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Hemmingen Hemminger klettert immer bis zur Spitze
Umland Hemmingen Hemminger klettert immer bis zur Spitze
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00:17 27.07.2018
Samuel Frank Quelle: privat
Hemmingen-Westerfeld

Wenn Samuel Frank klettert, vergisst er die Welt. „Das ist bei den meisten Kletterern so. Wir sind dann so fokussiert auf unsere Aufgabe, dass wir für den Moment alles andere ausblenden“, sagt der 16-jährige Hemminger. Frank hat schon verschiedene Titel gewonnen und Rekorde aufgestellt, unter anderem war er 2015 Norddeutscher Bouldermeister. Zudem ist der Schüler der KGS Hemmingen Mitglied im Deutschland-Kader. „Dort werden alle drei Disziplinen des Wettkampfkletterns trainiert; Lead, Bouldern und Speed“, erläutert Frank.

Bevor der Hemminger eine festgelegte Route bei einem Wettkampf hinauf klettert, prägt er sich die einzelnen Griffe genau ein. „Ich könnte jetzt aus dem Stand heraus einige Routen inklusive der Griffe aufzeichnen, die ich schon geklettert bin“, sagt er. Auf Turnieren stehen die Kletterer meist gemeinsam vor einer Wand und machen für den Zuschauer möglicherweise komisch aussehende Bewegungen in der Luft.

„Wir spielen die Route dann immer schon im Kopf durch und greifen auch entsprechend“, sagt Frank. Derart versunken sind die Sportler dann auch beim Klettern. „Ich war schon auf Turnieren, da haben Zuschauer gejubelt, während ein Sprecher moderierte und dazu noch laute Musik lief. Diese ganze Geräuschkulisse habe ich erst wieder wahrgenommen, als ich oben war“, sagt der 16-Jährige.

16-Jähriger Hemminger klettert allen davon

Der Hemminger klettert seit seiner frühen Kindheit. Seine Mutter Carola Nordmeyer-Frank sagt: „Samuel konnte an keinem Baum vorbeigehen, ohne hinauf zu klettern. Die waren gerne auch mal 15 Meter und höher.“ Doch wirklich verletzt hat er sich bis jetzt nicht. „Ich bin hier und da schon mal ein paar Meter gefallen. Doch wer viel klettert, lernt auch das Fallen“, sagt der 16-Jährige.

Seit einigen Jahren ist Frank fast jedes zweite Wochenende unterwegs, auf Freundschaftsturnieren oder auch beim Deutschland-Cup. Bei letzterem handelt es sich um eine Veranstaltung, die an mehreren Turniertagen an verschiedenen Orten meist in Süddeutschland ausgetragen wird. Die Teilnehmer müssen sich in allen drei Kletter-Disziplinen beweisen. Jeweils am Ende des Jahres wird dann eine Rangliste aufgestellt. Zurzeit liegt Frank dort auf Platz sechs. Ein Turnier steht allerdings noch aus.

Viermal in der Woche Training

Als Mitglied des Deutschland-Kaders trainiert Frank bis zu viermal in der Woche jeweils drei bis fünf Stunden. „Dort werden alle Muskeln trainiert. Es gilt das Motto: Jeder Sportler ist nur so stark, wie der schwächste Muskel“, sagt Frank. Besonders wichtig sei es unter anderem auch, die Kraft in den Fingern zu stärken, damit dort keine Sehnen oder Kapseln reißen. Auch Theorie gehört zum Training. „Wir müssen unseren Körper und die Abläufe kennen“, sagt Frank.

Bis zu dreimal im Jahr fährt Frank auch mit dem Alpenverein Hannover auf eine Klettertour in die Alpen. „Es ist nicht nur der Sport, der Spaß macht. Es ist auch die tolle Gemeinschaft unter den Sportlern“, sagt Frank. Abgesehen vom regelmäßigen Kauf neuer Schuhe, sind es vor allem die Reisekosten, die in diesen Sport investiert werden müssen. „Weiteres Material brauchen wir sonst nicht“, sagt Frank.

Der Hemminger weist darauf hin, dass das Klettern ein Hobby bleiben soll. Beruflich plant er eher in den technischen Bereich zu gehen. „Es gibt nur wenige, die durch ausreichend Sponsoren vom Klettern tatsächlich leben können. Es ist eben kein Breitensport“, sagt Frank, der das aber auch nicht bedauert. „Ich genieße auch die Zeit mit meinen Freunden, bei der es nicht um das Klettern geht“, sagt er.

Wer Frank einmal in Aktion sehen möchte, kann dies im Internet bei youtube.com unter den Stichworten „samuel fehmarn“. Das „Silo Climbing Fehmarn“ hat mit einer Route von 40 Metern die höchste sogenannte Toprope in Europa. Das Video aus dem Jahr 2016 zeigt den damals 14-jährigen Frank, wie er diese Route quasi hinauf schwebt. In diesem Jahr schaffte der Hemminger die 40 Meter in 47 Sekunden. Das ist bisher noch niemandem gelungen.

Die drei Disziplinen des Wettkampfkletterns:

Die Disziplin Lead ist seit mehr als 20 Jahren als Wettkampfsport etabliert. Das Ziel ist es, eine Route von 10 bis 20 Metern innerhalb eines Zeitlimits möglichst ohne Stürze zu meistern. Bewertet wird anschließend die erreichte Höhe. Die Athleten haben jeweils die Möglichkeit, sich die Routen von unten mehrere Minuten anzuschauen und einzuprägen, bevor sie mit dem Klettern beginne.

Beim Bouldern wird ohne Seil an Fels- oder Kunstwänden geklettert. Stürze werden durch Weichbodenmatten abgefangen. Von den Sportlern werden meist akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder auch ungewöhnliche Körperpositionen verlangt.

Beim Speed entschiedet wie es der Name sagt, die Geschwindigkeit über den Sieg. Alle Kletterer müssen die gleiche Route an einer natürlichen oder künstlichen Wand hoch. Dabei wird die Zeit gemessen. Hier kommt es vor allem darauf an, sich die Bewegungsabläufe für die Route zuvor genau eingeprägt zu haben.  

Von Tobias Lehmann

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