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Wissenschaftler sprechen über Sex im Römerlager

Wilkenburg Wissenschaftler sprechen über Sex im Römerlager

Mit ihrer Sexualität sind die Römer sehr freizügig umgegangen. Wie freizügig, will die Römer-AG am Samstag, 6. Januar, von 14 bis 15 Uhr bei einer Führung erläutern. Dabei stellen die Wissenschaftler auch ein neues Buch vor, das sich hauptsächlich mit dem Römerlager in Wilkenburg beschäftigt.

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Die Römer, hier dargestellt von Werner Pollak von der Römer AG Leine, waren nicht so prüde wie wir heute. 

Quelle: STEPHANIE ZERM

Wilkenburg.  „Die Römer waren nicht so prüde wie wir“, sagt Robert Lehmann von der Römer-AG Leine. Erst im 18. und 19. Jahrhundert habe sich die Prüderie entwickelt. Der Naturwissenschaftler geht davon aus, dass im Römerlager in Wilkenburg, in dem rund 20.000 Legionäre stationiert gewesen sein sollen, auch Frauen anwesend waren. „Wir wissen, dass die Offiziere oft von ihren Ehefrauen oder Partnerinnen begleitet worden sind.“ Außerdem geht er davon aus, dass auch Händlerinnen und Prostituierte in dem Wilkenburger Lager gewesen sind. „Es war damals so üblich, dass sie die Legionäre begleitet haben.“ 

Lehmann geht davon aus, dass sicherlich ein paar Hundert Frauen im Wilkenburger Römerlager lebten. „Das ist eine sehr vorsichtige Schätzung“, sagt er. „Wahrscheinlich waren es sogar sehr viel mehr.“ In den Wochen, in denen sich die Legionäre in Wilkenburg aufhielten, sei es dort hoch her gegangen. „Wir vermuten, dass sehr viel getrunken und gespielt wurde.“

Am Samstag, 6. Januar, präsentieren gleich mehrere Wissenschaftler von der Römer AG Leine historische Belege, die sich auf das Thema „Sex im alten Rom“ beziehen. „Wir dachten, in der kalten Jahreszeit passt es sehr gut, einmal die ‚heiße’ Seite der römischen Hochkulktur zu beleuchten“, sagt Lehmann und versichert: „Natürlich erfolgt der Blick darauf mit der notwendigen Seriosität.“

Bei der Führung trägt die Historikerin Karola Hagemann erotische Gedichte der Römer vor und der Archäologe Ulrich Werz zeigt Repliken von Fundstücken aus Pompeji. Darunter auch historische Bordellmünzen. „Diese symbolisieren den Wert und die Stellung, die man dafür in dem Bordell bekommen konnte“, berichtet Lehmann. Solche Münzen habe man nur in Pompeji gefunden. „Sie waren sehr begehrt und wurden oft besser gehütet als Geldmünzen.“

Mit den Gedichten und Ausgrabungen aus Pompeji sowie weiteren Überlieferungen wollen die Wissenschaftler rekonstruieren, wie die Römer mit dem Thema Sex in  Wilkenburg umgegangen sein könnten. Denn Funde dazu gibt es keine. „Es gab zwar schon Kondome, etwa aus Darmblasen oder Leder“, sagt Lehmann. Diese organischen Stoffe hätten sich jedoch schon komplett aufgelöst.

Bei der Führung wollen die Experten auch ein neues Buch vorstellen. Insgesamt 35 Autoren haben unter dem Titel „Von Drusus bis Maximinus Thrax – Römer in Norddeutschland“ ihre Erkenntnisse veröffentlicht. Von den Beiträgen handeln gleich vier auf über 60 Seiten vom Römerlager Wilkenburg. Neben einer Vorlage der römischen Funde aus dem Marschlager ist ein herausragender Wilkenburger Fund sogar auf dem Buchcover abgebildet: der Kopf einer Wölfin, der ursprünglich zu einem Orden gehörte. 

Von Stephanie Zerm

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