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00:16 05.02.2017
Von Tobias Lehmann
Bürgermeister Claus Schacht (rechts) informiert in Wilkenburg über das Römerlager und den drohenden Kiesabbau. Quelle: Tobias Lehmann
Wilkenburg

Alles hängt von der Region Hannover ab. Sie ist die Behörde, die nach Abwägung aller Interessen entscheiden muss, ob eine Auskiesung des 332.000 Quadratmeter großen Gebiets erlaubt wird. Die Firma Holcim hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Archäologen entdeckten 2015 in dem Bereich allerdings ein Römerlager, das das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege als in dieser Form einzigartig betrachtet. Die Region wies im Dezember 2016 darauf hin, dass es in Europa eine ganze Reihe ähnlicher Römerlager gebe. Der Fund reiche nicht aus, um eine Auskiesung zu untersagen. Das Unternehmen müsse allerdings die Kosten für Ausgrabungen tragen, die in die Millionen gehen könnten.

Die Römer-AG hat daraufhin einen offenen Brief an die Landesministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić (Bündnisgrüne), geschrieben. Darin wirft sie der Region  unter anderem "fachliche Unkenntnis" vor und bittet das Ministerium zu intervenieren. Darüber hinaus sei die Untere Denkmalschutzbehörde der Region verpflichtet, der Einschätzung des Landesamtes zu folgen. Regionssprecher Klaus Abelmann teilte auf Anfrage dieser Zeitung allerdings mit, dass dies nicht richtig sei. Das Landesamt habe eine beratende Funktion.

Das bestätigt auch Henning Haßmann, Abteilungsleiter Archäologie des Landesamtes für Denkmalpflege. Die Region Hannover habe allerdings nicht die "Ressourcen", die dem Landesamt zur Verfügung stehen. Deshalb sei es angebracht, den Empfehlungen zu folgen. Er sagte am Donnerstag, dass die Region zwar recht damit habe, dass es in Europa viele Römerlager gebe. "Keines davon ist jedoch in dieser Form erhalten. Die meisten sind bereits überbaut und stehen der Forschung nicht mehr zur Verfügung." Deshalb sei auch eine Ausgrabung nur eine Notlösung. Denn dadurch werde das Lager letztlich auch zerstört. "Dieser Ort könne eine Besuchsstätte für Schulklassen aus ganz Deutschland werden. Das Lager ist eine Sensation", sagte er. Aus seiner Sicht habe das Landesamt gute Argumente, um den Kiesabbau zu verhindern. Bis jetzt wurden von den Archäologen in dem Lager unter anderem typisch römisches Pferdegeschirr und 55 Münzen gefunden.  

Bürgermeister Claus Schacht hat bei einem Pressetermin der Stadt am Donnerstag sein Befremden darüber ausgedrückt, dass sich die Region zu diesem Thema öffentlich geäußert hat, bevor in einer abschließenden Beurteilung sämtliche Aspekte berücksichtigt seien. "Das Vorgehen der Region Hannover ist unüblich", sagte Schacht. Der Erhalt des Römerlagers sei zudem nur ein Aspekt unter vielen. "Für uns als Realpolitiker stehen die Anwohner an erster Stelle. In ihrem Sinne wollen wir den Kiesabbau verhindern", sagte Schacht. Die Region müsse neben der archäologischen Bedeutung des Römerlagers auch Aspekte wie Artenschutz, Lärmschutz oder Hochwasserschutz berücksichtigen. Durch eine neue Berechnung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sei ein Teil des Bereiches jetzt als vom Hochwasser bedroht eingestuft worden. "Möglicherweise müssen wir hier einen Deich bauen. Der lässt sich mit mit einem Kiesgebiet nicht vereinbaren", sagte Schacht. Er stehe in regelmäßigem Austausch mit der Region. Sollte es sich abzeichnen, dass es eine Genehmigung für den Kiesabbau gebe, werde sich die Stadt rechtlichen Beistand suchen. Eine Klage schließt er nicht aus und weist darauf hin, dass auch Bürger diese Möglichkeit haben.

Regionssprecher Abelmann erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass die Region mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen ist, weil das Interesse daran so groß gewesen sei. Fast täglich bekomme die Behörde Medienanfragen wie auch Briefe von Bürgern. In der abschließenden Beurteilung sollen aber alle Aspekte berücksichtigt werden. Wann das Urteil fallen wird, stehe noch nicht fest. Abelmann kritisierte zudem, dass das Landesamt der Region nicht alle zur Verfügung stehenden Kenntnisse bekannt gegeben hat. "Darüber müssen wir noch sprechen", sagte er. Sobald sämtliche Stellungnahmen eingegangen sind, werde es einen öffentlichen Erörterungstermin geben. 

Der entsprechende Antrag zum Kiesabbau der Firma Holcim läuft Ende Februar aus, kann aber verlängert werden. Solange es keine endgültige Entscheidung gibt, kann das Unternehmen immer wieder auf das Vorhaben zurückkommen. Holcim-Pressesprecher Jens Marquardt teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, das die Firma während des laufenden Verfahrens keine Auskunft zu dem Thema geben wolle.

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