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Gehrden Bauhof spendiert Jungpflanzen kalte Dusche
Umland Gehrden Bauhof spendiert Jungpflanzen kalte Dusche
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11:04 26.07.2018
Bauhofmitarbeiter Roland Weidner bewässert an der Calenberger Straße einen neu eingepflanzten Baum. Quelle: Ingo Rodriguez
Gehrden

Im Hochsommer sind es die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs bei anhaltender Hitze und längerem Aufenthalt in der Mittagssonne gewohnt, regelmäßig durstig zu sein. Roland Weidner geht deshalb zur Fahrertür eines städtischen Pritschenwagens und nimmt erstmal einen kräftigen Schluck kühles Mineralwasser. Die Flasche hat er schon vor Stunden hinter dem Sitz im Schatten deponiert. Seit dem frühen Morgen bereits ist Weidner mit dem Lastwagen und einem rund 3000 Liter fassenden Wassertank auf der Ladefläche unterwegs – auch, weil es den Pflanzen bei anhaltender Hitze und extremer Trockenheit nicht anders geht als ihm: „Vor allem die neu angepflanzten Bäume, Sträucher und Hecken brauchen jetzt regelmäßig viel Wasser, sonst vertrocknen sie“, sagt Weidner. Er geht deshalb zurzeit täglich im gesamten Stadtgebiet auf Bewässerungstour. Auch in den Ortschaften spendiert er allen in einer mehrseitigen Liste verzeichneten Jungpflanzen eine kalte Dusche.

Wegen der anhaltenden Hitzewelle und extremer Trockenheit müssen Mitarbeiter des kommunalen Bauhofes rund um die Uhr die neu angepflanzten Bäume und Hecken im Stadtgebiet bewässern.

„Wenn es längere Zeit nicht regnet, brauchen neue Anpflanzungen mindestens einmal pro Woche von uns als Starthilfe eine Bewässerung – etwa zwei bis drei Jahre lang, bis sie ein festes Wurzelwerk aufgebaut haben“, sagt Weidner. Ältere Pflanzen oder Rasenflächen seien in der Lage, auf Schonbetrieb zu schalten. „Die erholen sich wieder, sobald der nächste Regen fällt“, sagt Weidner. Ohnehin sei es nicht möglich, alle öffentlichen Grünflächen bei extremer Hitze zu bewässern. Weidner nennt ein Beispiel: „Der Rasen im Delfi-Bad verbrennt zwar stellenweise, aber das gibt sich wieder.“

Bauhofmitarbeiter Roland Weidner zeigt den Plan, auf dem die neu angepflanzten Bäume, Büsche und Hecken aufgelistet sind. Quelle: Ingo Rodriguez

Anders verhält es sich bei der sogenannten Grüne-Hecken-Berberitze. Der anspruchslose sommergrüne Strauch kann laut Fachliteratur eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreichen. Doch bis es so weit ist, benötigt die von der Stadt neu angepflanzte Hecke an der Vorwerkstraße Starthilfe vom Bauhof. Weidner steigt deshalb – nur einen Steinwurf vom Bauhof entfernt – aus dem Fahrzeug, wirft mit einem kräftigen Ruck an der Reißleine die Pumpe auf der Ladefläche an, bringt den Schlauch in Stellung und fängt an, die Jungpflanzen zu gießen. „Das ist kein Trinkwasser, sondern Erdwasser, das wir für das Gießen aus einer Zapfstelle über einem städtischen Notbrunnen am Delfi-Bad entnehmen“, betont er. Mit Trinkwasser müsse gehaushaltet werden. Trinkwasser sei auch zu kostenintensiv für diese Nutzung.

Bauhofmitarbeiter Roland Weidner füllt an der Lange Feldstraße den 3000-Liter-Wassertank auf dem Lastwagen des Bewässerungsfahrzeugs mit Erdwasser aus der Zapfstelle über einem städtischen Notbrunnen auf. Quelle: Ingo Rodriguez

Aus diesem Grund steuert Weidner vor dem nächsten Standort in seiner Liste auch zunächst erst einmal die unscheinbare Zapfstelle an der Lange Feldstraße an – Tankstopp. Zwei- bis dreimal täglich füllt er dort mit einem Standrohr und einem festen Schlauch den 3000-Liter-Tank auf. Etwa acht Minuten dauert es – dann läuft an der Öffnung des blauen Kunststoffbehälters das Wasser über, eine kleine Fontäne sprudelt. „Wenn wir aber Wasser aus dem öffentlichen Netz ziehen, müssen wir ein Standrohr mit Wasseruhr benutzen, weil die Stadt das abrechnen muss“, sagt Weidner.

Bauhofmitarbeiter Roland Weidner bewässert an der Vorwerkstraße eine junge Hecke. Quelle: Ingo Rodriguez

Inzwischen ist auch der stellvertretende Bauhofleiter Harald Meyer an der Zapfstelle angekommen – mit einem zweiten Wagen, inklusive eines 1000-Liter-Bewässerungstanks. Weidners nächster Stopp ist laut Liste an der nahe gelegenen Calenberger Straße. Dort sollen drei Jungbäume und eine Hecke gegossen werden. Zum Delfi-Bad wird er später aber auch noch einmal zurückkehren – nicht nur zum Tanken. Dort ist von der Stadt rund um das Freibadgelände kürzlich eine ganze Heckenreihe neu eingepflanzt worden.

Fürsorgepflicht: Stadt stellt Wasser und Sonnenschutz

Mehr als 30 Grad im Schatten und körperliche Arbeit in der prallen Sonne: Für die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs der Stadt Gehrden sind ihre täglichen Aufgaben wegen der anhaltenden Hitzewelle derzeit teilweise mit großen Anstrengungen verbunden. „Einige von uns sind manchmal ganz schön am Japsen. Teilweise kommt man bei besonders anstrengenden Arbeiten schon an seine Grenzen“, sagt Bauhof-Mitarbeiter Roland Weidner. Er betont jedoch, dass die Stadt vorbildlich ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern nachkommt. „Normalerweise bringen wir unsere Getränke selbst mit zur Arbeit, aber wegen der Hitze hat die Stadt jetzt auch Mineralwasser für die Bauhof-Leute besorgt“, sagt Weidner. Außerdem sei jeder Mitarbeiter mit einer Schirmmütze – inklusive Nackenschutz – ausgestattet. „Sogar eine große Tube Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor wird uns zur Verfügung gestellt“, sagt Weidner. Warm wird ihm zurzeit aber allein schon wegen der erforderlichen Schutzausrüstung immer wieder. Beim Bewässern der Jungpflanzen trägt der Bauhof-Mitarbeiter nicht nur eine reflektierende Warnweste über seiner Oberbekleidung. Um sein Gehör zu schonen, setzt er sich vor dem Einschalten der Wasserpumpe auch immer einen festen Gehörschutz auf die Ohren.

Von Ingo Rodriguez

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