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Gehrden Vorwerk-Gelände: Keine Vorgaben für Bauwillige
Umland Gehrden Vorwerk-Gelände: Keine Vorgaben für Bauwillige
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00:18 15.09.2018
Auf dem ehemaligen Vorwerk-Gelände in Gehrden soll es nun keine Vorgaben für klimafreundliches Bauen. Quelle: Stephan Hartung
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Gehrden

Eigentlich verlief die Sitzung des Ausschusses für Bau- und Städteplanung recht zügig und bei den Abstimmungen einheitlich ab. Keine Nachfragen, einstimmiges Votieren – und weiter zum nächsten Tagesordnungspunkt. Doch der letzte Tagesordnungspunkt im öffentlichen Teil, bei dem es um energieffizientes Bauen auf dem ehemaligen Vormerk-Gelände ging, sorgte für Diskussionen und Ärger.

Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke hatten beantragt, dass das zukünftige Wohngebiet als sogenannte Plus-Energie-Siedlung deklariert und erstellt werden soll. Vorgeschaltet sollten Begleitung und Beratung der Bauwilligen als auch des Investors, der Verwaltung und der Politik sein. Dazu hatten die Antragsteller bereits die Mitarbeit der Klimaschutz-Agentur Region Hannover eingeholt, die für kostenlose Beratungen zur Verfügung stünde.

„Weltweit ist derzeit Klimaschutz das große Thema. Wir können uns nicht als Kommune herausziehen und es den Leuten selbst überlassen, wie sie bauen“, sagte Patrick Ziemke. Das Ausschussmitglied der Grünen ist der Meinung, „dass das die Politik vorgeben muss, die Klima-Faktor sollte Pflicht sein“. Die Ausschussmitglieder anderer politischer Couleur sahen dies jedoch anders. Sie vertraten die Ansicht, die Bauherren sollten immer noch selbst entscheiden können. Daher wurde der Antrag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt – nur zwei Stimmen votierten dafür, außer Ziemke war dies auch Eva Kiene-Stengel. Und die Vorsitzende des Ausschusses richtete auch deutliche Worte an das Gremium, nachdem dieses noch nicht mal eine Vorab-Beratung durch die Klimaschutzagentur abwarten wollte. „Ich bin sehr enttäuscht, dass Sie so zukunftsunfähig und noch nicht mal in der Lage sind, sich beraten zu lassen“, schimpfte sie.

Kein Bau von Energie-Plus-Schulen

Für den Klimaschutz sind alle Politiker in Gehrden, doch offenbar nicht um jeden Preis. Auch im Bildungsausschuss wurde am Dienstagabend der Antrag der Gruppe Grüne/Linke, die beiden neuen Grundschulen energieeffizient als sogenannte Plus-Energie-Schulen zu bauen, abgelehnt. Zuvor hatte Garonne van der Made betont, dass „wir in alldem, was wir auf den Weg bringen, was wir neu errichten, aber auch in dem, was wir unterlassen, unseren nachfolgenden Generationen verpflichtet und verantwortlich sind“. Wenn heute in Gehrden neue Grundschulen benötigen würden, dann müssten sie so errichtet werden, dass den nachfolgenden Generationen der größtmögliche ökologische Standard und der größtmögliche Schutz vor Umwelt-Schädigungen zukomme.

Grundsätzlich sei das eine gute Idee, sagte Lars Heiner (AfD). Aber die von der Gruppe gewünschte Bauweise sei letztlich zu teuer. „Wir müssen auch unseren Haushalt im Blick haben“, sagte Heiner. Ähnlich argumentierte auch Henner Bechthold (CDU). „Ökologische Bauweise ja, aber die Kosten für die beiden Neubauten dürfen nicht exorbitant steigen“, sagte er. Umwelt- und Klimaschutz müsse ausgewogen und vertretbar umgesetzt werden. Auch der Hinweis von van der Made, dass hohe Energiestandards die Folgekosten bei der Unterhaltung der Gebäude verringern, zündete nicht. SPD und FDP sahen es offenbar genauso wie CDU und AfD. Sie kommentierten den Antrag nicht, stimmten aber ebenfalls dagegen. dw

Viel schneller und mit weniger Dissens verbunden wurde zuvor die weiteren Tagesordnungspunkte abgehakt. So stimmten die Mitglieder der Änderung eines Bebauungsplans zu, der die sogenannten Dichter-Straßen im Süden des Gehrdener Stadtgebiets betrifft. Demnach ist es einem Bauherrn erlaubt, auf seinem Gebäude eine zusätzliche Etage zu bauen. Experten, die sich mit Denkmalpflege oder Archäologie auskennen, sollten aber zu Rate gezogen werden.

Von Stephan Hartung

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