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11:45 07.09.2018
Ausschuss lehnt die Ernennung eines ehrenamtlichen Beauftragten für die plattdeutsche Sprache ab. Quelle: Archiv
Gehrden

Der überwiegende Teil der Mitglieder im Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport war baff; oder genauer gesagt platt. Und streng genommen verstanden sie anfangs nur Bahnhof. Die Gruppe Grüne/Linke hatte den Antrag gestellt, einen ehrenamtlichen Beauftragten für die plattdeutsche Sprache zu ernennen. „Es geht um den Erhalt eines Kulturguts“, sagte Patrick Ziemke. Und dem Anlass angemessen trug der grüne Politiker den Antrag auch in plattdeutscher Sprache vor. Sehr zum Leidwesen, ja sogar zum Unwillen der anderen politischen Vertreter. Sie forderten Ziemke vehement auf, den Antrag auf hochdeutsch vorzutragen. „Wir verstehen sonst nichts“, sagte Andreas Reichl (SPD). Einige plädierten sogar für die Absetzung dieses Tagesordnungspunktes, wenn Ziemke dieser Bitte nicht folge. Doch der blieb stur und trotzig. Es sei sein Recht, das Ansinnen in Plattdeutsch zu artikulieren. „Es ist Amtssprache des Landes Niedersachsen“, begründete er. Sollte ihm verwehrt werden, plattdeutsch zu sprechen, werde er sich bei der zuständigen Behörde beschweren. Zudem verwies der Grüne auf den schriftlichen Antrag; dort ist die hochdeutsche „Übersetzung“ nachlesbar.

Es war Klaus Dörffer (CDU), der die Gemüter abkühlte. Das Recht solle Ziemke zugestanden werden, auch wenn niemand verstehe, was er eigentlich sage. Doch ob auf hochdeutsch oder auf plattdeutsch – der Antrag der Gruppe wurde mehrheitlich abgelehnt. „Es liegt nicht im Aufgabenbereich der Stadt Gehrden, sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache einzusetzen“, sagte Dörffer. So sieht es auch Hilmar Rump (FDP). Zwar sei auch er für die Förderung der plattdeutschen Sprache, doch dafür brauche die Stadt keinen Beauftragten ernennen. Heimatbund oder Volkshochschule könnten sich der Pflege dieses Kulturguts annehmen, meinte der Liberale. Beate Banse (SPD) erinnerte an Angebote wie die plattdeutsche Stunde, die monatlich im Vierständerhaus stattfindet. Und Reichl fügte hinzu, dass die Stadt zurzeit ganz andere Baustellen habe als das Thema Plattdeutsch. Ziemke reagierte enttäuscht. „Die Sprache droht auszusterben“, betonte er. Die Stadt Gehrden würde mit einer oder einem Niederdeutschbeauftragten ein starkes Zeichen setzen und einen wichtigen Beitrag zur Vitalisierung der Sprache leisten.

Ganz allein ist Ziemke beim Kampf um den Erhalt des Plattdeutschen nicht. Eine Grundschulklasse aus Eilvese hat am Mittwoch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil besucht und für ihn auf Platt gerappt. Der Besuch markierte den Auftakt der Aktion „Fredag ist Plattdag“, einem Gemeinschaftsprojekt der Landschaftsverbände und der Landesschulbehörde. Sie wollen Schulen dazu ermuntern, an jedem Freitag im September Platt und Saterfriesisch zu fördern. Anlass ist der Europäische Tag der Sprachen am 26. September. Rund 100 Schulen wollen mitmachen. Und: Seit dem 1. Januar 1999 ist die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ in Kraft. Diese Charta erkennt unter anderem das Niederdeutsche beziehungsweise Plattdeutsche auf europäischer Ebene als erhaltenswerte Regionalsprache an.

Von Dirk Wirausky

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