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Umland Garbsen Nachrichten Warum kleine Supermärkte nicht schließen dürfen
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00:25 20.04.2018
"Ortschaften dürfen nicht ausbluten." Quelle: Collage HAZ
Schloß Ricklingen/Osterwald

 21 Sorten Butter gibt es im Frischemarkt Kappe an der Großen Rehre in Schloß Ricklingen. Der Chef Cord Kappe hat sie persönlich gezählt. „Da muss man doch fündig werden“, meint er. Dennoch gibt es Kunden, die trotz des reichen Angebots für ein Stück Butter fünf Kilometer fahren – nach Luthe oder Horst. Kunden, die Kappe in seinem kleinen Supermarkt fehlen, und die Menschen wie Eckhard Peters und Hans-Peter Wendorff vom Verein für Dorfentwicklung Kopfzerbrechen bereiten. 

Supermarkt stand 2005 vor dem Aus

So vieles habe man erhalten können, sagt Peters: die Bäckerei, den Blumenladen, die Post. Sogar zwei Gaststätten und Hotels gibt es noch – und das bei knapp 2500 Dorfbewohnern. „Alle Einwohner sind gefordert, diese auch zu nutzen“, fordern die Mitglieder des Heimatvereins in einem Flugblatt mit dem Titel „Machen wir Schloß Ricklingen zukunftsfähig“. Fleißig sammeln sie Antworten auf die Fragen, was fehlt und womit die Anwohner nicht einverstanden sind. Denn sie wissen auch: Was nicht genutzt wird, wird dicht gemacht. So wie die Filiale der Hannoverschen Volksbank, die nun ein einfacher Geldautomat ersetzt hat. Auch der Lebensmittelmarkt stand 2005 schon einmal vor dem Aus. „Darunter leiden vor allem die älteren Mitbürger“, sagt Peters. Und junge Familien, die mit kleinen Kindern vor Ort ihre alltäglichen Besorgungen machen wollen. „Für einen kleinen Ort ist ein Nahversorger lebenswichtig“, sagt Wendorff.

Eckhard Peters (von links), Hans-Peter Wendorff und Cord Kappe diskutieren über die Zukunft des Supermarktes. Quelle: Linda Tonn

Doch ein Kaufmann könne auch nicht nur von den Senioren leben, sagt Kappe, der alles dafür tun will, dass sein 440 Quadratmeter großer Markt noch lange ein sozialer Treffpunkt in Schloß Ricklingen bleibt. 7000 Produkte zählt das Sortiment – vom Hosenträger bis zur Babynahrung. Wenn den Kunden doch etwas fehlt, können sie es bestellen und meistens noch am selben Tag im Laden abholen.

Direkter Kontakt zu den Kunden: Lara Schönebeck ist Marktleiterin in Schloß Ricklingen. Quelle: Linda Tonn

Genau zu wissen, was die Kunden wollen, die täglich ihren Einkaufswagen füllen, sieht Marktleiterin Lara Schönebeck als einen großen Vorteil an. Gelernt hat die 28-Jährige in Luthe – ebenfalls in einem kleinen Markt. „Dann hat man direkten Kontakt zu den Leuten und kann auch persönliche Gespräche führen.“ Im großen Discounter ginge das nicht. Schönebeck, die seit Februar in Schloß Ricklingen ist, kennt viele der knapp 550 Kunden, die täglich in den Frischemarkt kommen: „Ich weiß zum Beispiel, welche Sorte Wurst der Hund gerne mag, oder welches Waschmittel benötigt wird.“ Sie steht ab 6.30 Uhr im Laden an der Großen Rehre, wenn die ersten Bauarbeiter ihren Kaffee und eine Zeitung holen und vormittags die jungen Mütter mit ihren Kinderwagen den Familieneinkauf machen. Auch am Sonnabend hat der kleine Supermarkt bis um 18 Uhr geöffnet. „Bevor die Kunden wegbleiben, weil sie ein Produkt nicht finden, sollen sie mich lieber fragen“, sagt die junge Marktleiterin. Auch wenn sie Ware erst bestellen muss – „den Leuten soll es an nichts fehlen.“

Lange Wege zum Einkaufen

Von einem Supermarkt wie im Zentrum von Schloß Ricklingen haben sich die Heitlinger schon lange verabschiedet. „Das würde sich hier überhaupt nicht lohnen“, sagt Ursula Reimers-Maas, die einmal in der Woche für einen größeren Einkauf nach Berenbostel fährt – mit einem langen Einkaufszettel. Zum Glück könne sie noch Auto fahren, sagt die Rentnerin. Doch der Gedanke daran, nicht mehr mobil zu sein, bereitet ihr Sorgen. „Die Konstruktion unserer Stadt ist kompliziert“, sagt Reimers-Maas und meint damit, dass sich vieles auf das Zentrum in Garbsen-Mitte konzentriert. Dort ballen sich große Supermärkte und Discounter, riesige Parkplätze und ein schierbar unerschöpfliches Angebot. Doch die Busverbindungen aus den vielen kleinen Ortsteilen sind schlecht. „Und wer kann schon alle seine Einkäufe tragen?“, fragt Reimers-Maas.

Beim Einkauf in Osterwald: Ursula Reimers-Maas muss für ihren Einkauf mit dem Auto fahren. Quelle: Linda Tonn

Stelinger Markthalle verschwindet

Von einem bedenklichen Mangel an Einkaufsmöglichkeiten kann man in den meisten Garbsener Stadtteilen allerdings nicht sprechen. Außer in Heitlingen und  Stelingen versorgt mindestens ein Supermarkt die Anwohner, es gibt  Bäcker, Blumenläden, Postagenturen und Kioske. Doch wie lange noch? Wie schleichend ein vertrauter Laden nach dem anderen schloss, mussten die Stelinger in ihrer Markthalle am Stelinger Platz erleben. Erst ging der Lebensmittelmarkt, Ende des vergangenen Jahres musste die Fleischerei Tegtmeyer ihre Theke räumen. Ein Bäcker und die Post sind geblieben. Für größere Einkäufe müssen die Stelinger nach  Berenbostel fahren. „Wir können noch froh sein, dass wir solch gute Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Haustür haben“, sagte Ortsbürgermeister Werner Baesmann im Dezember 2017.

Die Theke ist bereits leergeräumt: Die Fleischerei in der Stelinger Markthalle ist geschlossen. Quelle: Gerko Naumann

Ursula Reimers-Maas glaubt, dass es vielen Orten langfristig so gehen wird: „So langsam blutet hier alles aus.“ Früher habe sie ihre Einkäufe immer mal wieder beim Discounter im Osterwalder Gießelmannhof erledigt. „Vielleicht bin ich altmodisch“, sagt die Heitlingerin. „Aber ich will die kleinen Geschäfte unterstützen, auch wenn das Angebot kleiner ist. Sonst gibt in den Dörfern bald nichts mehr.“

Von Linda Tonn

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