinlegung. Das Richtfest feierten die Gemeindemitglieder im April 2016. Am Sonnabend steht mit der Weihe der nächste entscheidende Schritt in der Willehadi-Kirche an.

Beim ersten Gottesdienst wird es eng

Am Sonnabend wird die neue Willehadi-Kirche voll. Davon ist Pastorin Renate Muckelberg überzeugt. Weil es nur 175 Sitzplätze gibt, kündigt sie vorsichtshalber an, dass beim Einweihungsgottesdienst ab 10 Uhr "vermutlich einige stehen müssen". Wer an diesem Termin nicht kann, bekommt in den nächsten Wochen noch viele Gelegenheiten, die neue Kirche von Innen zu betrachten. Am Sonntag, 5. März, beginnt um 11 Uhr eine dreistündige „Offene Tür für alle". Architekt Gerd Lauterbach erklärt Interessierten, was er sich bei seinen Plänen gedacht hat. Außerdem ist das Gebäude vom 28. Februar bis zum 3. März von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

So sieht die neue Willehadi-Kirche aus.

Von Gerko Naumann

Vor einem Jahr bekamen die Jungen und Mädchen des Kindergartens in der Böckeriehte die traurige Nachricht: Sie durften nicht mehr im Freien auf der Kletterburg spielen. Die heißgeliebte Holzkonstruktion war zu altersschwach. Danke spendabler Eltern, Firmen und Förderer wurde am Mittwoch Ersatz übergeben.

25.02.2017

Die SPD schlägt vor, zur Winter- und Weihnachtszeit auf dem Rathausplatz ein Eislaufzelt aufzustellen, wie in anderen Städten schon realisiert, und parallel dazu einen Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte zu etablieren.

22.02.2017

Vier Orte - 10.000 Einwohner - ein Ortsbürgermeister: Vor drei Monaten ist Peter Hahne (46, CDU) zum Chef des Ortsrates Horst gewählt worden, der auch für Frielingen, Meyenfeld und Schloß Ricklingen zuständig ist. Bei einem Spaziergang berichtet er über seine ehrgeizigen Ziele für die nächsten Jahre.

25.02.2017