Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Baumschutz: Garbsen setzt neue Brücken

Garbsen Baumschutz: Garbsen setzt neue Brücken

An der Philipp-Reis-Straße in Berenbostel hat die Stadt Wurzelbrücken in den rissigen Radweg setzen lassen. Das Verfahren ist probat, wo große Bäume stehen, die in wenigen Jahren wieder Schäden verursachen würden. Jede Brücke kostet 6.500 Euro, spart am Ende aber Geld, weil sie unzerstörbar ist.

Voriger Artikel
Flohmärkte am Sonntag stehen vor dem Aus
Nächster Artikel
Grüne und Nabu wollen die Kiebitze retten

Radweg an der Straße im Rehwinkel, Ecke Graham-Bell-Weg: Baumwurzeln haben den Asphalt hochgedrückt. An dieser Stelle wird eine Wurzelbrücke aus Beton gesetzt.

Quelle: Markus Holz

Berenbostel. Keine Frage: Bäume sind schön, ökologisch wichtig, fürs Auge im Herbst sind sie eine Zier. Aber für eine Stadt wie Garbsen mit mehr als 100 Kilometern Rad- und Fußweg sind sie auch ein Kostenfaktor. Hohe Bäume mit ausladenden Wurzeln haben die ganz natürliche Angewohnheit, ein Wurzelwerk zu bilden, das mindestens so groß wird wie die Krone. Solche Wurzel sprengen Geh- und Radwege. Wer den Weg zum Beispiel entlang der Havelser Straße in Garbsen-Mitte benutzt, kennt das. Die Stadt Garbsen hat für sich eine probate Reparaturmöglichkeit gefunden: Wurzelbrücken.

Frische Luft für alte Wurzeln  

Vier solcher Brücken sind gerade an der Philipp-Reis-Straße gesetzt worden, eine fünfte folgt in der nächsten Woche am Rehwinkel, Ecke Graham-Bell-Weg. Die Brücken bestehen aus massiven Deckplatten aus Beton. Diese Platten haben Luft- und Wasserlöcher. Sie ruhen auf etwas weniger massiven Stützen. Tiefbauer entfernen über der Radweg brechenden Wurzel den Asphalt. Das Erdreich über der Wurzel wird entfernt und durch ein Mineralsubstrat ersetzt. Es gibt der Wurzel wieder Luft, signalisiert ihr aber auch, sich doch bitte nach unten zu orientieren, statt in die Höhe. Über diesen Bereich wird die Betonplatte gelegt, und zwar so, dass sie zehn bis 20 Zentimeter höher liegt, als vorher der Radweg. Der Niveauunterschied wird mit Asphalt aufgefüllt, sodass eine leichte Rampe entsteht. An der Philipp-Reis-Straße hat die Stadt den löcherigen Radweg gleich auf 550 Metern Länge abfräsen und neu asphaltieren lassen. Der Radweg ist wieder frei. 

Wird das jetzt die gängige Praxis?

Nein, sagt Stadtsprecher Benjamin Irvin. "Das entscheiden wir nach Art des Baumes und der Umgebung." Das hat unter anderem Kostengründe: Eine Brücke kostet  - je nach Länge - rund 6500 Euro. Die Sanierung des Radweges an der Philipp-Reis-Straße kostet rund 100.000 Euro. Ohne die fünf Brücken wären es 67.500 Euro gewesen. Unterm Strich erscheint die brückenlose Variante billiger. Weil der Baum am Radweg mit Brücke aber nie wieder Schäden anrichten kann, kann sich die Investition langfristig lohnen. 2016 hatte sich die Stadt entschieden, die Technik erstmals an der Walter-Koch-Straße einzusetzen. Für nächstes Jahr steht der Weg entlang der Havelser Straße auf der Liste. Ob saniert wird, hängt vom Haushalt 2018 ab. "Brücken werden nicht der Standard", sagt Irvin, "aber wir setzen sie dort ein, wo es möglich ist, wo es den Baumbestand schützt und neue Schäden verhindert."

Wie war das früher?

Vor "Erfindung" der Brückentechnik hat die Stadt Fuß- und Radwege über den Wurzeln aufreißen und die Wurzeln kappen lassen. Daran sind manche Bäume eingegangen. Andere haben ihre Standfestigkeit verloren oder bildeten wenige Jahre später neue Wurzeln mit den bekannten Folgen. Besonders Robinien bereiten der Stadt und Anliegern Kopfzerbrechen, weil ihre Wurzeln fast alles "knacken" und sehr lang werden. Die Stadt will Straßenbäume künftig nach ihrer Höhe und der Größe der Krone auswählen. Denn je größer die Krone, desto mächtiger die Wurzeln - fast egal, um welche Baumart es sich handelt. An Straßen und Plätzen dürften darum eher mittelgroße Sorten in die Erde kommen.

Wie viele Radwege sind kaputt?

Die Stadt kann derzeit nicht beziffern, wie viele Meter Rad- und Fußweg von Wurzeln beschädigt sind. Sie hat aber zusammen mit den ADFC ein Radweg-Kataster angelegt und weiß, wo es besonders viele Schäden gibt. ADFC-Mitglieder fahren jedes Jahr ehrenamtlich jeden Meter Radweg in Garbsen ab, notieren sich Beschilderung und Zustand und geben die Beobachtung an die Stadt weiter. Darum weiß die Stadt zum Beispiel, dass der Radweg entlang der Gutenbergstraße im Anschluss an die Philipp-Reis-Straße in schlechtem Zustand ist. "Das bedauern wir", sagt Stadtsprecher Benjamin Irvin, "aber es ist eine Landesstraße, die Stadt ist nicht zuständig. Wir wünschen uns sehr, dass der Weg dort saniert wird."

Wer die Stadt auf einen Schaden aufmerksam machen möchte, findet im Internet auf www.garbsen.de übrigens ein Mängelformular zum Ausdrucken, Ausfüllen und Einwerfen. Der Weg zum Formular führt über die Suchfunktion, Stichwort Mängelformular. 

doc6x70nylsarad7sec4bq

Fotostrecke Garbsen: Baumschutz: Garbsen setzt neue Brücken

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr