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Gehrden Nabu will Insekten schützen
Umland Gehrden Nabu will Insekten schützen
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00:15 12.07.2018
Im Alten Garten tummeln sich zahlreiche Insekten. Quelle: Elena Everding
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Gehrden

Der Naturschutzbund (Nabu) Gehrden möchte gemeinsam mit der Stadt Tier- und Pflanzenarten schützen und einen Antrag auf Förderung der biologischen Vielfalt in Städten und Dörfern ausarbeiten. Dafür stellen das Land und die EU Gelder bereit, mit der Projekte realisiert werden können. Einen Fokus legt der Nabu dabei auf den Schutz von Insekten, da sie bedroht sind.

„Das Insektensterben ist real“, sagt Gisela Wicke, Vorsitzende des Nabu Gehrden. Zählungen in ganz Deutschland hätten das belegt. Sie betont, wie wichtig vor allem Bienen und Wespen für das Ökosystem sind, denn von ihnen hängt ein großer Teil unserer Lebensmittelversorgung ab. Im Alten Garten in Gehrden, den der Nabu unterhält, fühlen sich Insekten aller Art wohl, denn hier wachsen viele Blühpflanzen. Außerdem gibt es ein Insektenhotel aus Holzstämmen mit Löchern und ein Häuschen für Hornissen.

Doch so gut sieht es für die kleinen Tiere woanders nicht aus. Deshalb will Wicke mithilfe des Förderprogramms Gehrden insektenfreundlicher machen. „Das geht zum Beispiel durch die Schaffung von Brach- und Wildwuchsflächen, Totholzhaufen oder das Anlegen von Blühflächen“ erzählt Wicke. Sie will demnächst in Gehrden öffentliche Flächen suchen, die für solche Projekte in Frage kommen.

Nabu-Vorsitzende Gisela Wicke im Alten Garten, wo auch ein Häuschen für Hornissen steht. Quelle: Elena Everding

Gefördert werden soll mit den Geldern auch die Renaturierung des Gehrdener Brauereiteiches. Er befindet sind an der Ecke Hornstraße/ Teichstraße, wo die beiden Straßen auf die Große Bergstraße treffen. „Der Teich muss erst einmal entschlammt werden“, sagt Wicke. Der Nabu plant, dass einige Biologie-Stunden des Matthias-Claudius-Gymnasiums direkt am Teich stattfinden können.

Bis Ende September muss die Stadt den Förderungs-Antrag abgeben. Bis zu 80 Prozent der förderfähigen Ausgaben kann das bezuschusst werden. Die Fördersumme soll sich laut Wicke auf etwa 10.000 Euro belaufen – so müsste die Stadt 2000 Euro aus eigener Tasche zahlen. Wicke rechnet damit, dass Anfang nächsten Jahres der Bescheid kommt. „Die Chancen stehen sehr gut“, sagt sie.

Der Nabu Gehrden will Antrag auf Förderung der biologischen Vielfalt stellen, der Schutz von Insekten steht dabei im Mittelpunkt. Außerdem berät der Verband bei Wespennestern im eigenen Garten.

Zum Insektenschutz gehört auch, sich mit den Tieren im eigenen Garten auseinander zu setzten. „Ich bekomme immer wieder Anrufe von Leuten, die ein Wespennest auf ihrem Grundstück gefunden haben“, erzählt Wicke. „Wenn mehr als vier Meter Abstand zum Nest gegeben sind, muss es eigentlich nicht entfernt werden“, sagt sie. Unter dieser Distanz fühlen sich die Tiere dagegen bedroht und könnten stechen.

Die Feuerwehr ist für Wespennester übrigens nicht mehr zuständig. Stattdessen gibt es eine zertifizierte und kostenlose Wespen- und Hornissenberatung der Region Hannover. Der Berater für Gehrden ist Michael Lucas, er ist unter Telefon 0172 9426657 zu erreichen. Doch auch Wicke kann um Rat gefragt werden. Sie rät, sich erst einmal beraten zu lassen, bevor der Schädlingsbekämpfer gerufen wird – das kostet nämlich meist über 100 Euro.

Entdeckt man jetzt noch ein Wespennest über dem Boden, als kein Erdnest, können sich die Hausbesitzer laut Wicke aber entspannen. „Im August sterben die Wespen sowieso, das Nest ist dann leer.“ Das Nest sollte allerdings hängen gelassen werden – Wespen bewohnen kein Nest ein zweites Mal und suchen sich im Zweifel eine Stelle in einiger Entfernung zum alten Nest.

So wird eine Nisthilfe gebaut

Wer den Insekten helfen will, der kann auch im eigenen Garten eine Nisthilfe bauen. Wildbienen und Wespen, die keine Staaten bilden, - so genannte Solitärwespen - benötigen Hohlräume in Holz, Stängeln oder Steinen, um darin Brutkammern anzulegen. „Wer diesen Insekten hilft, muss keine Stechattacken befürchten. Die Tiere sind harmlos und friedlich“, sagt Matthias Freter vom Nabu Niedersachsen. In Ruhe kann man dann das Treiben beobachten, wenn die Bienen Baumaterial, Nahrung und Lehm zum Verschluss ihrer Brutröhren eintragen. Wer „Insektenquartiere lassen sich problemlos selbst herstellen. So lässt sich Ton sehr gut zu einer Nisthilfe für Wildbienen umfunktionieren“, sagt Freter.

Pro Bienenstein werden etwa zwei Kilogramm Ton benötigt. Dieser kann dann zu einem Quader geformt werden. Dann werden Löcher mit Hilfe von Rundhölzern (Durchmesser zwischen zwei und acht Millimeter) in den Ton gebohrt. Diese sollten in der Länge etwa zehn Mal so lang wie im Durchmesser sein – ein Loch mit 2 Millimeter Durchmesser sollte also zwei Zentimeter tief sein. Im Anschluss muss der Bienenstein mindestens einen Monat trocknen und anschließend im Brennofen gebrannt werden. Es gibt aber auch Ton, der nicht mehr gebrannt werden muss. Der fertige Bienenstein ist atmungsaktiv und kann im Gegensatz zu anderen Nisthilfen nicht faulen oder schimmeln. „Nun sollte der Bienenstein an sonniger, trockener Stelle angebracht werden und frei anzufliegen sein“, sagt Freter. Er sollte nicht baumeln und die Gänge sollten waagerecht ausgelegt sein.

Von Elena Everding

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