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Lidl-Neubau: Abriss der Gartenlauben beginnt

Gehrden Lidl-Neubau: Abriss der Gartenlauben beginnt

Vorboten für den Lidl-Neubau: An der Ronnenberger Straße hat ein Abbruchunternehmen damit begonnen, zwölf frühere Parzellen des Kleingärtnervereins in Bauland umzuwandeln. Zunächst werden alle Anpflanzungen entfernt, um Platz für den Abriss der Lauben zu schaffen. Im Dezember will Lidl eröffnen.

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Mitarbeiter eines Abbruchunternehmens entfernen auf dem früheren Kolonie-Gelände mit Motorsägen alle Anpflanzungen, um Platz für die Abrissbagger zu schaffen.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden.  Es ist eine Mischung aus Neugier und Wehmut, die Dieter Sewig umtreibt: Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Gehrden ist extra am Vormittag mit zwei Gartenfreunden zur Kolonie an der Ronnenberger Straße gekommen, um sich persönlich zu überzeugen. Mitarbeiter einer Erdbau- und Abbruchfirma aus Bad Münder haben jetzt damit begonnen, einen früheren Teilbereich der Kolonie in Bauland umzuwandeln. Auf einem rund 8000 Quadratmeter großen Areal werden nun insgesamt zwölf frühere Parzellen des Vereins Stück für Stück geräumt, Anpflanzungen und Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Schon im Dezember will der Discounter Lidl dort einen Neubau eröffnen – ein Supermarkt in klimafreundlicher Bauweise, mit rund 1350 Quadratmetern Verkaufsfläche, Büros, Toiletten und etwa 120 Parkplätzen. 

Genau ein Jahr vor dem 100-jährigen Vereinsbestehen haben sich die Kleingärtner aber mit dem Verlust einiger Gärten längst abgefunden. „Die zwölf betroffenenen Laubenbesitzer haben ihre Anlagen schon im Dezember leer geräumt und verlassen“, sagt der Vorsitzende des Kleingärtnervereins. Einge seien innerhalb der Kolonie in freie Gärten umgezogen. Der Großteil hätte das Kleingärtnerdasein in Sichtweite zur katholischen Bonifatiuskirche aber schließlich aufgegeben. Der Eigentümer des Areals hatte dem Verein fristgemäß mir Ablauf des alten Pachtverhältnisses gekündigt und war mit den Kleingärtnern im vergangenen Oktober einen neuen Vertrag eingegangen – wieder mit einer Laufzeit von zehn Jahren, aber eben nur noch auf der Fläche, die nicht für den Lidl-Neubau benötigt wird.

Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins, Dieter Seewig, beobachtet an der neuen Grenze der Kolonie den Beginn der Räumungsarbeiten

Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins, Dieter Seewig, beobachtet an der neuen Grenze der Kolonie den Beginn der Räumungsarbeiten.

Quelle: Ingo Rodriguez

Für einige der scheidenden Laubenbesitzer sei es nicht leicht gewesen, ihre Parzellen zu verlassen – trotz vereinbarter Abstandsentschädigungen für Gebäudeteile und fest installierte Anlagen. „Die hatten ihre Gärten dort ja teilweise schon seit 20 bis 30 Jahren“, sagt Sewig. Betroffen ist auch Kleingärtner Bernd Hoyer. „Ich bin schon seit 37 Jahren in der Kolonie, aber ich muss nur ein Drittel meines Gartens abgeben“, sagt Hoyer und zeigt auf ein rotweißes Flatterband, das als Markierung für seine neue Gartengrenze dient.

Kleingärtner Benrd Hoyer zeigt das rotweiße Flatterband, das als Markierung für seine neue Gartengrenze dient

Kleingärtner Benrd Hoyer zeigt das rotweiße Flatterband, das als Markierung für seine neue Gartengrenze dient.

Quelle: Ingo Rodriguez

Der Vereinsvorsitzende war auch über den Beginn der Räumung von rund 8000 Quadratmetern der früheren Koloniefläche informiert. „Das Gelände ist zwar offiziell noch nicht vom Eigentümer an Lidl verkauft, aber es gibt wohl für die Räumung ein Vornutzungsrecht“, weiß Sewig. Die Mitarbeiter des Abrissunternehmens sind auskunftsfreudig. „Erst wird der gesamte Grünschnitt abgesägt, mit einem Bagger auf einen Haufen geschoben und geschreddert“, sagt einer der Männer aus dem Räumtrupp. Eine Woche sei dafür eingeplant: „Danach rücken die Abrissbagger an und tragen die Lauben ab“, sagt er. Anschließend werde für die Bauarbeiten auf dem gesamten Areal der Erdboden 90 Zentimeter tief abgetragen.

Die verlassenen Gartenlauben werden in Kürze mit einem Abrissbagger dem Erdboden gleich gemacht

Die verlassenen Gartenlauben werden in Kürze mit einem Abrissbagger dem Erdboden gleich gemacht.

Quelle: Ingo Rodriguez

Für den städtischen Fachbereichsleiter Wolfgang Middelberg ist der Räumungsbeginn keine Überraschung: „Lidl rechnet mit einer Bauzeit von fünf Monaten und hat das Weihnachtsgeschäft im nächsten Dezember schon mit eingeplant“, weiß er. Vorbereitende Arbeiten wie die Räumung seien nicht genehmigungspflichtig. Der Bebauungsplanentwurf befindet sich laut Verwaltung derzeit in der öffentlichen Auslegungsphase. Im März soll der Rat den B-Plan beschließen. Geplant ist vor dem Hintergrund des Lidl-Neubaus auch, die Kreuzung von Nedderntor und Schulstraße umzubauen und dort einen kleinen Kreisverkehr einzurichten.

An der viel befahrenen Kreuzung von Schulstraße und Nedderntor soll wegen des Lidl-Neubaus ein Minikreisverkehr eingerichtet werden

An der viel befahrenen Kreuzung von Schulstraße und Nedderntor soll wegen des Lidl-Neubaus ein Minikreisverkehr eingerichtet werden.

Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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