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Hemmingen Diese Männer bauen die Ortsumgehung
Umland Hemmingen Diese Männer bauen die Ortsumgehung
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00:19 02.03.2019
Wolfgang Deutsch (links) und Hussein Jalalaldiin auf der Baustelle. Im Hintergrund ist die Deveser Brücke zu sehen. Quelle: Andreas Zimmer
Hemmingen

Die B-3-neu: eine kilometerlange Baustelle durch fast alle Hemminger Stadtteile. Ende September 2019 soll die Umgehungsstraße für den Verkehr freigegeben werden. Doch wer sind eigentlich die Menschen, die sie bauen? In einem Container in Devese trifft diese Zeitung mittags auf den zurzeit jüngsten und den ältesten Bauarbeiter der Baustelle, beide angestellt bei der Firma GP Papenburg Baugesellschaft, die den Auftrag für den Tief- und Straßenausbau erhalten hat. Hussein Jalalaldiin, 33 Jahre, ist ein Flüchtling aus dem Sudan, seit 2013 in Deutschland, wohnt in Hannover und ist im zweiten Lehrjahr einer Ausbildung zum Straßenbauer. Wolfgang Deutsch, 60 Jahre, übernachtet in einer Unterkunft der Firma GP Papenburg Baugesellschaft in Hannover, wohnt im Ostseebad Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) und ist als Baumaschinist tätig. Sie sind zwei von bis zu 25 männlichen Mitarbeitern, die in Spitzenzeiten auf der Baustelle zwischen Arnum und Ricklingen sind. Hinzu kommen noch die Mitarbeiter von sogenannten Nachunternehmern.

Die Baustelle ist etwa sieben Kilometer lang. Haben Sie beide sich heute überhaupt schon gesehen?

D (=Deutsch): Wir sehen uns morgens zur Arbeitsbesprechung und zum Feierabend, vielleicht auch in der Mittagspause.

Was heißt morgens?

J: Um 7 Uhr, bei der jetzigen Witterung um 7.30 Uhr. Von 12.30 bis 13 Uhr ist Mittag. Feierabend ist zwischen 17 bis 18 Uhr.

Was haben Sie beide gestern den Tag über gemacht?

J(=Jalalaldiin): Ich habe an der Deveser Straße Rohrleitungen verlegt.

Hussein Jalalaldiin auf der Baustelle. Quelle: Andreas Zimmer

D: Ich habe an HEM 10 einen Einschnitt gemacht.

Was verbirgt sich hinter HEM 10 und dem Einschnitt?

D: HEM 10 ist die Bezeichnung für die Brücke an der Bockstraße in Arnum. Ein Einschnitt ist eine Vertiefung für die Strecke vom Hohen Holzweg bis zur L389 Arnum-Ohlendorf.

Mit einem Bagger?

D: Und mit was für einem: ein hypermoderner.

J: Was sagst Du immer? Das ist wie...

D: ...ein Raumschiff zu fahren. Das Modell gehört zu den drei intelligentesten Baggern der Welt. Seit 2006 sind die Bagger GPS-gesteuert, aber so was wie jetzt habe ich noch nie gesteuert.

Wow! Warum?

D: Das Bauprojekt wird eingespeist, und ich sehe an einem Riesenbildschirm die Baustelle, wo ich bin und was ich zu tun habe. Es wird zum Beispiel auf Zentimeter genau angezeigt, wie tief ich an einer Stelle noch zu graben habe. J: Und Du hast eine Klimaanlage.

Und das machen Sie wie lange?

D: 67.000 Kubikmeter Abtrag - das dauert ein paar Wochen. Den Boden nehmen wir dann später unter anderem für die Lärmschutzwälle in Devese.

Was ist denn das ideale Bauwetter im Winter?

D: Minus zehn Grad.

Wieso Frost?

D: Dann haben wir optimale Bodenverhältnisse. Nach Regen ist alles schlammig und im Sommer, als es zu trocken war, gab es viel Staub.

Wie kommen Sie selbst mit Kälte zurecht?

J: Wir haben gefütterte Arbeitsjacken und man muss eben ein Paar Pullover darunter tragen.

D: Kein Problem. Ich habe eine Klimaanlage im Bagger.

Und wie war für Sie der vergangene heiße Sommer?

J: Ich bin gut damit zurechtgekommen.

D: Ich war auf einer Baustelle in Peine und habe bei dem Bagger in der Nähe des heißen Motors gesessen. Sechs Liter Wasser habe ich jeden Tag getrunken.

Wie fühlen Sie sich generell am Ende eines Arbeitstages?

D: Ausgelaugt. Es ist für den Körper schon eine Herausforderung. Ich mache abends nicht mehr viel. Um 21 Uhr ist Bettruhe.

J: Ich bin jünger, aber merke es auch. Ich muss abends manchmal Berichte für die Arbeit schreiben und oft brauche ich lange dafür.

Was machen Sie am Wochenende?

D: Ich bin auf Montage und quäle mich durch andere Baustellen nach Hause. Am Wochenende ist Familienzeit. Ich bin dreifacher Opa.

J: Ich habe noch keine Familie und spiele gern Fußball und treibe Sport.

Waren Sie beide schon vorher mal in Hemmingen?

D: Nein, so viel Sightseeing gibt es hier nicht.

J: Ich auch nicht.

Was nehmen Sie von Hemmingen wahr?

D: Ich sehe vom Bagger aus zum Beispiel zurzeit das Neubaugebiet in Arnum, aber es gibt kaum Kontakt zu den Leuten. Es gibt einen Rentner, der kommt häufiger vorbei, und Familien mit Kindern, die spazieren gehen und beim Baggern zuschauen.

Wolfgang Deutsch auf der Baustelle. Quelle: Andreas Zimmer

Die meistgestellte Frage von denen lautet...?

D: Wann ist die Umgehung fertig?

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

J: Ich arbeite gern draußen.

D: Was habe ich nicht schon mitgebaut: Autobahnen, Tunnel, Häfen, ... Und man kommt viel rum. Ich war sogar mal auf einer Baustelle in Albanien. Meine 45 Berufsjahre habe ich jetzt voll. Ich könnte früher gehen, aber ich will bis zum 1. Juli 2022 weitermachen.

Wollten Sie immer diesen Beruf ergreifen?

D: Ich wäre gern Maschinist auf einem Schiff geworden, aber das ging bei uns in der ehemaligen DDR schlecht, oder in der Vermessung tätig gewesen. Heute habe ich beides.

Wie hat sich der Beruf in den Jahrzehnten verändert - abgesehen von der technischen Entwicklung?

D: Es gibt eine große Zeitersparnis. Früher musste alles mit der Hand vermessen werden, das dauerte. Ich kann das noch mit Wasserwaage und Schnur. Hussein haben wir es auch beigebracht.

J: Ja, ich kann es jetzt auch.

D: Früher sind die Generationen allerdings nicht mitgelaufen, sondern in der Zeit geblieben.

Wie meinen Sie das?

D: Ich nenne mal ein Beispiel: Ich höre die gleiche Musik wie meine 13-jährige Enkelin. Das hätte es früher nicht gegeben. Früher hätte die ältere Generation nur Schlager gehört.

Im Januar mussten die Arbeiten auf der Hemminger Baustelle für neun Tage ruhen, weil es zu stark geregnet hat.

D: Das ist im Bauleben so. Aber ich hatte nicht frei. Ich wurde in Walsrode und in Peine eingesetzt.

J: Ich hatte auch kein frei, sondern war in der Berufsschule.

Gab es in Ihrer jetzigen Berufszeit einen Tag, an den Sie sich besonders gern erinnern?

J: Es war der Tag, an dem ich den Vertrag unterschrieben habe.

D: Lassen Sie mich kurz überlegen. - Es gab viele gute Tage. Die Firmenfarbe von Papenburg ist Gelb. Wir auf der Baustelle sagen: Wer lange bei Papenburg angestellt ist, in dem fließt gelbes Blut.

Mehr zum Thema Ortsumgehung finden Sie hier.

Von Andreas Zimmer

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