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Garbsen DLRG warnt vor Gefahren im Wasser
Umland Garbsen DLRG warnt vor Gefahren im Wasser
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20:00 31.07.2018
Seit Mitte Juli ereigneten sich im Raum Hannover sechs schwere Badeunfälle, vier davon tödlich. Am 24. Juli musste beispieslweise ein 15-Jähriger aus dem Silbersee in Langenhagen gerettet werden. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

EBis vor Kurzem war es für Martin Wantosch noch eine ruhige Saison. Keine besonderen Zwischenfälle bislang in diesem Jahr, meldete der DLRG-Rettungsschwimmer am Altwarmbüchener See. Die Hoffnung aller Retter, dass man das auch am Ende der Saison noch sagen kann, hat sich hier nicht erfüllt: Am vergangenen Montag ertrank ein 79-jähriger Schwimmer im See. Es war bereits der sechste schwere Badeunfall in der Region seit Mitte Juli und der vierte, der tödlich verlaufen ist. Eine Serie, die erschüttert und bei der man sich fragt: Warum sind es derzeit so viele?

Ein simpler Teil der Antwort ist, dass derzeit viele Menschen schwimmen und allein damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass schwere Badeunfälle sich häufen. Hunderte Menschen suchen derzeit nicht nur in überfüllten Schwimmbädern, sondern auch in Badeseen, Kanälen und Flüssen Abkühlung. Doch es gibt noch andere Gründe. „Viele unterschätzen ganz einfach die Gefahren, die vom Wasser ausgehen“, warnt Torsten Heuer, Leiter des DLRG-Bezirks Hannover-Stadt.

Laut DLRG sind bundesweit 81 Prozent der Opfer männlich, eine Hauptrolle spiele Imponiergehabe. Auch Alkohol erhöhe die Risikobereitschaft. Allein in Niedersachsens Gewässern starben bis Ende Juli 43 Menschen, im Vorjahreszeitraum waren es 34. „Beim Baden sollte man ganz einfach ein paar Grundregeln beachten“, sagt Heuer. „Als Nichtschwimmer sollte man zum Beispiel nie tiefer als bis zur Hüfte hineingehen.“ Er beobachtet seit Jahren, dass in der Gesellschaft immer weniger Menschen richtig schwimmen können.

Ein weiteres Problem: Zwischen aufgeheiztem Körper und Wasser betrage der Temperaturunterschied teilweise 15 Grad und mehr. „Da schaltet der Kreislauf ab, wenn man einfach so hineinspringt“, sagt Heuer. Stattdessen sollten Schwimmer langsam ins Wasser gehen und vor dem Baden „vor allem den Oberkörper nass machen und dadurch herunterkühlen“. Ebenso dürfe man nie seine Kräfte überschätzen. Wer mehrere Hundert Meter hinausschwimmt, muss auch wieder zurück. Heuer: „Oft ist einfach Unachtsamkeit der Grund für viele Unfälle.“

Polizei überprüft Badeunfälle

Was genau zum Tod der vier Männer im Raum Hannover führte, ist offen. Außer dem 79-Jährigen waren die drei anderen Anfang 20. Die Polizei stufte sie alle als Unglücksfälle ein – nur zum Teil steht fest, dass einige Opfer Nichtschwimmer waren. „Wir leiten nach jedem Badeunfall mit einem Toten automatisch ein Todesermittlungsverfahren ein“, sagt Behördensprecher Thorsten Schiewe. Dabei will die Kripo herausfinden, ob eine Straftat vorliegt und ob das Opfer durch das Verschulden anderer Menschen ums Leben kam. Ob der Tote wegen eines Kreislaufzusammenbruchs, wegen einer Vorerkrankung, wegen Alkoholmissbrauchs oder aus anderen Gründen ums Leben gekommen nicht, ist nicht Teil der Ermittlungen. Einzig die Staatsanwaltschaft könne laut Schiewe eine Obduktion anordnen, das allerdings sei zu zeitaufwendig und zu teuer.

Auch die Gefahrenquellen an allen aktuellen Unglücksorten sind andere. Im Silbersee gibt es nach wenigen Metern unter Wasser unvorhersehbare Abbruchkanten – ein besonderes Risiko für Nichtschwimmer. An derselben Stelle versanken im Juli kurz hintereinander ein Siebenjähriger und ein 15-Jähriger. Beide konnten nach Minuten unter Wasser gerettet werden, sind aber noch in kritischem Zustand. Der Altwarmbüchener See wird dagegen nur sanft immer tiefer, dafür könnten die teilweise großen Temperaturunterschiede dem Körper zu schaffen machen. Im Mittellandkanal und an der Limmer Schleuse geht es sofort steil nach unten – wegen der Schifffahrt sind sie rund vier Meter tief. Das Baden ist hier generell verboten ist, doch derzeit scheren sich viele nicht darum und suchen dennoch im Wasser Abkühlung.

Nur Maschsee täglich bewacht

Die DLRG Hannover hat bereits darüber nachgedacht, manche Strände täglich statt nur an Wochenenden zu bewachen. Sei 2017 abends an den Ufern nichts los gewesen, gebe es jetzt Hunderte Badegäste. „Aber wie soll das Bewachen mit Ehrenamtlichen gelingen?“, fragt Heuer. „Sie sind alle berufstätig.“ Die Freiwilligen opfern bereits ihre Wochenenden, das sei hoch anzurechnen. Einzig die Strandwache am Maschsee ist sieben Tage die Woche mit einem angestellten Rettungsschwimmer fest besetzt. Was Heuer aber trotz aller Badeunfälle in diesem Jahr begeistert: „Bei allen Vorfällen waren sofort Ersthelfer da, die die Personen gerettet und reanimiert haben“, sagt der DLRG-Chef. „Das muss man sich erst einmal trauen.“

Badeunfälle im Sommer 2018

17. Juli:
Ein Siebenjähriger gerät im Silbersee unter Wasser. Badegäste – darunter eine Kinderärztin und zwei Notfallsanitäter, die privat vor Ort sind – retten den Jungen und reanimieren ihn. Sein Gesundheitszustand ist kritisch.

24. Juli: Exakt eine Woche danach muss ein 15-Jähriger nachmittags ebenfalls aus dem Silbersee gerettet werden. Er ging 15 Meter vom Ufer entfernt unter. Der Jugendliche kann wiederbelebt werden, doch sein Gesundheitszustand ist kritisch.

24. Juli: Nur zwei Stunden später ertrinkt an der Limmer Schleuse ein 22-jähriger Nichtschwimmer im Leineabstiegskanal. Badegäste reanimieren den Mann zwar und er ist danach ansprechbar, allerdings verstirbt er nachts im Krankenhaus.

25. Juli: Beim Baden mit zwei Freunden geht ein 21-Jähriger im Mittellandkanal nahe der Hindenburgschleuse in Anderten unter. Die Feuerwehr sucht den Mann stundenlang, erst Polizeitaucher können die Leiche am nächsten Tag bergen.

29. Juli:
Ein 23-Jähriger gerät im Blauen See in Garbsen unter Wasser. Unter anderem ein 13-Jähriger taucht mehrfach nach dem Vermissten und kann ihn an die Oberfläche zurückholen. Trotz Reanimationsversuchen stirbt der 23-Jährige später im Krankenhaus.

30. Juli: Im Altwarmbüchener See treibt abends der leblose Körper eines 79-jährigen Mannes. Badegäste bringen das Opfer an Land, doch der Rentner überlebt den Badeunfall nicht. Er stirbt in einer Klinik.

Von Peer Hellerling und Tobias Morchner

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