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Nachrichten „Weg mit den Kitschwölkchen!“
Umland Garbsen Nachrichten „Weg mit den Kitschwölkchen!“
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18:28 20.03.2015
Eduard Strauss (rechts), Nachfahre des Walzerkönigs Johann Strauss moderiert mit Sohn Thomas das Konzert bei Möbel Hesse.
Berenbostel/Wien

Das Konzert beim Möbel Hesse am Sonntag ist seit Wochen ausverkauft. Besonderheit in diesem Jahr: Eduard Strauss, Urgroßneffe des Walzerkönigs Johann Strauss Sohn, und Sohn Thomas moderieren. Mit Eduard Strauss sprach Redakteur Bernd Riedel.

Seit 15 Jahren konzertiert das Johann-Strauss-Orchester auf Einladung des Unternehmens Möbel Hesse nun in Garbsen. Die Konzerte sind lange vor dem Termin ausverkauft. Kann man Garbsen damit schon als „Strauss-Hochburg“ bezeichnen?

Es gibt nicht so viele Städte, in denen Musik aus der Strauss-Familie hochgehalten wird, das stimmt. Aber die deutsche Johann-Strauss-Stadt ist wohl Coburg. Johann Strauss Sohn hatte 1886 die Staatsbürgerschaft des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha angenommen, wurde also Deutscher, um seine dritte Ehefrau heiraten zu können. Seit 28 Jahren finden in Coburg Strauss-Konzerte statt, wenn künftig auch nicht mehr in dem Maß wie bisher. Nicht zu vergessen das hervorragende Alt-Wiener Strauss-Ensemble in Stuttgart, das 1972 gegründet wurde und Konzerte im In- und Ausland gibt.

Was wird Ihre Aufgabe im Konzert sein?

Mein Sohn Thomas und ich werden durch das Programm führen. Seit 1986 moderiere ich Konzerte in Deutschland. Ich möchte die nächste Generation gern an diese Aufgabe heranführen. Mein Sohn Michael ist im Juli 2012 an Leukämie verstorben, daher kann ich mein Anliegen nur an meinen Sohn Thomas weiterreichen.

Welches ist Ihr Anliegen?

Die Kitschwölkchen rund um den Namen meiner Familie wegzupusten. Ich möchte Zusammenhänge und Gegensätze aufzeigen. Die Musik, die in meiner Familie komponiert wurde, stand oft im Kontrast zum gar nicht so hellen Leben der Komponisten und der Zeitgenossen, des Publikums. Man könnte sagen, dass es sich oft um eine Flucht vor der Realität handelte. Was der Großartigkeit der Musik keinen Abbruch tut.

Werden solche Fragestellungen denn auch Thema Ihrer Moderation sein?

Solcherart Gegensätze herauszuarbeiten ist nicht bei allen Stücken möglich. Bei dem Programm, das Herr Szentpáli ausgewählt hat, wird das gar nicht möglich sein. Die Stücke stehen für sich selbst. Wir können sie historisch und musikhistorisch einordnen. Die wichtigste Aufgabe des Moderators ist es ja, das Konzert zu unterstützen, die Musik zur Geltung zu bringen. Also werden wir in der gebotenen Zurückhaltung agieren.

Wie ist Ihr Leben durch die Tatsache, dass Sie direkter Nachfahre von Johann Strauss Sohn, dem sogenannten Walzerkönig, sind, geprägt worden?

Es gibt drei Männer mit Namen Johann Strauss in unserer Familie. Sie werden als Johann Strauss Vater, Sohn und Enkel oder auch Johann Strauss I, II und III bezeichnet. Alle drei haben mein Leben sehr beeinflusst. Nach dem frühen Tod meines Vaters, Eduard Strauss II, hat meine Mutter begonnen, Vorträge zu halten und ein Archiv aufzubauen. So bin ich in die Strauss-Forschung hineingewachsen. In der Strauss-Forschung liegt einiges im Argen. Es gibt noch kein vollständiges Werkeverzeichnis von Johann Strauss Sohn. Wir, das heißt das Wiener Institut für Strauss-Forschung und meine Familie, sind jetzt bei Band 8, und Band 9 und 10 sollen noch folgen. Auch für die anderen Komponisten unserer Familie gibt es noch kein systematisches Verzeichnis. Geschätzt 1400 Kompositionen liegen vor. Und sie sind alle ganz unterschiedlicher Natur. Diese Unterschiede müssen von der Forschung herausgearbeitet werden.

Sind Sie selbst Musiker? Komponieren Sie vielleicht sogar?

Ich singe in der Chorvereinigung Schola Cantorum und bin seit 2013 auch Präsident dieses Vereins. Es ist mir sehr wichtig, nicht nur über Musik zu forschen und sie dem Publikum nahezubringen, sondern sie auch zu leben. Ich komponiere selbst nicht. Meine Fähigkeiten in der Musik sind dazu nicht weit genug ausgebildet. Und eine Operette wie „Die Fledermaus“ mit ihrer reichen und vielfältigen Motivik - das ist doch nicht zu toppen. Was sollte ich denn da noch komponieren?

Haben Sie ein Lieblingsstück von Johann Strauss Sohn?

Mir gefällt die Vielfalt in der Musik der Strauss-Familie. Von der Operette „Die Fledermaus“ habe ich schon gesprochen. Es gibt darin 120 verschiedene Motive - das hat tatsächlich mal jemand gezählt. Den Walzer „An der schönen blauen Donau“ mag ich sehr gern - das ist doch klar. Mir gefällt auch der Konzertwalzer „Wein, Weib und Gesang“ sehr gut, den ich selbst schon im Chor gesungen habe. Oder nehmen Sie die Stücke von Josef Strauss, dem Bruder von Johann Strauss Sohn - das sind Kleinodien der Komponierkunst. Oder die Musik von Eduard Strauss, dem anderen Bruder von Johann Strauss Sohn - die wird noch unter ihrem Wert gehandelt. Ich bin Herrn Szentpáli dankbar dafür, dass er etwas von Eduard Strauss ins Programm genommen hat.

Ist das am Wochenende Ihr erster Besuch in Garbsen?

Mein erster Besuch, ja. Ich nehme solche Reisen gern wahr, um neue Menschen, neue Gegenden kennenzulernen. Mein Sohn Thomas und ich fliegen heute von Wien nach Hannover und werden uns am Nachmittag ein wenig die Gegend ansehen. Wir freuen uns darauf.

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