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Hemmingen Mit dem Schwert der Samurai zur Verdienstmedaille
Umland Hemmingen Mit dem Schwert der Samurai zur Verdienstmedaille
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17:15 09.01.2019
Hemmingens stellvertretende Bürgermeisterin Doris Linkhof (von links), Detlef Viebranz und die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck freuen sich über die Auszeichnung. Quelle: Claus Kirsch
Hemmingen-Westerfeld

Detlef Viebranz hat für sein Wirken für den Kendo-Sport die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Bei dem aus Japan stammenden Schwertkampf treten Sportler wie Samurais gegeneinander an.

Eigentlich wollte er regelmäßig mit seinen Studienkollegen tanzen gehen, um etwas für seine Fitness zu tun. „Aber das war nicht das Richtige für mich“, sagt Detlef Viebranz schmunzelnd. Also suchte er nach einer anderen Sportart und landete zunächst beim Aikido. „Dort zeigte uns jemand Kendo, den Schwertkampf der Samurai“, sagt der heute 63-Jährige, der in Hemmingen-Westerfeld wohnt. Die Sportart habe ihn sofort fasziniert. „Außerdem gibt es dabei mehr Wettkampfelemente als beim Aikido.“

Detlef Viebranz hat im Kendo bereits den siebten Dan erreicht, die zweithöchste mögliche Auszeichnung. Quelle: Privat

Also begann Detlef Viebranz vor genau 40 Jahren mit dem Kendo-Sport. „Kendo war damals in Norddeutschland noch nahezu unbekannt“, berichtet er. Ausgebildete Lehrer habe es kaum gegeben. Daher reiste er mit 26 Jahren während seiner Hochzeitsreise nach Japan, wo er mit ausgebildeten Kendo-Lehrern trainierte, unter anderem auch mit einem damals 83-Jährigen. „Trotz meiner körperlichen Fitness hatte ich damals Null Chance gegen ihn“, berichtet Viebranz. Denn beim Kendo kommt es nicht nur auf die Techniken und Taktiken des Schwertkampfes, sondern auch auf die geistige Ausbildung des Menschen an. „In Japan ist Kendo an Schulen ein Pflichtfach. An Universitäten können die Studenten zwischen Kendo und Judo wählen“, berichtet Viebranz. Denn durch den Schwertkampf der Samurai sollen die Schüler vor allem auch Charakterfestigkeit, Entschlossenheit und moralische Stärke erlernen.

Zwar ist der japanische Schwertkampf auch heute noch in Deutschland eine Randsportart. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 4000 Sportler, die in 90 Vereinen aktiv sind. Im Vergleich dazu betreiben in Japan, dem Heimatland des Kendo, rund 3,2 Millionen Menschen die Sportart. Doch Viebranz hat in den vergangenen 40 Jahren viel dazu beigetragen, die Bedingungen für die deutschen Sportler zu verbessern. Dafür ist er jetzt ausgezeichnet worden.

„Herr Viebranz verfügt über herausragende sportfachliche Kompetenzen und hat sich stets für die Belange des Deutschen Kendobundes als auch des Deutschen Judo-Bundes eingesetzt“, heißt es in der Begründung. Dabei habe er zahlreiche wertvolle Anstöße für die Entwicklung des Kendo-Sports gegeben.

Seit 2007 ist Detlef Viebranz Präsident des Deutschen Kendobundes. Unter seiner Leitung ist 2013 die Kendo-Europameisterschaft in Berlin ausgetragen worden. Außerdem hat er das Amt als einer von drei internationalen Direktoren des internationalen Kendoverbandes inne.

Er war bei zahlreichen Europa- und Weltmeisterschaften Delegationsleiter, Manager der deutschen Nationalmannschaft sowie vielfach Kampfrichter bei Europameisterschaften. Ein vorläufiger Höhepunkt seines Kendo-Lebenslaufs war 2018 seine Berufung zu einem von zwölf Kampfrichtern aus Europa zur Kendo-Weltmeisterschaft in Incheon in Korea.

Im Lauf der Jahre hat der Bauingenieur selber auch an zahlreichen Wettbewerben bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaften erfolgreich teilgenommen. Von 1983 bis 1991 war er Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft, mit der er 1987 Mannschafts-Europameister wurde. Außerdem ist der Hemminger, der Kendo-Trainer bei den Löwen Dojo in Braunschweig und im Kendo-Club Hannover ist, ein gefragtes Jury-Mitglied für Dan-Prüfungen im In- und Ausland und kümmert sich um die Ausbildung von Kampfrichtern.

„Als ich das Schreiben der niedersächsischen Staatskanzler öffnete, in der stand, dass mir die Auszeichnung verliehen wird, hat mir das Herz bis zum Hals geschlagen“, berichtet Viebranz. „Über die Würdigung meines ehrenamtlichen Engagements bin ich sehr gerührt – zumal nur wenige Menschen aus dem Sportbereich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden.“ Dafür vorgeschlagen habe ihn bereits vor vier Jahren ein ehemaliges Mitglied des Bundesvorstandes.

„Ich würde mir wünschen, dass Kendo in Deutschland noch etwas populärer wird“, sagt der 63-Jährige, der selber auch weiterhin dazu beitragen will. Denn ein Ende des Kendo-Sports ist für ihn nicht in Sicht. Mittlerweile hat er selber den siebten Dan erreicht. „Die Prüfung ist so schwer, dass sie nur maximal sechs bis sieben Prozent aller Teilnehmer bestehen“, berichtet er. Er selber habe es ebenfalls erst nach mehreren Anläufen geschafft. Sein Ziel ist nun der achte Dan, die höchste Auszeichnung, die es für Kendo-Sportler überhaupt gibt. Die Chance, die Prüfung zu bestehen, liegt laut Viebranz bei 0,8 bis 1 Prozent. „Weltweit haben nur rund 400 Menschen den achten Dan“, sagt der Hemminger. „Rund 350 davon sind Japaner.“ In Europa besitze ihn lediglich ein Sportler in Frankreich – und dieser sei ebenfalls Japaner.

Von Stephanie Zerm

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