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KGS-Leiter ist ab Donnerstag im Ruhestand

Hemmingen-Westerfeld KGS-Leiter ist ab Donnerstag im Ruhestand

Dieter Driller-van Loo, Leiter der Hemminger KGS, geht in den Ruhestand. Am Dienstag, 30. Januar, ist die offizielle Verabschiedung.

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Dieter Driller-van Loo hängt Bilder in seinem Büro ab. In den Händen hält er eine Aufnahme von einem Volkswagen Samba Bulli T1. Einen T3 möchte er im Ruhestand restaurieren.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen-Westerfeld.  Dieter Driller-van Loo, Leiter der Hemminger KGS, geht in den Ruhestand. Am Dienstag, 30. Januar, ist die offizielle Verabschiedung.

Der heute 65-Jährige kam 1997 an die Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Hemmingen-Westerfeld. Bis 2008 war er Oberstufenkoordinator, dann leitete er drei Jahre den Gymnasialzweig. Seit 2011 ist er Schulleiter der KGS. Sein Abitur hat Driller-van Loo in Celle gemacht. Er studierte in Hannover und machte 1976 und 1977 sein Referendariat an der Lutherschule Hannover. Danach war er drei Jahre an der Sophienschule Hannover tätig, bevor er an die IGS Langenhagen ging und dort 1987 eine Jahrgangsleitung in der gymnasialen Oberstufe übernahm. Driller-van Loo ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und wohnt in Hannover. 

 Jetzt sind Sie extra ein halbes Jahr später in den Ruhestand gegangen, um Ihren Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin einarbeiten zu können und jetzt wird es damit nichts. 

 Ich bedauere das sehr. Die Bewerberin, die zuletzt im Gespräch gewesen ist, wäre in der Lage gewesen die KGS zu leiten. Leider wurde das Verfahren abgebrochen. Die Stelle wird im Schulverwaltungsblatt im Februar neu ausgeschrieben. Ich hoffe, dass sie zum 1. August besetzt ist. 

 Was passiert in der Zwischenzeit? 

 Mein Stellvertreter Andreas Gonschior übernimmt die Leitung kommissarisch. Es ist zwar eine ungünstige Zeit, denn mit Ute Leck geht auch die didaktische Leiterin der KGS zum Sommer 2018 in den Ruhestand. Aber Andreas hat bereits einen erfolgreichen Start hingelegt, an der KGS gibt es eine starke Leitungscrew, ein starkes Kollegium, eine starke Schüler- und Elternschaft – die schaffen das. Ich kann mir kein besseres Schulklima vorstellen. Deswegen gehe ich auch mit einem weinenden Auge. 

 Sie sind 2011 angetreten mit dem Wunsch nach einer Balance zwischen dirigistischer und partnerschaftlicher Führung. Ist Ihnen das gelungen? 

 Es ist doof, wenn man das von sich selbst sagt, aber ich glaube, ja. Es gab Diskussionen, aber wir haben uns immer wieder gut zusammengefunden. Es war eine ehrliche Kooperation. Ich habe immer versucht, dass keiner, der mein Büro verlässt, als Verlierer oder Verliererin geht. 

 Gab es in Ihren 42 Berufsjahren einen positiven Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 

 Ja, das war der Augenblick an der IGS Langenhagen, als angekündigt wurde, dass ein Jahrgang im Schuljahr 1982/83 sich selbst organisieren würde. Stellen Sie sich das mal vor! Wir haben den Spielraum bis an die Grenzen ausgenutzt. Es war ein erfolgreiches Modell und wurde eine Weile fortgesetzt. Ich hatte damals eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch mein weiteres Berufsleben gezogen hat: Wenn Leute da sind, die Bock auf etwas Neues haben, dann klappt es auch. 

 Gab es auch einen Tiefpunkt? 

 Den gab es, leider. Das war Mai 2016, als drei Jugendliche unserer Schule zwischen Hiddestorf und Pattensen ums Leben gekommen sind. Es kann nicht schlimmer kommen, wenn Kindern ihren Eltern weggerissen werden. Es war der schwärzeste Tag in meinem Berufsleben. Aber es war beruhigend zu sehen, wie die Kinder und Jugendlichen unserer Schule in dem Moment der Trauer zusammengehalten haben. 

 Wenn Sie Ihren Berufsstart und heute vergleichen: Inwieweit haben sich Schüler und Eltern verändert? 

 Von den Grundstrukturen her haben sich die Schüler nicht viel verändert. Aber wir leben heute in einer Absicherungsgesellschaft. Die Summe aller Besorgnisse bei den Eltern ist größer geworden. Doch Kinder brauchen eine ausgewogene Risikobereitschaft. Das macht sie fit fürs Leben. 

 Und der Lehrerberuf? 

 Mein Job besteht zu 85 Prozent aus Kommunikation, vor allem mit Eltern, Kolleginnen und Kollegen. Ich habe höchsten Respekt vor den Kollegen, die hauptsächlich unterrichten, 150 Sozialkontakte an einem Vormittag haben und in ihrem Berufsleben auf 8000 bis 10.000 Menschen kommen, denen sie begegnen. 

 Warum war eigentlich neulich das ZDF an der KGS? 

 Das Team hat für die Dokureihe 37 Grad gedreht. Das Thema lautet: Der letzte Arbeitsalltag. Die Sendung wird aber erst im Herbst ausgestrahlt. Das ZDF kommt in einem halben Jahr noch mal wieder und guckt, wie es mir geht. 

 Fürchten Sie den Ruhestand? 

 Ich hechele ihm nicht entgegen, ich fühle mich auch nicht ausgebrannt. Ich freue mich auf einen anderen Lebensabschnitt mit mehr Zeit für die Familie. Mal nicht der Blick auf die Uhr und der Anruf, es wird später. 

 Dann freuen Sie sich aufs lange Ausschlafen? 

 Das habe ich verlernt. Vielleicht kommt es wieder. Aber das macht nichts. Wenn ich um 6 Uhr wach werden sollte, freue ich mich über die Stunden am frühen Morgen. 

 Die Sie dann wie nutzen werden? 

 Zum Beispiel mit Zeichnen und dem Restaurieren von Möbeln. Ich kümmere mich aber noch um zwei schulische Projekte. 

 Aha, also doch kein Ruhestand. 

 In Bezug auf die Schule doch. Nein, wirklich, da funke ich niemanden dazwischen. Anderes ist aber schon angelaufen: die Kooperation zwischen Ministerium und Landessportbund. Das andere ist Jugend entdeckt Technik zusammen mit der Firma Groth und Partner. Im Physikunterricht soll innerhalb eines Jahres ein Rennwagen gebaut werden. Daran sind auch das Gymnasium Schillerschule in Hannover und die IGS Roderbruch beteiligt. Ganz privat möchte ich mit Freunden einen alten VW Bulli, einen T3, restaurieren. 

 Und die Musik? Sie singen und spielen Gitarre und E-Bass. 

 Und lerne Kontrabass. Nein, die Musik kommt nicht zu kurz. Zwei Kollegen und ich bilden die Band „Die Drei, die sie Pferd nannten“. Dann gibt es ein Jazzvocal-Ensemble (MimiRinini) mit fünf Musikern. Wir kennen uns aus den achtziger Jahren und haben vor drei Jahren wieder angefangen zu singen. 

 Am 1. Februar ist Ihr erster Tag im Ruhestand. 

Definitiv. Danach störe ich hier nur. 

 Was machen Sie am Abend davor? 

 Ich nehme noch an der Sitzung des städtischen Bildungsausschusses in Hemmingen teil. Das Amt endet schließlich erst um Mitternacht.

 Ihr Einsatz in allen Ehren, aber muss dieser Termin wirklich sein?

 Ja, wir haben dort um so vieles gerungen und ich möchte Dank sagen. Die Fraktionen haben sich gestritten, aber sie haben sich immer zusammengerauft und die Schule in den Vordergrund gestellt. 

 Und was machen Sie nach der Sitzung? 

 Da werde ich mit meiner Frau zu Hause ein Glas Sekt trinken. Ich bin ein Freund von Ritualen. 

Von Andreas Zimmer

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