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00:17 09.07.2018
Das Schauspielerpaar Christian Preuß und Beatrice Fago lebt seit 1991 in Gehrden. Quelle: Rabenhorst
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Gehrden

Die Gehrdenerin Beatrice Fago steht seit mehr als vier Jahrzehnten Jahren auf der Bühne. Dabei war das gar nicht ihr Plan. Eigentlich wollte die 67-Jährige Brillendesignerin werden. Das Theater sei für sie inzwischen aber zu einer Art Droge geworden. Entdeckt worden ist die Gehrdenerin vor 42 Jahren, als ihr damaliger Freund als Statist am Residenztheater in München arbeitete. „Meine knallroten langen Haare müssen dem Regisseur Michael Degen ins Auge gestochen sein", vermutet Fago. Degen verpflichtete die damals 26-Jährige für eine Rolle im Faust I. „Als Lilith brauchte ich nur zehn Sätze sprechen", erinnert sich Fago. Der Blick hinter die Kulissen und die Arbeit mit bekannten Schauspielerkollegen haben sie allerdings dermaßen fasziniert, dass sie am Theater hängen geblieben ist.

Ende der siebziger Jahre verschlug ein festes Engagement am Theater der Komödianten die gebürtige Lübeckerin nach Österreich. Vier Jahre lang stand die gelernte Augenoptikerin in Wien auf der Bühne, bis sie ein Angebot aus Niedersachsen bekam. Im „Käthchen von Heilbronn“ gab sie als Kunigunde auf der Landesbühne Hannover ihren Einstand und lernte dort ihren Ehemann kennen. Die Liebe zu dem Schauspieler und Regisseur Christian Preuß war dann auch der Grund, Wien den Rücken zu kehren. Mit dem gebürtigen Benther gründete sie 1986 in einem ehemaligen Fabrikgelände das Theater Seraphin in Hannover-Hainholz. Trotz aller Höhen und Tiefen sei es eine „Wahnsinnszeit“ gewesen, die sie sehr geprägt habe. „Ich konnte auf den eigenen Bühnenbrettern meiner Liebe zur Literatur Ausdruck verleihen und Experimente mit der Sprache wagen können“, sagt Fago. Leider sei der finanzielle Würgegriff zu heftig gewesen. 1995 musste das Paar das Seraphin aufgeben.

„Wir haben viele Jahre freies Theater gemacht. Das ging auf die Knochen“, erzählt Preuß. Ein Comeback sollte und hat es nicht es nicht gegeben. „Wir haben den Verein Theater Seraphin aufgelöst“, fügt er hinzu. Mit dem jährlichen Zuschuss von 37 000 Mark aus der Theaterförderung der Stadt hätten sich kaum noch neue Stücke machen lassen. „Anmietung von Räumen, Gastverträge mit Regisseuren sind immer teurer gekommen“, ergänzt seine Ehefrau.

Für das Ehepaar ging es trotzdem mit dem Leben auf der Bühne weiter. Christian Preuß erhielt nach der Schließung einen Dreijahresvertrag am Kieler Theater. Beatrice Fago wandte sich verstärkt der Literatur zu, machte Lesungen und war unter anderem als freiberufliche Schauspielerin bei einem Boulevardtheater in Braunschweig und im Neuen Theater in Hannover unter Vertrag. Und erst vor kurzem waren beide im Aegi in Hannover zu sehen – im Edgar-Wallace-Stück „Die toten Augen von London“.

Das Ehepaar wohnt seit 1991 in der Burgbergstadt. In Gehrden sind Beatrice Fago und Christian Preuß vor allem durch den „Literarischen Frisörsalon“ in Angelika´s Haarstudio bekannt geworden. „Mit der Schließung des Geschäftes kam auch das Aus für unsere Auftritte“, berichte Preuß. Platz sei für 25 Zuschauer gewesen. „Es war klein und intim, genauso wie wir es mögen, immer mit dem direkten Kontakt zum Publikum“, erzählt Fago.

Nun ist das Paar auf der Suche nach geeigneten Räumen in und rund um Gehrden. „Wir sind jetzt zwar Rentner, aber nur im wörtlichen Sinn. Ohne Schauspielerei und Publikum geht es bei uns nicht“, sagen beide unisono. Großartige Requisiten benötigen sie nicht für ihre kleinen Stücke oder szenische Lesungen: „Wir brauchen einen Tisch, einen Stuhl und gutes Licht – mehr nicht“, verrät Christian Preuß.

Von Heidi Rabenhorst

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