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Umland Garbsen Nachrichten Viele Tonnen stehen falsch
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00:24 18.05.2014
Von Sven Sokoll
Gisela Wichers hat am Saturnring eine Mülltonne vor der Tür stehen, die sie nicht haben will. So wie ihr geht es offenbar vielen Garbsenern. Quelle: Sven Sokoll
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Garbsen

Es sind 26 Fälle, in denen es vor allem um ungewünscht gelieferte Tonnen geht und verzweifelte Versuche, auf wiederholte Beschwerden irgendeine Reaktion zu erhalten. So stehen vielerorts in der Stadt auch rund zwei Monate nach der Auslieferung noch zahlreiche Tonnen, die eigentlich keiner haben wollte.

Für aha steht dahinter vor allem die Frage, ob der Kunde seinen Wunsch richtig zum Ausdruck gebracht hat: „Nicht alle Kunden haben den Erhebungsbogen zurückgesandt und dann automatisch die Restmülltonne bekommen“, sagte aha-Sprecherin Helene Herich. Wer aber glaubhaft mache, dass er wirklich den Sack bestellt hat, dessen Tonne werde wieder abgeholt. Allerdings lässt Herich zumindest durchblicken, dass sich ein Stau gebildet hat: „Es gilt, diesen Anforderungen gerecht zu werden. aha benötigt noch einige Zeit, um die Vielzahl von E-Mails zu beantworten und die Tonnen zu tauschen.“ Die Müllabfuhr sei aber schon jetzt jeden Tag dabei, Tonnen abzuholen.

Aber wie sollen die Wünsche erfüllt werden, wenn die Kunden sie gar nicht erst bei aha loswerden? Laut Herich hat der Verband seit 1. Mai schon auf die bisherigen Anrufzahlen bei seiner Hotline reagiert und Mitarbeiter vom Abend in die Schichten tagsüber verschoben. „Alles wird aufgenommen und systematisch abgearbeitet“, sichert die Sprecherin zu. Beim Umtausch der restlichen Säcke bleibt aha dabei, dass das nur noch an den Deponien und in der Zentrale an der Karl-Wiechert-Allee in Hannover geht.

Schlechte Noten für aha

Zur Systemumstellung bei der Restmüllabfuhr melden sich viele Garbsener zu Wort:

„Seit acht Wochen steht bei uns eine Tonne, die wir nicht gewollt haben. Beim Anrufen habe ich einen halben Tag in der Warteschleife verbracht. Ich habe aha daraufhin auch noch geschrieben, aber bis heute noch keine Reaktion bekommen.“

Gisela Wichers, Auf der Horst

„So etwas Ignorantes habe ich noch nie erlebt. Nachdem ich keine Reaktion bekommen habe, habe ich versucht, unsere falsch gelieferte Tonne auf dem Wertstoffhof abzuliefern, aber das ging auch nicht.“

Gundolf Winterhagen, Altgarbsen

„Ich hatte den Erklärungsbogen umgehend abgeschickt. Als ich den Gebührenbescheid und die Gutscheine für die gewünschten Restmüllsäcke erhielt, war die Sache für mich in Ordnung. Erst als Mitte März eine Tonne vor meine Tür gestellt wurde, wurde mir erklärt, dass kein Erklärungsbogen vorliegt. Auf meinen Brief vom 13. März mit der Bitte, meinen Gebührenbescheid zu überprüfen und die Tonne wieder abzuholen, habe ich bis heute noch keine Antwort erhalten.“

Elisabeth Männl, Osterwald

„Der Abholrhythmus geht gar nicht. Wir dürfen gar nicht an den Sommer denken, wenn die Sonne den ganzen Tag auf die Tonne knallt. Es stinkt - an Würmer und Maden gar nicht zu denken.“

Cornelia Murr, Osterwald

„Die Säcke werden von Tieren aufgerissen und aufgekratzt. Deshalb musste ich den Müll schon umfüllen. Manche wollen bei uns sogar schon Ratten gesehen haben.“

Elke Rothe, Meyenfeld

„Unser falscher Gebührenbescheid ist seit Januar nicht berichtigt worden - immerhin ist bis jetzt dazu aber auch noch keine Mahnung gekommen.“

Frank Mischke, Osterwald

„Zu der in unserem Fall 40-prozentigen Gebührenerhöhung hat aha noch so nebenbei in aller Stille die Gebühren für die Bioabfallsäcke um 70 Prozent erhöht.“

Horst de Buhr, Havelse

„Ich hatte schon lange herumtelefonieren müssen, um überhaupt einen Erhebungsbogen zu bekommen: Wir standen nicht im System. Die Tonne, die ich wollte, habe ich bis heute noch nicht bekommen. Und wenn sie dann kommt, muss ich durch die Weltgeschichte fahren, um die Säcke wieder abgeben zu können.“

Ursula Bonczyk, Meyenfeld

„Ich habe eine zu große Tonne bekommen, die auch abgerechnet wurde. Ich habe die falschen Unterlagen zurückgeschickt und nur Gutscheine für die Säcke behalten. Weil ich nichts überweisen kann, habe ich Angst, dass irgendwann der Gerichtsvollzieher kommt.“

Monika Lüders, Altgarbsen

„Es ist eine Sauerei, dass man jetzt so weit fahren muss, um die nicht mehr benötigten Säcke wieder abzugeben.“

Manfred Bartels, Berenbostel

„Die 40-Liter-Tonne wurde pünktlich zum 1. April geliefert, doch der Platz reicht nicht aus für die zwei gefüllten Säcke, die ich früher benötigt habe. Also ist die Tonne zu klein.“

Ingrid Schmidt, Garbsen-Mitte

Kommentar von Sven Sokoll

Kurzfristig reagieren

Natürlich melden sich vor allem die Bürger zu Wort, bei denen etwas nicht funktioniert hat. Sicherlich muss man sich deshalb einen großen Anteil von Haushalten dazudenken, bei denen die Müllsystemumstellung glattgegangen ist. Trotzdem: Klar ist, dass vielfach der deutlich geäußerte Kundenwille falsch oder gar nicht im System des Abfallwirtschaftsbetriebs aha angekommen ist.

Das kann passieren, muss aber nicht. Und wenn es passiert, sollte das Unternehmen in der Lage sein, Änderungswünsche kurzfristig zu bestätigen und umzusetzen. So aber sieht es aus, als ob die ganze Aktion mit zu wenig Sorgfalt und auch mit einer ordentlichen Portion Ignoranz den Kunden gegenüber geplant wurde. aha läuft Gefahr, auf lange Zeit Vertrauen zu verspielen.

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