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11:32 10.11.2017
Bürgermeister Cord Mittendorf legt ein Gesteck an der jüdischen Gedenktafel am Steinweg nieder. Quelle: Rabenhorst
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Gehrden

 Rund 40 Vertreter des öffentlichen Lebens, der verschiedenen Konfessionen, aus der Politik, aus den örtlichen Vereinen sowie Gehrdener Bürger haben sich anlässlich der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 an der Gedenktafel für die jüdische Gemeinde und Synagoge in der Fußgängerzone am Steinweg versammelt. Der Chor der Margarethenkirchengemeinde unter der Leitung von Kantor Christian Windhorst umrahmte die stille Feierstunde musikalisch. 

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“: Dieses Zitat des italienischen Schriftstellers Primo Levi stellte Bürgermeister Cord Mittendorf in den Mittelpunkt seiner Ansprache. „Von uns kommt dazu ein deutliches Nein. Stolpersteine in der Dammstraße und die Gedenktafel an die jüdische Synagoge erinnern uns bei jedem Gang durch Gehrden und sollten uns immer wieder auffordern, wachsam zu sein und jeder Form des Rassismus entschieden entgegenzutreten”, sagte Mittendorf. Dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte dürfe nie wieder geschehen.

Mittendorf erinnerte daran, dass es in Gehrden seit dem 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde gegeben habe, die beständig zugenommen habe. „Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 110 Juden in Gehrden. Von der Gemeinde zeugt heute der jüdische Friedhof am Gehrdener Berg“, sagte der Bürgermeister. 

Der Friedhof wurde von 1752 bis 1935 belegt. Auf dem geschützten Kulturdenkmal sind 73 Grabsteine zu finden. Die Gemeinde habe bis Ende des 19. Jahrhunderts stark abgenommen, meist aus wirtschaftlichen Gründen seien die jüdischen Familien nach Hannover gezogen.

Die im Jahr 1850 im Steinweg gebaute Synagoge mit Schul- und Lehrerhaus wurde bis 1920 zum Gottesdienst genutzt, danach als Geschäftshaus von jüdischen Kaufleuten weitergeführt. Das ehemalige Gotteshaus wurde in der Reichspogromnacht stark beschädigt, aber durch die dichte Nachbarbebauung mit Margarethenkirche und Rathaus nicht in Brand gesetzt. 

„Diese Nacht markierte den Beginn der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegenüber den Juden“, sagte Mittendorf. Es sei das erste Mal gewesen, dass in Deutschland Ausschreitungen gegenüber Juden in diesem Ausmaß organisiert worden seien. „Das Novemberpogrom war also kein spontaner Ausdruck des Volkszorns, wie es die nationalsozialistische Propaganda behauptete, sondern eine gelenkte, zielgerichtete Ausschreitung, der erste Schritt auf dem Weg zu Holocaust“, betonte Mittendorf. Dem Terror der Nationalsozialisten fielen bis 1945 17 Gehrdener Bürger jüdischen Glaubens zum Opfer.

Von Heidi Rabenhorst

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