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Gehrden Reichspogromnacht: 50 Bürger gedenken
Umland Gehrden Reichspogromnacht: 50 Bürger gedenken
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11:54 10.11.2018
Bürgermeister Cord Mittendorf legt ein Gesteck an der jüdischen Gedenktafel nieder. Quelle: Heidi Rabenhorst
Gehrden

Rund 50 Vertreter des öffentlichen Lebens, der verschiedenen Konfessionen, aus der Politik und den örtlichen Vereinen sowie Gehrdener Bürger haben sich anlässlich der „Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 an der Gedenktafel für die jüdische Gemeinde und Synagoge in der Fußgängerzone am Steinweg versammelt. Der Chor der Margarethen-Kirchengemeinde unter der Leitung von Kantor Christian Windhorst umrahmte die Feierstunde musikalisch.

„Das Datum markiert den entscheidenden Schritt zum Holocaust der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens“, betonte Bürgermeister Cord Mittendorf in seiner Ansprache. In der Reichspogromnacht seien Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört, wohlhabende Juden festgenommen und zur Auswanderung gezwungen worden, ihr Vermögen konfisziert worden. Jüdische Schüler seien aus staatlichen Schulen entlassen worden.

„Damals wie heute hatten Menschlichkeit und Solidarität einen schweren Stand. Ein Blick zurück macht deutlich, wie verletzlich eine freiheitliche und demokratische Ordnung ist“, fügte er hinzu. Man müsse erkennen, dass Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus immer mehr auf dem Vormarsch seien. Nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa und auch in den USA.

Mittendorf erinnerte daran, dass es in Gehrden seit dem 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde gegeben habe, die beständig zugenommen habe. „Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 110 Juden in Gehrden. Von der Gemeinde zeugt heute der jüdische Friedhof am Gehrdener Berg“, sagte der Bürgermeister. Der Friedhof wurde von 1752 bis 1935 belegt. Auf dem geschützten Kulturdenkmal sind 73 Grabsteine zu finden. Die Gemeinde habe bis Ende des 19. Jahrhunderts stark abgenommen, meist aus wirtschaftlichen Gründen seien die jüdischen Familien nach Hannover gezogen.

Die im Jahr 1850 am Steinweg gebaute Synagoge mit Schul- und Lehrerhaus wurde bis 1920 zum Gottesdienst genutzt, danach als Geschäftshaus von jüdischen Kaufleuten weitergeführt. Das ehemalige Gotteshaus wurde in der Reichspogromnacht stark beschädigt, aber durch die dichte Nachbarbebauung mit Margarethenkirche und Rathaus nicht in Brand gesetzt.

Dem Terror der Nationalsozialisten fielen bis 1945 insgesamt 17 Gehrdener Bürger jüdischen Glaubens zum Opfer. „Stolpersteine in der Dammstraße und die Gedenktafel an der jüdischen Synagoge erinnern uns bei jedem Gang durch Gehrden und sollten uns immer wieder auffordern, wachsam zu sein und jeder Form des Rassismus entschieden entgegenzutreten“, sagte Mittendorf. Dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte dürfe sich nie wiederholen. Die Erinnerungsfeier sei zugleich Mahnung für alle, aufmerksam in die Zukunft zu blicken.

Von Heidi Rabenhorst

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