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Hemmingen „Wenn ich meine Schüler erlebe, ist mir nicht bange“
Umland Hemmingen „Wenn ich meine Schüler erlebe, ist mir nicht bange“
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00:19 01.10.2018
Kronsberg, KroKus: ÜberMorgen. Moderation: Jan Sedelies. Podium: Jan Sedelies, Jürgen Bergstette, Jens Kotlarski, Yvonne Salewksi, Hedwig Gebbeken. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover/Laatzen

Wie beeinflussen digitale Medien Schule und Arbeitswelt? Was will die Generation Z – die heutige Generation von Schülern und Studenten? Fragen wie diese haben die Teilnehmer der vierten von der HAZ und der Sparkasse Hannover organisierten Podiumsdiskussion „ÜberMorgen“ beschäftigt, an der Experten auch aus Laatzen teilnahmen. Rund 80 Zuhörer kamen dafür am Donnerstag ins Kulturzentrum KroKuS am Kronsberg.

Wer heute einen Beruf erlerne, könne sicher sein, dass er ihn in dieser Form in 20 Jahren nicht mehr ausüben wird: Zu sehr änderten sich die Abläufe und Anforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung, glaubt Jürgen Beckstette, Leiter der Leine-Volkshochschule in Laatzen. Wichtig sei es, offen und neugierig zu bleiben, um sich neu zu orientieren.

Das Podiumsgespräch „ÜberMorgen“ lockte am Donnerstag rund 80 Zuhörer ins Stadtteilzentrum Krokus am Kronsberg.

Dabei prägen schon jetzt, aber vor allem künftig digitale Hilfsmittel und Roboter den Alltag – davon ist der Maschinenbauingenieur und High-Tech-Unternehmensgründer Jens Kotlarski überzeugt. Auch Virtuelle Realitäten (VR) würden immer bedeutender. An die Universität Hannover kämen in Lehrveranstaltungen mitunter gerade einmal vier Roboter auf 300 Studierende. Mit den Möglichkeiten von VR hingegen könne jeder Student seine eigenen Roboter „begreifen“ und damit lernen, sagt der Spezialist für Automatisierung. Auch Ärzte hätten mit VR die Möglichkeit, komplexe Operationen zu üben – ohne dass Patienten in Gefahr sind.

Dass Smartphones, Social Media und die Digitalisierung viele Chancen bieten, glaubt auch Hedwig Gebbeken, die als systemische Therapeutin arbeitet und Lehrkräfte und Schulbegleiter fortbildet. Gleichwohl hätte die digitale Technik auch negative Auswirkungen – etwa auf die Konzentrationsspanne: „Die Generation Z liest nur noch Überschriften und ist nicht in der Lage, 20 Minuten Text zu erfassen.“ Der Impuls, Informationen sofort digital zu besorgen, sei ein Problem. Ihr Rat: Erst nachdenken, denn „die Gedächtnisaktivierung ist elementar für den Lernprozess“. Handyverbote an Schulen so wie in Frankreich hingegen seien kritisch zu sehen. Vielmehr gehe es darum, den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.

Der Sinn muss beim Lernen deutlich werden

Ein anderes Bild zeichnet bei der Diskussion die Biologielehrerin Hendrika van Waveren vom Laatzener Erich-Kästner-Gymnasium: Sie erlebe Jugendliche als wissbegierig und an der Welt interessiert. Wichtig sei, dass der Sinn beim Lernen deutlich werde. Dann erarbeiteten Schüler auch gern eigenständig Lösungen, glaubt die mehrfach ausgezeichnete Pädagogin, die an ihrer Schule Projekte wie die Forscherwoche, das Leibniz Junior Lab und das bilinguale Schülerprojekt Vision Hannover 2050 betreut. „Wenn ich meine Schüler erlebe, ist mir um Übermorgen nicht bange“ , so van Waveren.

Ganz ähnlich sieht dies Arne Bungeroth, Sozialarbeiter und Leiter der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Laatzen: Lernen sei ein aktiver Prozess, der gefördert und gehemmt werden kann. Stress und Angst wirkten sich negativ aufs Lernen aus. Wenn hingegen Zusammenhänge klar erkennbar seien, der Sinn deutlich werde und Menschen sich aufgehoben fühlten, werde Lernen zum Kinderspiel. „Das Wohlfühlen ist ein wichtiger Faktor.“ Von HAZ-Moderator Jan Sedelies nach dem Stand der Chancengleichheit im Land gefragt, zeichnete Bungeroth ein ernüchterndes Bild. „Deutschland ist bisher nicht gut.“ Zwar werde viel in frühkindliche Bildung investiert und gelten Kitas seit 15 Jahren als Bildungseinrichtung, in denen kindliche Neugier gefördert wird. Dennoch bleibe der aussagekräftigste Marker, um den Erfolg eines Kindes vorhersagen zu können, nicht etwa dessen persönliche Fähigkeiten sondern der Beruf des Vaters.

Betriebe schauen weniger aufs Zeugnis

Worauf es bei der Vermittlung von Jugendlichen in die Ausbildung ankommt, schilderte Yvonne Salewski, Pädagogin und Geschäftsführer des Vereins „Ausbildung in Verbund pro regio“: Angesichts des Fachkräftemangels blickten gerade kleine Betriebe bei der Suche nach geeigneten Bewerbern nicht mehr so sehr aufs Zeugnis oder die Angaben aus – zumal anonymisierten – Onlineverfahren. Vielmehr sei es für sie wichtig, den Bewerber kennen zu lernen und zu sehen, wie er an die Materie herangeht. Für die künftigen Auszubildenden wünscht sie sich einen engeren Austausch von Schulen und Betrieben.

Für den ganzheitlichen Blick auf die Gesellschaft statt nur auf hohe Bildungsabschlüsse warb die Kinder- und Jugendpsychiaterin Gebbeken. Jeweils etwa ein Drittel der Menschen in der Gesellschaft hätten einen Intelligenzquotienten von bis zu 90, bis zu 115 oder aber mehr als 115. Das untere Drittel werde oft vergessen und die Bezahlung von Arbeit richte sich noch zu stark nach dem Bildungsabschluss. Statt die dringend benötigten Altenpfleger erst ein Studium absolvieren zu lassen, um deren Tätigkeit besser zu entlohnen, sollte sich die Bezahlung gleich nach dem Wert für die Gesellschaft richten, meint die Therapeutin: „Wenn ich alt bin und gepflegt werden muss, brauche ich niemanden mit Abitur, sondern mit Empathie.“

Von Astrid Köhler

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