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Nachrichten Streit ums Römerlager: Wer meint was?
Umland Hemmingen Nachrichten Streit ums Römerlager: Wer meint was?
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00:17 09.09.2017
Von Andreas Zimmer
Veronica König, Grabungstechnikerin vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, arbeitet in einem Graben auf dem Feld zwischen Wilkenburg und Arnum. Quelle: Andreas Zimmer
Wilkenburg

Mittlerweile gibt es vielerlei Stellungnahmen und Bewertungen unter anderem aus der Fachwelt sowie von Behörden, Politikern und Initiativen. Diese Zeitung gibt einen Überblick.

Bürgerinitiative: pro Römerlager. Die Anwohner befürchten nicht nur Lärm und Schmutz über Jahre, sondern auch irreparable Einschnitte in Fauna und Flora.

Holcim:pro Kiesabbau. Der Baukonzern zeigt weiter Interesse an dem Gebiet, muss das Vorhaben aber noch durchrechnen. Dazu fehlen ihm Angaben über die Auflagen für den Denkmalschutz. Die Region soll sie liefern, die wiederum auf eine Stellungnahme aus dem Ministerium wartet.

Ministerium für Wissenschaft und Kultur: noch kein endgültiges Votum. Es ließ aber erkennen, dass es verhindern will, dass die Bagger anrücken und das Römerlager dem Kiesabbau weichen muss – oder, wie es die Ministerin damals ausdrückte: „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass die Belange des Denkmalschutzes angemessen berücksichtigt werden.“

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege: pro Römerlager. Als Fachbehörde kann es nur beratend tätig sein. Das Amt regt an einige Jahre ins Land gehen zu lassen. In dieser Zeit könnte es neue digitale und naturwissenschaftliche Möglichkeiten zum Erforschen geben. Das Gelände in Wilkenburg genießt bereits den höchsten Denkmalschutzstatus, den das Land vergeben kann.

Rat der Stadt Hemmingen: pro Römerlager. Der Rat verabschiedete im März dieses Jahres eine Resolution. Die Fundstätte sei "von europäischem Rang". Würde sie unwiederbringlich zerstört, bedeute dies für die Stadt, dass "ein bis jetzt noch nicht abschließend erforschter Bestandteil ihres historischen Erbes ausgelöscht würde“. Wilkenburg könnte zum "zentralen außerschulischen Lernort" werden. Die Auskiesung lehnt der Rat aber auch wegen der Lärm- und Umweltbelastungen ab. 

Region Hannover: noch kein endgültiges Votum. Sie ist für die Genehmigung der Auskiesung zuständig und wartet auf eine Stellungnahme des Ministerium, der obersten Denkmalschutzbehörde. Die Region muss den historischen Wert des Römerlagers abwägen, aber auch gesetzliche Vorgaben zur Rohstoffsicherung.

Regionsversammlung: noch kein endgültiges Votum. Das Thema soll im Umweltausschuss der Region diskutiert werden, forderte Ende Juli die FDP-Regionsfraktion.

Römer-AG Leine: pro Römerlager. Das Lager sei ein „archäologischer Schatz und für Bevölkerung und Forschung von fundamentaler landesgeschichtlicher Bedeutung“, schließlich sei es das einzige bekannte nicht überbaute Marschlager nördlich des Limes und zugleich das nördlichste in Deutschland mit erstaunlich vielen Funden.

Stadtverwaltung Hemmingen: pro Römerlager. In Hemmingen sei schon genug Kies abgebaut worden, argumentiert sie und verweist auf den historischen Wert der Fundstätte. Außerdem könne den Anwohnern nicht jahrelang Lärm und Schmutz zugemutet werden. Die Verwaltung informiert sich zurzeit bei einem Fachanwalt über rechtliche Möglichkeiten für den Fall der Auskiesung. Auch aus touristischer Sicht wäre das Lager interessant, da die Stadt im Hinblick auf Sehenswürdigkeiten bisher keinen Besuchermagneten dieser Größenordnung hat. Ein Planungsbüro hatte im Februar dieses Jahres von sich aus bereits ein Besucherzentrum mit einem 15 Meter hohen Turm mit Aussichtsplattform ins Gespräch gebracht.

Unternehmerverbände: pro Kiesabbau. Sie verweisen auf die Rohstoffsicherung. In Hemmingen gebe es hochwertige Kiesvorkommen, die auf Baustellen in der Nähe eingesetzt werden könnten.

Das Römerlager in Zahlen1 Tag und eine Nacht oder waren es mehrere? Noch ist nicht geklärt, wie lange sich die Römer in Wilkenburg aufgehalten haben.2 Jahre ist es her, dass Archäologen in Wilkenburg Spuren für ein Römerlager gefunden haben.3 Legionen waren mit Hilfstruppen unterwegs.30 Hektar umfasst das Gelände, ist also so groß wie 40 Fußballfelder.2000 Funde wurden bisher geborgen, darunter römische Spielwürfel, Sandalennägel, Rüstungsteile, Kleingeld der Legionäre, Teile von Pferdegeschirr, aber auch weitere nicht nur aus römischer Zeit.20.000 Soldaten sollen in der Zeit von 4 bis 5 nach Chr. ihr Lager aufgeschlagen haben.

Fotostrecke Hemmingen: Streit ums Römerlager: Wer meint was?

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