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Gehrden Schätze der Natur liegen im Verborgenen
Umland Gehrden Schätze der Natur liegen im Verborgenen
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15:43 29.07.2018
Verstecktes Kleinod: Die Nabu-Vorsitzende Gisela Wicke präsentiert bei einem Rundgang auch die sogenannte Schweinekuhle, die zwischen Ditterke und Göxe abseits des Weges hinter dichtem Bewuchs nur mit guter Ortskenntnis und bei näherem Herangehen zu entdecken ist. Quelle: Ingo Rodriguez
Gehrden

Es sind idyllische Plätze mit Seltenheitswert, meist abseits der begehbaren Feldwege, getarnt von dichtem Bewuchs und einem Großteil der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Die Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Gehrden, Gisela Wicke, bezeichnet diese Orte mit besonders seltenen Pflanzen und Tieren als „Schätze der Natur“. Und sie steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Immerhin ist es sogar gesetzlich verboten, sich an diesen Plätzen so zu verhalten, dass es zu Zerstörungen oder Beeinträchtigungen der Tier- und Pflanzenwelt führen könnte. „Im Gehrdener Stadtgebiet gibt es gleich sechs dieser vom Bundesnaturschutzgesetz geschützten Biotope“, sagt Wicke.

Ausgewiesen und als schützenswert eingestuft werden diese Biotope laut Wicke von der Region Hannover. Ende der Siebzigerjahre seien mit dem Beginn der Naturschutzbewegung flächendeckende Kartierungen veranlasst worden. „Die Region registriert die Gebiete und führt ein Kataster darüber“, sagt Wicke. Die studierte Biologin kennt sogar die dazu gehörige Literatur. Wicke hat bis zu ihrem Ruhestand beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasser, Küsten und Naturschutz gearbeitet. „Im Kartierschlüssel für Biotope in Niedersachsen ist genau definiert, was diese Gebiete schützenswert macht“, sagt Wicke. „Es gibt mehr als 100 Kategorien: Wälder, Meeresküsten, Binnengewässer, Grünland, Äcker, Moore und Sümpfe sind nur ein Teil davon“, weiß die Expertin.

Was überrascht: „Seit der jüngsten Kartierung in den Neunzigerjahren wurden im Gehrdener Stadtgebiet keine geschützten Biotope mehr zusätzlich ausgewiesen“, sagt Wicke. Für das kommende Jahr sei jedoch eine Neuauflage der Kartierung geplant. Die Nabu-Vorsitzende findet es schade, dass die Naturschätze kaum Beachtung in der Bevölkerung finden – auch weil der Nabu vier der Biotope betreut. „Um die Gebiete, die in Privatbesitz sind, und um deren Erhalt kümmern sich natürlich die jeweiligen Eigentümer“, sagt sie.

Um die geschützten Biotope bekannter zu machen, plant der Nabu sogar, eine Ausgabe in der Schriftenreihe des Heimatbundes den sechs Arealen in Gehrden zu widmen. Doch zunächst bittet Wicke zu einem Rundgang und präsentiert die in Gehrden verborgenen Schmuckstücke.

Die Moselwiese

Die Moselwiese ist eine etwa 1,5 Hektar große Fläche in der Feldmark westlich von Lenthe, abseits der großen Feldwege. Sie gehört zum Privatbesitz des Landwirts Wilfried Otto. Schützenswert ist die Moselwiese unter anderem wegen des sogenannten Schlankseggenrieds. Dabei handelt es sich um ein seltenes feuchtes Sauergras. Otto lässt das Biotop deshalb von Rindern beweiden.

Der Osterteich

Der sogenannte Osterteich liegt in der Feldmark östlich von Lenthe und ist ohne gute Ortskenntnis kaum zu finden. Das Stillgewässer ist im Uferbereich mit Schwertlilien bewachsen. Außerdem zeichnet es sich durch einen sehr alten Baumbestand aus. Unter anderem gehören dicke Eichen dazu. Besondere Kennzeichen sind zudem seltene Pflanzen wie etwa der Bittersüße Nachtschatten. Der Osterteich wird gespeist mit Wasser vom Benther Berg. Der Teich ist ganzjährig mit Wasser gefüllt, weil im Grund eine Tonschicht das Wasser nicht versickern lässt.

Die Schweinekuhle

Die sogenannte Schweinekuhle liegt neben einen Feldweg im Süden von Ditterke, nahe dem Ortseingang von Göxe. Es ist ein naturnahes Kleingewässer, das als Stauteich ganzjährig Wasser führt. Diesem Umstand hat das Kleinod auch seinen Namen zu verdanken: Wildschweine und andere Wildtiere finden dort wertvolles Trinkwasser. Zu finden ist entlang der Schweinekuhle-Ufer unter anderem auch der seltene Zungen-Hahnenfuß.

Der Erlensumpfwald

Der Erlensumpfwald liegt zwischen Leveste und Göxe entlang der Kreisstraße, im Norden des Gehrdener Stadtgebiets. Laut Naturschutzbund zeichnet sich das etwa 1,5 Hektar große Waldstück durch einen besonders alten Eschenbestand aus. Außerdem sind dort ganz besonders seltene Pflanzen zu finden, die ansonsten in der Umgebung kaum vorkommen. Dazu zählen unter anderem auch der sogenannte Salomonssiegel und das Lungenkraut.

Der Lohteich

Der Lohteich ist ein Kleingewässer, das in einem Waldstück inmitten des Levester Windparks liegt. Der Stauteich ist in Privatbesitz und umgeben von sehr alten Eschen und Eichen. Außer dem alten Baumbestand gehören höchst seltene Pflanzen zu den besonderen Kennzeichen dieses geschützten und auch überwachten Biotops. Dazu zählen der sogenannte Eschenbaumschwamm: Das ein Pilz, der am Baum wächst. Außerdem ist entlang des Lohteichs auch wilder Wasserfenchel zu finden.

Die Mergelkuhle

Die Mergelkuhle befindet sich unterhalb des Westhanges am Fuß des Gehrdener Bergs. Das etwa zwei Hektar große Areal ist wohl das bekannteste der sechs im Stadtgebiet geschützten Biotope – auch weil es entlang eines beliebten Spazierweges unweit des Berggasthauses Niedersachsen und der Tripschen Parkanlage liegt. Besonderes Kennzeichen ist unter anderem der Kalk-Magerrasen, der in der Kuhle wächst. Diese war einst ausgehoben worden, um den dort typischen Mergel abzubauen. Das ist tonartiger Kalkboden, der zum Düngen benutzt wurde. An den Abbruchwänden der Mergelkuhle ist die besondere Bodenart noch sehr gut zu erkennnen.

Von Ingo Rodriguez

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