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Nachrichten Emil Nolde: Zwischen Frömmigkeit und Antisemitismus
Umland Gehrden Nachrichten Emil Nolde: Zwischen Frömmigkeit und Antisemitismus
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00:18 02.03.2019
Rund zwei Dutzend Gäste kamen zum Vortrag im Gemeindezentrum der Margarethengemeinde. Quelle: Tobias Welz
Gehrden

Unter dem Titel „Emil Nolde und seine Bilder“ haben Helga und Dirk Steffens einen Vortrag über den 1867 als Emil Hansen geborenen Künstler gehalten, der trotz seiner Nazi-Vergangenheit heute als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus gilt. In Gehrden sprachen die Steffens sowohl über Noldes Blumenbilder, seine ethnographischen Bilder und auch seine religiösen Bilder. Zudem wiesen sie auf die antisemitischen Aussagen des Künstlers und seine Hitler-Treue hin.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand jedoch Noldes Kunst, die „durch die Liebe zu seiner Heimat und seine religiöse Erziehung“ geprägt sei, sagte Dirk Steffens. Gezeigt wurden unter anderem Noldes roter Mohn, seine nordfriesischen Landschaften, die „Drei Russen“ und neuguineische Frauenbilder. Den Schwerpunkt des Vortrags legten die Steffens allerdings auf die religiösen Bilder. Zum Beispiel auf das Altarbild „Das Leben Christi“.

Dort werde das Christuskind entgegen damaliger Gepflogenheiten weniger göttlich, dafür aber sehr menschlich, weil fleischfarbend, dargestellt, erklärte Dirk Steffens. Zudem sei Maria von Nolde ungewöhnlich weiblich, beinahe gar erotisch anziehend gemalt worden, fügte er hinzu. Daraus sei schließlich auch die ablehnende Haltung der Kirche Nolde gegenüber entstanden. Dabei seien Noldes religiöse Bilder „alle aus seiner tiefen Frömmigkeit“ heraus erstanden, sagte Helga Steffens. 1937 wurden 1052 Werke von Nolde durch die Nazis beschlagnahmt. In der kunstverachtenden Ausstellung „Entartete Kunst“ war Nolde von allen Künstlern am stärksten vertreten.

Nicht von der Nazi-Ideologie distanziert

Emil Noldes Bilder sind sehr beliebt, seine Nazi-Vergangenheit versuchte er nach dem Krieg zu vertuschen. Quelle: Minya Diez-Dührkoop

Nach einer kurzen Publikumsdiskussion über das Bild „Das Martyrium“ folgte dann ein weiterer Exkurs der Vortragenden zu Noldes politischer Gesinnung. Es gebe Briefe an diverse Nazigrößen, die, wenn man sie lese, „einem die Fußnägel hochklappen“, so Helga Steffens. Nolde sei zwar 1946 entnazifiziert worden, habe sich aber nie menschlich von der Nazi-Ideologie distanziert, kritisierte sie. Aber: „Seine Haltung macht keines seiner Bilder schlechter“, fügte die Vortragende hinzu. Und: „Für mich ist das schockierend, ich liebe die Bilder aber nicht weniger.“

Dirk Steffens wies bereits zu Beginn des Vortrags daraufhin, dass diverse Holzdrucke von Noldes Bildern in seinem Kinderzimmer gehangen hätten, dass sowohl der Altbundeskanzler Helmut Schmidt Nolde-Fan war und die amtierende Kanzlerin Angela Merkel auch eine „Vorliebe“ für den „Publikumsliebling“ Nolde habe (oder zumindest hatte). Zudem lobte er das Engagement der Nolde-Stiftung in Bezug auf deren Aufklärungswillen. Was mittlerweile über Noldes Nazi-Vergangenheit bekannt geworden ist, sei „ein großer Erfolg dieser Stiftung“, sagte Dirk Steffens. Dabei gilt ebendiese Stiftung manchen auch als Teil eines jahrelang aktiven Beschweige- und Beschönigungskartells.

Nach dem Ende des Vortrags wies Helga Steffens im Gespräch mit dem burgbergblick darauf hin, dass sie und ihr Mann den Schwerpunkt des Vortrags bewusst auf Noldes Kunst und nicht ganz so sehr auf seine politische Überzeugung gelegt hätten und fügte hinzu: „Wir haben nichts verschwiegen oder beschönigt.“ Außerdem machte sie darauf aufmerksam, dass sie zwar Noldes Bilder noch schön finde, eine Ausstellung dieser ohne Hinweis auf die antisemitische Einstellung des Malers aber ablehne.

Von Tobias Welz

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