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13:26 14.12.2010
Von Dirk Wirausky
Berichtet aus dem Leben eines Oppositionellen in der ehemaligen DDR: Wolfram Tschiche. Quelle: Wirausky

Der 61-Jährige Tschische berichtete den Schülern der Jahrgänge elf bis 13 von den Erfahrungen, die er als Oppositioneller gemacht hat. Einen wichtigen Satz gab Tschiche den mehr als 150 Schülern am Ende seines 90-minütigen Vortrages mit auf den Weg. „Seid in eurem Leben mutig und zeigt Zivilcourage“, sagte er. Dazu müsse man nicht gleich ein oppositionelles Lebens führen.

Das hat Tschiche, der 1950 als Sohn eines Pfarrers geboren wurde, jahrzehntelang in der DDR geführt. Der Prager Frühling im August 1968 und die gewaltsame Niederschlagung der Reformbestrebungen in der CSSR durch einmarschierende Truppen des Warschauer Paktes habe die ersten Widerstände gegen das bestehene DDR-Regime geweckt. „Ich war tief enttäuscht“, sagte Tschiche.

Weil er gegen die militärische Intervention in die CSSR protestiert hat, wurde ihm das Abitur verwehrt. Stattdessen wurde er für 18 Monate als Bausoldat einberufen. „Wir wurden behandelt wie Staatsfeinde“, sagte Tschiche. Anschließend musste er Hilfsjobs annehmen, unter anderem als Heizer in einem Berliner Krankenhaus.

1973 wurde er erstmals verhaftet und kam in das Haller Gefängnis „Roter Ochse“. Er ließ sich nicht beeindrucken. Tschiche war bis zur Wende in unterschiedlichen oppositionellen Gruppen aktiv – immer beobachtet, beschattet, bedroht und verhaftet. Einmal sei seine Berliner Wohnung komplett ausgeräumt worden – inklusive Klo, Badewanne und Lichtschalter. „Man wollte mich nicht in der Hauptstadt haben“, sagte er.

Aus der DDR ausweisen ließ er sich nicht. „Das war auch mein Land und gehörte nicht dem Politbüro.“ Er habe sich im Alltag auch nicht eingeengt gefühlt. „Die ruhmreiche DDR hat mir Zeit gestohlen, aber Opposition war kein trübsinniges Unterfangen“, sagte er – und fügte an: „Je verbotener etwas war, desto schärfer waren wir.“

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