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Und wieder gibt ein Junggeselle sein Debüt

Northen Und wieder gibt ein Junggeselle sein Debüt

Alte Tradition: Rund 25 unverheiratete Northener sind am Fastnachtsdienstag verkleidet und maskiert durchs Dorf gezogen, um mit viel Lärm die Wintergeister zu vertreiben.

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Mit viel Gejohle und lauter Musik: Die Junggesellen aus Northen ziehen in schrillen Kostümen und maskiert von Haus zu Haus.

Quelle: Ingo Rodriguez

Northen.  Nils Meier wohnt in Northen, er ist jetzt 16 Jahre alt – und: Der junge Mann ist noch unverheiratet. Damit erfüllt er alle Voraussetzungen, um als Debütant im Kreis der Geffler aufgenommen zu werden. Gemeinsam mit rund 25 weiteren Junggesellen aus dem Dorf hat er deshalb am Fastnachtsdienstag eine jahrzehntelange Tradition fortgesetzt und dabei geholfen, in schrillen Kostümen und maskiert durch den Ort zu ziehen, um mit viel Lärm und laut johlend die bösen Wintergeister zu vertreiben.

„Ein wenig aufgeregt bin ich schon“, hatte Nils noch etwa eine Stunde vor dem Abmarsch im Gerätehaus der Feuerwehr eingeräumt. Dort treffen sich die Geffler Jahr für Jahr am frühen Nachmittag, um sich einzukleiden, zu maskieren und bei zwei bis drei Begrüßungsgetränken auf ihre Tour einzustimmen. Der 16-Jährige zeigte sich aber trotz bevorstehenden Alkoholkosums zuversichtlich: „Ich muss ja morgen zur Schule gehen“, sagte der Schüler vom Matthias-Claudius-Gymnasium und grinste verschmitzt. Dann schnappte er sich eine der Masken, die die Geffler im Gerätehaus lagern. „Ich gehe als Tanzopa“, sagte der Jugendliche grinsend. Zuvor hatte der noch nicht volljährige Gymnasiast beim Geffelvorstand eine unterschriebene Einverständniserklärung der Eltern abgegeben. „Er darf Bier, aber noch keine brandweinhaltigen Getränke konsumieren“, sagte der 26-jährige Christian Spatzier. „Muss ja alles seine Richtigkeit haben.“

Debütant

Debütant: Der 16-jährige Nils Meier bereitet sich im Gerätehaus vor dem Abmarsch auf seine Premiere vor.

Quelle: Ingo Rodriguez

Spatzier gehört zum dreiköpfigen Geffel-Vorstand, der nach einer Vorbesprechung vor etwa eineinhalb Monaten an alle der rund 400 Haushalte in Northen Einladungen mit den entsprechenden Eignungsvoraussetzungen verteilt hat. „Wir sind etwa 25 Leute“, sagte Spatzier. Zum letzten Mal dabei: der 31-jährige Tobias Reichl. „Der heiratet in diesem Jahr“, sagte Spatzier und zuckte schadenfroh grinsend mit den Schultern. Spatzier kennt sich offenbar mit dem rustikalen Brauchtum bestens aus. „Ich habe mir für morgen frei genommen“, sagte er.

Doch dann wurde es ernst für die Junggesellen: Masken auf, Musikinstrumente und Geffel-Zubehör geschnappt und los ging die Tour – in vier sechsköpfigen Gruppen jeweils in einem Teil des Dorfes von Tür zu Tür. Immer vorneweg: die Geffeln – dreizackige Holzgabeln, die als Spieße für Würstchen und zum Antreiben dienen. Und es gibt eine Rollenverteilung: „Die Eieroma sammelt mit ihrem Körbchen Speisen ein, die Tanzoma bittet den Hausherren zum Tanz, und die Ziegen sind die Anführer“, erläuterte Spatzier beim Abmarsch den heidnischen Brauch, der im Calenberger Land sonst nirgends gepflegt wird.

Große Auswahl

Große Auswahl: Für die Geffler liegen genügend Masken bereit.

Quelle: Ingo Rodriguez

Für zarte Gemüter ist das Geffeln kaum geeignet. Bevor die Junggesellen alle Dorfbewohner zur Abschlussparty in das Feuerwehrgerätehaus bitten, müssen sie etwa drei Stunden lang rund 400 Haushalte abklappern. „Dass jemand seine Haustür nicht öffnet, kommt kaum vor“, sagte Spatzier. Der Brauch sei in Northen sehr beliebt. Kein Wunder: „Die Hausherren sind ja früher fast alle selbst Geffler gewesen.“

Von Ingo Rodriguez

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