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Nachrichten „Den Prozess Ganztagsschule anders angehen“
Umland Hemmingen Nachrichten „Den Prozess Ganztagsschule anders angehen“
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00:15 01.01.2018
Bürgermeister Claus Schacht im Rathaus. Quelle: Andreas Zimmer
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Hemmingen

 War 2017 ein gutes Jahr für Hemmingen? Welche Themen werden die Diskussionen 2018 bestimmen? Das Interview mit Bürgermeister Claus Schacht zum Jahresende in dieser Zeitung hat mittlerweile Tradition. 

Für Schacht war der Dezember 2017 auf jeden Fall ein besonderer Monat. Seit 20 Jahren ist der heute 62-Jährige Bürgermeister in Hemmingen und damit weiterhin der dienstälteste Bürgermeister in der Region Hannover. Das Interview führte Redakteur Andreas Zimmer.

War 2017 ein gutes Jahr für Hemmingen? 

Ich glaube, dass die Hemminger positiv aus diesem Jahr gehen können. Es gibt Themen, die lange in der Diskussion waren. In den vergangenen Monaten sind viele zukunftsweisende Entscheidungen getroffen worden. 

Nennen Sie bitte ein paar Beispiele! 

Die Alte Schmiede in Arnum ist eines. Auf dem Gelände an der B3 entstehen öffentlich geförderte Wohnungen für Senioren und eine Sozialstation. Eine wichtige Forderung des Seniorenbeirates, der sich sicherlich auch über die neuen Seniorenwohnungen an der Bockstraße freuen wird. Dort wird 2018 mit dem Bau begonnen. Und das neue Feuerwehrhaus in Arnum wird gebaut. Ebenso wird das Campusgelände an der KGS umgestaltet. Dort wird dann im Gebäude im Sommer 2018 auch die Sanierung der Aula durchgeführt. Die offene Ganztagsschule ab Sommer 2018 kommt ebenfalls. Wir müssen den Raumbedarf anpassen, das ist klar. Aber es zeigt sich, dass in dem Modell jede Menge Chancen stecken. Allerdings würde ich den Prozess heute anders angehen. 

Inwiefern? 

Ich spreche immer von der Amazon-Mentalität: Die Leute wollen wissen, was sie bestellen. Als wir mit den Eltern über die offene Ganztagsschule gesprochen haben, wollten sie wissen, was genau geplant ist. Wir hingegen haben das gar nicht bis ins Detail vorbereitet, weil wir uns eine Beteiligung der Eltern und des Lehrerkollegiums gewünscht haben. Heute würden wir das also konkreter vorbereiten. Aus meiner Sicht ist das Ganze jetzt aber auf einem sehr guten Weg, und wir werden die konkrete Ausgestaltung des Ganztags alsbald vorlegen.

Es ist immer so eine Sache mit der Bürgerbeteiligung. 

Ja, es ist ein Prozess und man lernt jeden Tag etwas Neues dazu. Aber ich bin extrem verantwortungsvoll mit dem Thema Offene Ganztagsschule umgegangen. Meine Mitarbeiter und ich haben zahlreiche Schulen in der Region Hannover und im Umland besucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass es die eine Ganztagsschule nicht gibt, sondern ganz unterschiedliche. Die Ganztagsschule ist neben der Feuerwehr das Thema, mit dem wir uns 2017 am meisten beschäftigt haben. Die Feuerwehr wird auch 2018 ein Schwerpunktthema werden. 

Sie meinen, weil dann die Ergebnisse des Feuerwehrbedarfsplans diskutiert werden? 

Ja. Es gab intensive Diskussionen mit Ratsmitgliedern und der Feuerwehr, aber wir müssen baulich was machen, das hat der Bedarfsplan bestätigt. In Harkenbleck sind die Räume im Gerätehaus beengt. Wir haben uns in anderen Städten umgeguckt und uns wertvolle Anregungen geholt.

Und das Thema Hochwasserschutz? Die Bürgerversammlung sollte schon im Herbst sein. 

Hier wird nichts schuldhaft verzögert. Ich gehe jetzt von einem Termin im April 2018 aus. Das mag für einige spät klingen, aber es ist noch vieles unter anderem mit dem Niedersächsichen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Unteren Wasserbehörde der Region Hannover abzustimmen. Wir reden unter anderem über Schleusen, unterschiedliche Mauern und Polderbewirtschaftung, und das alles vor dem Hintergrund eines möglichen Schadenfalls in Höhe von 48 Millionen Euro. Wir müssen auch die Auswirkungen auf die Nachbarkommunen Laatzen, Pattensen und Hannover prüfen. Wichtig ist, dass wir bei dem Thema alle mitnehmen können. Wir reden über eine Investitionssumme von über 10 Millionen Euro. Da ist größte Sorgfalt geboten.

Wie ist der aktuelle Stand? 

Beim Befliegen wurde das Gebiet gescannt. Die Daten führten zu weitreichenden Erkenntnissen. So gibt es gravierende Veränderungen in der Deichlinie in Wilkenburg. Auch in Harkenbleck ist eine kleine Maßnahme erforderlich. Die Machbarkeitsstudie wird voraussichtlich Mitte Januar 2018 fertig sein. Im April 2018 werden wir auf die Politik und den Arbeitskreis Hochwasserschutz zukommen. Dann folgt eine öffentliche Bürgerversammlung. Im Fachausschuss wird es noch vor den Sommerferien 2018 öffentlich diskutiert. 

Eines der umstrittensten Projekte in der Stadt ist sicherlich das Büroensemble an der B3/Weetzener Landstraße nach den Plänen von Max Dudler, darunter ein Hochhaus mit 13 Stockwerken. Gehört so etwas nach Hemmingen? 

Ich möchte das noch nicht bewerten. Nur so viel: Ich finde es unerträglich, dass dem Eigentümer einer größeren Fläche nicht gestattet sein soll, darüber nachzudenken, was mit seinem Gelände geschehen soll. Die Fläche bekommt im Zusammenhang mit dem Stadtbahnanschluss eine herausragende Bedeutung. Es ist erst einmal positiv, dass der Investor ein renommiertes Architekturbüro beauftragt hat. Hemmingen hat derzeit keinerlei Flächen, um Unternehmen in die Stadt zu holen. Deswegen ist das Thema Nachverdichtung von zentraler Bedeutung. Irgendwo muss das Geld für den städtischen Haushalt auch herkommen. Und zu einer Stadt gehören nun mal auch Arbeitsplätze und starke Unternehmen. Wir werden natürlich bei den künftigen Entscheidungen auch die Meinung der Bürger berücksichtigen. Der Rat wird dies verantwortungsvoll tun.

Wie geht es denn bei dem Projekt weiter? 

Wir haben zwei Bitten an den Investor herangetragen: ein Gutachten über die Verkehrsbelastung zu erstellen und bei der Höhenentwicklung über Alternativen nachzudenken. Am Ende wird der Rat öffentlich entscheiden. 

Hat sich die Situation im städtischen Kindergarten Hiddestorf beruhigt? Dort hatte ein Elternpaar wegen geplanter Veranstaltungen in der benachbarten Nikolaikirche während der Kindergartenzeit die Antidiskriminierungsstelle des Bundes benachrichtigt. 

Leider nein, die Fronten sind noch verhärtet. Die Mitarbeiterinnen vor Ort sind derzeit stark verunsichert. Ich hoffe, dass sich die Situation wieder beruhigt und für alle Beteiligten wieder Frieden einkehrt. 

Wann steht das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) Hemmingen 2025 wieder auf der Tagesordnung? 

Das ist nichts Statisches. Jetzt muss sich erst einmal die Politik dazu äußern. Aus dem ISEK werden zentrale Bausteine abgearbeitet, darunter die Neugestaltung von Arnum-Mitte und die Gestaltung der sogenannten Fläche 60 beim Gartencenter Glende in Hemmingen-Westerfeld. Außerdem ist noch der Verkehrsentwicklungsplan zu diskutieren, und für den Schulentwicklungsplan werden wir ein Büro beauftragen. Für die Ortsentwicklung Devese ist ebenfalls ein Betrag im Haushalt eingeplant. Es wird nicht langweilig. 

Da ist Ihr Terminkalender für 2018 schon gut gefüllt. 

Ich bin durchgetaktet. Manchmal muss ich Veranstaltungen vor dem Ende verlassen. Mancher fragt sich dann zwar: Warum geht der schon? Doch woanders fragt man sich: Wo bleibt er denn? 

Aber bei allen Konzepten und Planungen haben sich keine neuen, großen Flächen für Wohnen und Gewerbe ergeben? 

Nein, es lässt sich nur im Bestand optimieren. Für unsere Planungen im Schulbereich und den Kinderbetreuungseinrichtungen tut eine Verschnaufpause allerdings auch gut. Wohnbauentwicklungen bedeuten zugleich auch zusätzliche Betreuungsangebote. 

Ist die Arbeit in der Stadtverwaltung mit dem vorhandenen Personal noch zu schaffen? 

Das Personalkorsett ist eng. Wir können auf keine einzige Stelle verzichten. Was passiert, wenn viele gleichzeitig krank werden, wenn andere im Urlaub sind, sieht man an den nicht zu vermeidenden Schließungen des Bürgerbüros Arnum. 

Mancher Fachbereichsleiter und Abteilungsleiter geht in einigen Jahren in den Ruhestand. Ist die Verwaltung schon jetzt darauf vorbereitet? 

Ja, es gibt viele gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der zweiten Reihe. 2018 beginnen wir auch mit der Ausbildung zum Bachelor of Arts in der Allgemeinen Verwaltung, damit wir auch im gehobenen Dienst guten Nachwuchs haben. Wir können zwar bei den Gehältern gegenüber dem Land und Region nicht konkurrenzfähig sein, aber das Betriebsklima in der Hemminger Verwaltung ist gut. Bei einer Tätigkeit in einer kleinen Kommune wie Hemmingen ist man Spezialist für alles. Doch wir haben eine gute Bewerbungslage. Ich bin deshalb ganz zufrieden. 

Was war für Sie eigentlich der Höhepunkt des Jahres in der Stadt? 

Das war die Woche mit unseren drei Partnerstädten in Hemmingen. Sie war anstrengend, aber es war auch eine tolle Zeit. Die Franzosen und Schotten kennen wir gut. In der polnischen Partnerstadt gibt es einen neuen Bürgermeister. Die Polen haben vermittelt, dass sie eine noch junge Demokratie sind und haben einen guten Eindruck hinterlassen. 

Ein Jahr Große Koalition im Hemminger Rat – wie beurteilen Sie sie? 

Die Verwaltungsarbeit ist verlässlicher geworden. Durch die GroKo sind die großen Linien festgelegt. Es ist allerdings nicht so, wie mancher meinen mag, dass das alles eine Soße ist. Es wird viel diskutiert, und dabei entstehen große Schnittmengen. Ich hoffe, dass die anderen Fraktionen im Rat sich trotz der Situation akzeptiert fühlen. Viele Entscheidungen sind am Ende einstimmig. Das ist ein gutes Zeichen. Es gint aber immer Verbesserungspotenziale. Wir arbeiten daran.

Bleiben wir beim Thema, aber zum Schluss möchte ich Sie zu einer Entweder/Oder-Antwort ermuntern: Große Koalition im Rat oder ein Rat, wie er davor war? 

Ich bin Realpolitiker und mit beidem zufrieden. 

Verwaltungsdrucksachen am Rechner oder ausgedruckt? 

Beides, manchmal muss ich drin rumschmieren. 

Telefonieren per Festnetz oder Smartphone? 

Smartphone. 

Herkömmliches Fernsehen oder Streaming wie Netflix? 

Sky. 

Gedrucktes Buch oder E-Book? 

Gedruckt. 

Bier oder Wein? 

Weißwein. 

2020 (in dem Jahr dürfen Sie aus Altersgründen in den Ruhestand gehen) oder 2021 (in dem Jahr endet Ihre Amtsperiode)? 

Das hängt von meiner Gesundheit ab. 2020 werde ich 65 Jahre alt und habe dann mein 50-jähriges Arbeitsjubiläum, da ich mit 15 Jahren eine Lehre begonnen habe. Ein schönes Datum um aufzuhören. Man wird sehen. Irgendwann ist alles mal zu Ende.

Von Andreas Zimmer

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