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Aus dem Seelenleben der Barbie-Puppen

Hemmingen-Westerfeld Aus dem Seelenleben der Barbie-Puppen

Als der Künstler Stefan Waghubinger vorübergehend verschollen war, wurde Ingrid von Drathen vom Vorstand des Kulturzentrums „bauhof“ unruhig. „Er wollte nur kurz noch etwas besorgen, und nun ist es fünf vor acht, in fünf Minuten soll es losgehen“, sagte sie.

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Stefan Waghubinger sorgt bei den Lachmuskeln seines Publikums für außergewöhnliche Belastungen.

Quelle: Achim von Lüderitz

Hemmingen-Westerfeld. Dennoch war Stefan Waghubinger, der den knapp 100 Besuchern in Hemmingen sein neues Programm „Außergewöhnliche Belastungen“ vorstellen wollte, letztlich doch noch auf die Minute pünktlich.

„Ich war noch schnell im Baumarkt, weil ich mir eine Fahrradklingel besorgen musste, die alte habe ich irgendwo liegen lassen“, sagte der Kabarettist, der das Utensil brauchte, um einen Klingelton auf seinem Handy zu imitieren.

Lampenfieber ist nicht die Sache des Österreichers, der allerdings schon seit 30 Jahren in der Nähe von Stuttgart wohnt und sich wie seine Mitbürger Jahr um Jahr mit der Steuererklärung herumplagen muss, die ihn oft von viel wichtigeren Sachen abhält.

Es war kein Programm zum Ausrasten und Schenkelklopfen, was der 51-Jährige, der Theologie studiert hat, bevor er mit dem Schreiben von Kindebüchern und Zeichnen von Cartoons begonnen hat, seinem schmunzelndem Publikum präsentierte. Es war mehr schwarzer Humor, verpackt in feine Ironie mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus.

Waghubinger philosophierte so scharfsinnig und geistreich über Gott und die Welt, über seine Familie, Freunde und Mitmenschen, dass es für die Gesichtsmuskeln der meisten Zuhörer schon eine außergewöhnliche Belastung war. „Nur weil ein paar Menschen betrügen, werden alle kontrolliert“, merkt er an, und ist stolz, dass er in seine Steuererklärung wenigstens schon einmal sein Geburtsdatum eingetragen hat, das Einzige, was in den vergangenen Jahren gleich geblieben ist. Die anderen Kästchen, verspricht er, kommen später.

Derweil beschäftigt er sich lieber ironisch mit dem Seelenleben von Barbie-Puppen, Eiern aus Bodenhaltung, Pubertät, Mobilität und Klimawandel („Wenn die Natur mit uns leben will, muss sie sich halt anpassen.“) Nach zwei Stunden waren die Lachmuskeln genug strapaziert. Waghubinger räumte seine spärlichen Utensilien zusammen und vergaß diesmal auch die Klingel nicht. „Damit ich beim nächsten Auftritt nicht wieder auf den letzten Drücker komme.“

2016 – 2018

Stefan Waghubinger sorgte bei den Lachmuskeln seines Publikums für außergewöhnliche Belastungen. FOTO: LÜDERITZ

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Stefan Waghubinger sorgt bei den Lachmuskeln seines Publikums für außergewöhnliche Belastungen.

Quelle: Achim von Lüderitz

Von Achim von Lüderitz

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